ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2013Hypertonie: Initial auf Kombinationen setzen

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Hypertonie: Initial auf Kombinationen setzen

Dtsch Arztebl 2013; 110(23-24): A-1208

Vetter, Christine

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Die meisten Patienten erreichen ihre Blutdruckziele – wie in den aktuellen Leitlinien festgelegt – nur mit zwei oder mehr Substanzen. Ein bundesweites Angebot strukturierter Schulungsprogramme würde die Compliance verbessern.

Bei der Behandlung der Hypertonie gibt es in Deutschland nach wie vor Defizite. Zum einen ist die Dunkelziffer hoch, viele Betroffene wissen nicht, dass sie unter einer Hypertonie leiden. Zum anderen lässt Prof. Dr. med. Reinhold Kreutz, Berlin, zufolge der Kontrollgrad bei den diagnostizierten und therapierten Patienten zu wünschen übrig. „Nur bei rund jedem dritten behandelten Hypertoniker werden die Therapieziele wirklich erreicht“, mahnte Kreutz beim diesjährigen Internistenkongress in Wiesbaden.

Strukturierte Schulungen

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Um dies zu ändern, wären zwei Maßnahmen sinnvoll: Der Mediziner plädierte für die Erarbeitung strukturierter Hypertonieschulungen, ähnlich wie sie beim Asthma und auch beim Diabetes mellitus üblich sind. Bei der Hypertonie fehle bislang ein entsprechend etabliertes Instrument des Therapiemanagements, Eingang habe die Hypertonieschulung bislang nur partiell in die Diabetes-Schulungsprogramme gefunden. „Wir brauchten aber ein bundesweites Angebot strukturierter Programme“, sagte Kreutz.

Davon abgesehen ist offenbar mehr Konsequenz bei der Behandlung vonnöten: „Wir haben zwar klare Therapiealgorithmen, diese werden aber oft nicht umgesetzt“, erklärte der Mediziner. Zu wenig genutzt werde insbesondere die Möglichkeit der Zweifach- und vor allem der Dreifachkombinationen. Dass sich durch Wirkstoffkombinationen eine starke und rasche Blutdrucksenkung erwirken lasse, belege jedoch das Ergebnis der TRINITY-Studie* (Clin Ther 2010; 32: 1252–69), in der etwa 2 500 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Hypertonie zwölf Wochen lang doppelblind randomisiert und placebokontrolliert mit vier verschiedenen Kombinationsstrategien behandelt wurden.

Bei Gabe von Amlodipin/HCT resultierte laut Kreutz ein Rückgang des systolischen Blutdrucks um 27,5 mmHg. Ausgeprägter war die Drucksenkung mit 29,7 mmHg unter der Kombination von Olme-sartan und HCT und mit 30 mmHg unter Olmesartan plus Amlodipin. Die stärkste Blutdruckreduktion resultierte jedoch unter der Dreifachkombination der Wirkstoffe mit einem Rückgang des systolischen Blutdrucks um 37,1 mmHg. Es resultierte nach Kreutz ein Kontrollgrad von circa 70 Prozent bei den Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Hypertonie, ein Ergebnis, das auch im Praxisalltag wünschenswert wäre.

Christine Vetter

*TRINITY = Triple Therapy with Olmesartan Medoxomil, Amlodipine and Hydrochlorothiazide in Hypertensive Patients Study

Satellitensymposium „Hypertonie: Die unterschätzte Gefahr – nachhaltiges Hypertoniemanagement für die Praxis“ beim 119. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden, Veranstalter: Berlin-Chemie

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