ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2013Psychotherapie: Öfter Nein sagen
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Der Präsident der Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeberverbände, Prof. Hundt, beklagt auf der Fachtagung zum Schutz der psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt wie so viele vor ihm die langen Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz und legt es der ärztlichen Selbstverwaltung nahe, hier dringend Abhilfe zu schaffen . . .

Möglicherweise glaubt oder hofft Herr Hundt, dass mit mehr ärztlicherseits selbst herbeiverwalteten Psychotherapie-Leistungserbringern, vulgo Psychotherapeuten, die Psychotherapie-Gesundheitsfabrik schneller produzieren und mehr gesunde Klienten auswerfen könnte – am liebsten hätte man ja mehr Leistung zum gleichen Preis . . .

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Wenn allerdings mehr Menschen mit psychischen Störungen schneller einen Therapieplatz bekämen, könnte sich der erwünschte Effekt reibungsloserer Abläufe umkehren. Es gäbe wieder mehr Arbeitnehmer, die gelernt hätten, sich besser von überzogenen Anforderungen zu distanzieren, öfter Nein zu sagen und häufiger die eigene Selbstfürsorge statt die Belange des Arbeitgebers im Blick zu behalten . . .

Denn Psychotherapie macht nicht nur einfach bessere Anpassung an schlechte Verhältnisse, weder am Arbeitsplatz noch sonstwo . . .

Ganz im Gegenteil: Psychotherapie verbessert zum Beispiel die Fähigkeit, das eigene Wohl besser im Auge zu behalten, gegen den äußeren und inneren Leistungsdruck andere, nämlich die eigenen Lebenswerte zu setzen und Fehlerfreundlichkeit zu entwickeln im Sinne eines lebenslangen Lernens von sich selbst.

Aber das sind eigentlich alles Nebenschauplätze, die verhindern, dass gemeinsam mit den Arbeitgebern ernstzunehmende neue Ansätze entwickelt und Vereinbarungen getroffen werden, die die seelische Gesundheit der Arbeitnehmer in der Arbeitswelt nachhaltig schützen. Einfacher ist es, den Schwarzen Peter den Psychotherapeuten zuzuschieben, die den schon entstandenen Schaden nicht schnell genug beseitigen.

Dr. med. Beate Thomas, 69121 Heidelberg

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