ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2013Psychotherapie in der frühen Kindheit: Krise am Lebensanfang

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Psychotherapie in der frühen Kindheit: Krise am Lebensanfang

PP 12, Ausgabe Juni 2013, Seite 268

Knott, Maria

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Kinderärzte sehen oftmals „Schreibabys“ mit verschiedensten Symptomen einer Regulationsstörung. Eine Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie kann helfen, die Ursachen dafür herauszufinden.

Die Wahrnehmung der Schwierigkeiten, die nach der Geburt eines Kindes in Familien bewältigt werden müssen, ist in den letzten Jahren gewachsen. Im Netzwerk der „Frühen Hilfen“ finden Eltern auf verschiedenen Ebenen Unterstützung.

Besonders spezialisiert für diese frühe Lebenszeit sind analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und Erwachsenenpsychoanalytiker, die in der Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie (SKEPT) ausgebildet sind. Dies geschieht zum Beispiel an Ausbildungsinstituten, wo seit Jahren Psychotherapeutische Babyambulanzen zur Diagnostik und Versorgung der kleinen Patienten bereitstehen.

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Die frühe Lebenszeit ist durch ein sehr enges Verwobensein körperlicher und seelischer Prozesse gekennzeichnet. Äußere Belastungen oder anlagebedingte Empfindlichkeiten können beim Säugling zum Symptomkomplex der Regulationsstörung führen. Dem Kinderarzt werden sie als Schreibabys mit Ein- und Durchschlafstörungen vorgestellt, mit Fütterstörungen, aber auch mit rezidivierenden Infekten oder unklaren Entwicklungsverzögerungen. Bei Kleinstkindern spielen anklammerndes oder opponierendes Verhalten und Trennungsängste eine Rolle.

Neue Entwicklungsschritte für Babys und Eltern

Ängste und Sorgen der verunsicherten Eltern setzen oft einen Kreislauf in Gang, durch den die Symptomatik eskaliert. Frauenärzte lernen die Schwierigkeiten aufseiten der Mütter kennen, deren postpartale Depression sich oft nur sehr diskret als ängstlicher Rückzug zeigt, aber die gesunde Entwicklung ihrer Kinder nachhaltig hemmen kann.

Das Besondere des Angebots der SKEPT ist es, dass die Psychotherapeuten versuchen, die Gesamtsituation zu begreifen und so die Hintergründe verstanden werden können, warum es Eltern und Baby so schwer miteinander haben. Durch das gemeinsame Verstehen entspannt sich die Situation, neue Entwicklungsschritte für Baby und Eltern werden möglich.

Oft sind nur wenige Sitzungen notwendig

Eltern und Baby kommen zusammen in die Therapiestunde. Im gemeinsamen Erleben und Reflektieren der Interaktion zeigt sich oft spontan, was die unbefangene Beziehung hemmt. Es kann unterschieden werden, ob eine krisenhafte Zuspitzung der aktuellen Situation durch Aufklärung und konkrete Hilfen schnell gelöst werden kann oder ob eine tiefergehende Problematik die Eltern-Kind-Beziehung belastet. Solche Belastungen können vielfältige Ursachen haben: Eine traumatische Geburt, schwierige Schwangerschaft, vorangegangene Fehlgeburten, die Frühgeburt des Kindes oder Enttäuschungen in der Partnerschaft. Nicht zuletzt ruft die Geburt eines Kindes lang vergessene und verdrängte eigene Kindheitserfahrungen wach, die manchmal aktuell sehr belasten, aber auch die Chance bieten, sie jetzt zu verstehen und zu verarbeiten. Dazu sind oft nur wenige therapeutische Sitzungen notwendig.

Dr. med. Maria Knott, Psychotherapeutische Babyambulanz Stuttgart

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