ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2013Fortbildung: Anpassung an das aktuelle Arztbild

DEUTSCHER ÄRZTETAG

Fortbildung: Anpassung an das aktuelle Arztbild

Dtsch Arztebl 2013; 110(23-24): A-1144 / B-993 / C-989

Gerst, Thomas

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„Auf dem Bewährten aufbauen“ – BÄK-Vizepräsident Max Kaplan stellte den Delegierten die überarbeitete (Muster-)Fortbildungsordnung vor.
„Auf dem Bewährten aufbauen“ – BÄK-Vizepräsident Max Kaplan stellte den Delegierten die überarbeitete (Muster-)Fortbildungsordnung vor.

Nach neun Jahren war es an der Zeit, eine überarbeitete (Muster-) Fortbildungsordnung vorzulegen, in der die Erfahrungen der vergangenen Jahre berücksichtigt werden.

Anders als beim Thema Weiterbildung gab es bei der Vorstellung einer überarbeiteten (Muster-)Fortbildungsordnung auf dem 116. Deutschen Ärztetag nur wenig Diskussionsbedarf – nicht zuletzt Folge eines drei Jahre währenden Abstimmungsprozesses zwischen den mit der Fortbildung befassten ärztlichen Gremien. Vorgestellt wurde die überarbeitete (Muster-) Fortbildungsordnung von Dr. med. Max Kaplan, Vizepräsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und Präsident der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer. Einführend verwies Kaplan auf die in der Berufsordnung verankerte Pflicht des Arztes, „sich in dem Umfang beruflich fortzubilden, wie es zur Erhaltung und Entwicklung der zu seiner Berufsausübung erforderlichen Fachkenntnisse notwendig ist“. Fortbildung sei immer schon ein immanenter Bestandteil ärztlicher Tätigkeit gewesen, betonte der BÄK-Vizepräsident. Mittlerweile ist diese Pflicht auch im Sozialgesetzbuch V verankert, für die niedergelassenen Vertragsärzte in § 95 d, für Fachärzte im Krankenhaus in § 137. In beiden Fällen dient das Fortbildungszertifikat der Ärztekammern als Nachweis.

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Neun Jahre nach der Verabschiedung der (Muster-)Fortbildungsordnung auf dem 107. Deutschen Ärztetag sei es an der Zeit gewesen, eine Überarbeitung vorzunehmen, bei der die Erfahrungen der vergangenen Jahre berücksichtigt würden, führte Kaplan aus. „Wir brauchten hier nichts Neues zu erfinden, sondern mussten lediglich auf dem Bewährten aufbauen.“ Dass die alte Fortbildungsordnung ihre Aufgabe erfüllt habe, sehe man schon daran, dass sich seit Einsatz des Elektronischen Informationsverteilers (EIV) im Jahr 2006 die Zahl der von
den Ärztekammern anerkannten Fortbildungsveranstaltungen von 167 000 auf 337 000 im Jahr 2012 verdoppelt habe (Grafik).

Anzahl anerkannter Fortbildungsveranstaltungen auf Grundlage der (Muster-)Fortbildungssatzung
Anzahl anerkannter Fortbildungsveranstaltungen auf Grundlage der (Muster-)Fortbildungssatzung
Grafik
Anzahl anerkannter Fortbildungsveranstaltungen auf Grundlage der (Muster-)Fortbildungssatzung

Wichtig erschien es, in der neuen Fortbildungsordnung als Ziel nicht allein „die dauerhafte Aktualisierung der fachlichen Kompetenz“ zu nennen, sondern die Inhalte weiter zu fassen. Fortbildung soll nunmehr der „kontinuierlichen Weiterentwicklung der beruflichen Kompetenz zur Gewährleistung einer hochwertigen Patientenversorgung und Sicherung der Qualität ärztlicher Berufsausübung“ dienen. Hier galt es, konkretisierte Kaplan gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt, „die Fortbildungsordnung dem aktuellen Arztbild anzupassen“. Medizinische Kompetenzen im engeren Sinne reichten heute nicht mehr aus; benötigt würden Kenntnisse im Qualitäts- und Praxismanagement, in Gesundheitsberatung und Prävention. Wesentlich für die erfolgreiche Arzt-Patient-Beziehung seien kommunikative Fähigkeiten des Arztes.

Präzisiert wird in der mit großer Mehrheit beschlossenen (Muster-)Fortbildungsordnung:

  • die Berücksichtigung von Unterbrechungszeiten in der Berufstätigkeit. Bei Mutterschutz, Elternzeit, Pflegezeit oder einer länger als drei Monate andauernden Erkrankung verlängert sich der Fünfjahreszyklus, in dem der Fortbildungsnachweis erbracht werden muss, dementsprechend.
  • das Standortprinzip: Für die Anerkennung von ortsunabhängigen medialen Fortbildungsmaßnahmen durch eine Ärztekammer ist der Sitz des Anbieters entscheidend.
  • die Verantwortung des ärztlichen wissenschaftlichen Leiters für Qualität und Unabhängigkeit einer Veranstaltung.

