ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2013Kreditvergabe: Immer mehr Klauseln

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Kreditvergabe: Immer mehr Klauseln

Dtsch Arztebl 2013; 110(23-24): A-1210 / B-1054 / C-1046

Vetter, Michael

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Die Zeiten, in denen Bankkunden ihre Kreditverträge im „guten Glauben“ noch im Bankgebäude unterschrieben, sind vorbei. Praxisverantwortliche, die heute noch so handeln, dürfen sich über die möglichen Folgen dann nicht wundern.

Die Finanzkrise und die Umsetzung der verschärften Eigenkapitalregeln der Bankinstitute („Basel III“) zeigen nicht nur Wirkung in der Kreditvergabe selbst, sondern auch in den Details der damit verbundenen vertraglichen Verpflichtungen seitens der Arztpraxis. Sogenannte Covenants gewinnen hier rasant an Bedeutung. Es handelt sich um Formulierungen und Abreden in Kreditverträgen oder in sonstigen Vereinbarungen, die dem Arzt als Bankschuldner konkrete Pflichten auferlegt. Ziel dieser Covenants ist es sicherzustellen, dass sich die zu Beginn des Kreditvertrages bestehenden wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse des Kunden während der Kreditlaufzeit nicht zulasten der Bank verändern. Das Kreditmanagement des Bankinstituts prüft im Verlauf der Geschäftsverbindung daher regelmäßig, ob sich an den ursprünglichen Rahmenbedingungen etwas geändert hat und ob gegebenenfalls vertragliche Konsequenzen daraus zu ziehen sind.

Unterschätzte Sanktionen

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Genau dieser Punkt, die mögliche Reaktion der Bank etwa auf eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation des Arztes, wird von Praxisinhabern oft unterschätzt. Die kreditvertraglich festgelegten bankseitigen Optionen sehen nämlich neben höheren Zinsen auch Nachbesicherungen und sogar außerordentliche Kreditkündigungen vor. In der Vergangenheit war es häufig noch möglich, etwaige Zahlungsprobleme verbal zu erklären und negative Konsequenzen abzuwenden. Diese Möglichkeit besteht zwar heute vor allem bei langjährigen Geschäftsverbindungen nach wie vor, andererseits ist das mittlerweile automatisch ablaufende Prozedere beim Abweichen von wichtigen Covenants kaum mehr zu verhindern. Üblich ist vor dem Einsatz von restriktiven Maßnahmen aber immerhin, eine Frist zu setzen, um dem Arzt die Möglichkeit zu geben, die ursprünglich vereinbarten vertraglichen Grundlagen wiederherzustellen. Dieser Zeitraum sollte aber auch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln genutzt werden, weil es je nach Kreditgeber eine zweite Möglichkeit dann tatsächlich nicht mehr gibt.

In der Praxis werden Financial Covenants von Non-Financial Covenants unterschieden:

  • Bei den Financial Covenants geht es um betriebswirtschaftliche Kennzahlen, die sich vor allem aus den Jahresabschlüssen der Arztpraxis ableiten lassen. Dazu gehören die Eigenkapitalquote, die Kapitalrentabilität, der Cashflow und der Verschuldungsgrad. Es ist daher seitens des Arztes ratsam, während der Kreditgespräche gemeinsam mit der Bank und dem Steuerberater zu analysieren und festzulegen, ob und in welchem Umfang die Voraussetzungen dieser Kennzahlen überhaupt erreicht werden können. Das oftmals praktizierte Prinzip „Hoffnung“ auf ein späteres Erreichen beispielsweise einer bestimmten Eigenkapitalhöhe kann schnell genau jene Sanktionen auslösen, die letztlich zu einer Kreditgefährdung führen. Maßgebend und justiziabel sind ausschließlich die vertraglich festgelegten Anforderungen an die wirtschaftlichen Verhältnisse des Kreditnehmers, die in heutiger Zeit meist nur in extremen Ausnahmefällen bankseitig zugunsten des Kunden geändert werden. Ist der Kreditvertrag also erst einmal unterzeichnet, bewegt sich der Handlungsspielraum des Arztes in sehr engen Grenzen. Wichtig sind auch bindende Vereinbarungen, etwa bei Verfügungen über wesentliche Vermögensgegenstände des Arztes auf die ausdrückliche Zustimmung des Kreditgebers angewiesen zu sein.
  • Zu den Non-Financial Covenants zählen Negativ- oder Gleichrangklauseln, die spätere Sicherheitenstellungen an weitere Gläubiger verbieten, wenn die kreditgebende Hausbank nicht entsprechend gleichgestellt und angemessen abgesichert wird. Ebenfalls wichtig sind Formulierungen, die nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung der wirtschaftlichen, sondern auch der rechtlichen Verhältnisse wie einer geänderten Praxisstruktur eventuelle Nachbesicherungsverpflichtungen oder auch eine Kreditkündigung auslösen können. Es ist also nicht mehr ausreichend, nur auf die wirtschaftlichen Zahlen zu achten. Auch die allgemeinen Rahmen-
    daten der Praxis sind für eine langfristig verlässliche Geschäftsverbindung nicht zu unterschätzen.

Planung wird noch wichtiger

Wegen der umfangreichen Anforderungen an die Ärzte sollte der geschäftlichen Planung eine große Bedeutung beigemessen werden. Dabei geht es nicht nur um Prognosen bezüglich der künftigen Zinsentwicklung, sondern auch um Erwartungen späterer Lohn- und Gehaltssteigerungen ebenso wie um die Entwicklung weiterer Kosten und der daraus resultierenden Folgen für das Praxisergebnis. Als Resultat daraus sollte ein funktionierendes und professionelles Controllingsystem also in der Lage sein, den Anforderungen an einen wirtschaftlich erfolgreichen Praxisbetrieb ebenso nachzukommen wie den Vereinbarungen mit dem jeweiligen Kreditgeber.

Michael Vetter

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