Neu aufgenommen in den Katalog der Fortbildungsmaßnahmen, die für eine Zertifizierung geeignet sind, wurden:

  • Kategorie I: tutoriell unterstützte Online-Fortbildungsmaßnahme mit nachgewiesener Qualifizierung durch eine Lernerfolgskontrolle,
  • Kategorie K: Blended-Learning-Fortbildungsmaßnahme in Form einer inhaltlich und didaktisch miteinander verzahnten Kombination aus tutoriell unterstützten Online-Lernmodulen und Präsenzveranstaltungen.

In der Kategorie F – wissenschaftliche Veröffentlichungen und Vorträge – werden nach der neuen (Muster-)Fortbildungsordnung fünf Fortbildungspunkte an den Autor einer wissenschaftlichen Veröffentlichung vergeben. Die maximale Punktzahl in dieser Kategorie beträgt 50 Punkte. Neu eingeführt als Fortbildungsmaßnahme in der Kategorie C – Fortbildung mit konzeptionell vorgesehener Beteiligung jedes einzelnen Teilnehmers – wurde das Peer-Review-Verfahren.

Klar strukturierte Ordnung

Insgesamt sei dies eine klar strukturierte und schlanke Fortbildungsordnung, befand der BÄK-Vizepräsident. Nicht ganz dieser Ansicht waren die Unterstützer eines Änderungsantrags, darunter die BÄK-Vorstandsmitglieder Dr. med. Andreas Crusius und Dr. med. Mathias Wesser. Sie wollten die Zahl der nunmehr zehn Fortbildungskategorien auf vier reduzieren und so zu einer Vereinfachung des Verfahrens beitragen. Verständnis für dieses Vorhaben fanden sie allerdings nur bei wenigen Delegierten, schien diesen doch die vorgelegte Fortbildungsordnung ein gelungenes Beispiel für das neuerdings bei der BÄK geübte Normsetzungsverfahren, das eine frühzeitige Einbindung insbesondere der Lan­des­ärz­te­kam­mern bei den zentralen Aufgaben ärztlicher Selbstverwaltung vorsieht. Positiv beschieden wurde von den Ärztetagsdelegierten ein Änderungsantrag, nach dem Interessenkonflikte des Veranstalters, der wissenschaftlichen Leitung und der Referenten auch gegenüber den Teilnehmern an der Fortbildungsveranstaltung offengelegt werden müssen.

Die Sensibilität bei der finanziellen Unterstützung von Fortbildungsveranstaltungen durch die Industrie habe in den vergangenen Jahren sehr stark zugenommen, betonte Kaplan gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. „Das werden wir weiter verfolgen müssen – sicher mit dem mittelfristigen Ziel, dass wir ganz davon wegkommen.“ Allerdings müsse man bei einem Wegfall der Industriegelder für die Fortbildung klären, wer künftig für die Fortbildungsmaßnahmen aufzukommen habe. So müssten sich im Krankenhaus die Arbeitgeber zur Finanzierung der Fortbildung verpflichten; im niedergelassenen Bereich müsste dies über Zuschläge zum Honorar erfolgen.

Gespräch auf Augenhöhe

Als einen zukunftsweisenden Schritt bezeichnet es Kaplan, dass nunmehr mit dem Peer Review als einer neu hinzugekommenen Methode Fortbildungspunkte erworben werden können. Idealerweise kommt hierbei ein nach dem „Curriculum Ärztliches Peer Review“ der Bundes­ärzte­kammer geschulter Peer in regelmäßigen Abständen in eine Praxis und versucht gemeinsam mit dem Arzt, zu einer Bewertung seiner Arbeit zu kommen. In Kanada sei ein solches Verfahren umgesetzt worden, allerdings mit dem Manko, dass es dort möglicherweise mit Sanktionen verbunden sei. „Das wollen wir eben nicht, sondern wir wünschen uns das auf Augenhöhe in einem kollegialen Gespräch – ohne Sanktionen“, sagte Kaplan.

Die nächsten fünf bis zehn Jahre könne man mit der neuen Fortbildungsordnung arbeiten, meint Kaplan. „Man wird sie neuen Gegebenheiten anpassen müssen, aber dass wir schon bald einen neuen großen Wurf machen müssen, das sehe ich eigentlich nicht.“

Thomas Gerst

FAZIT

TOP III: Überarbeitung der (Muster-)Fortbildungsordnung

  • Die Fortbildungsordnung soll an das aktuelle Arztbild angepasst werden.
  • Die Unterbrechungszeiten werden berücksichtigt.
  • Neue Fortbildungskategorien werden eingeführt.
Anzahl anerkannter Fortbildungsveranstaltungen auf Grundlage der (Muster-)Fortbildungssatzung
Anzahl anerkannter Fortbildungsveranstaltungen auf Grundlage der (Muster-)Fortbildungssatzung
Grafik
Anzahl anerkannter Fortbildungsveranstaltungen auf Grundlage der (Muster-)Fortbildungssatzung

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