ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2013PsychoBoom: Alte Gräben aufgemacht
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Ich teile die Einschätzung von Herrn Prof. Remschmidt, dass es angesichts der Vielzahl von Therapieverfahren und -methoden vor allem für Patienten schwer ist, sich in diesem „Dschungel“ zurechtzufinden – allerdings sollte ein „Insider“ möglichst nicht noch zusätzlich zur Verwirrung beitragen. Zur Klarstellung/Orientierung: Es gibt bekanntermaßen wissenschaftlich anerkannte Psychotherapieverfahren sowie Richtlinienverfahren (bedauerlicherweise sind nicht alle wissenschaftlich anerkannten Verfahren vom G-BA zur Behandlung von Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen anerkannt). (. . .)

Ich will die Erfahrungen von Herrn Remschmidt nicht infrage stellen – es geht ihm um Wertschätzung derjenigen, die harte Arbeit in der Primärversorgung schwer psychisch kranker Menschen leisten. Aber nützt es einer qualitativ hochwertigen Versorgung psychisch erkrankter Menschen, wenn tendenziell alle jene, die nicht so „schwer“ erkrankt sind, dass sie psychiatrisch-stationär behandelt werden müssen, in die Abteilung „Sommer-Kibbuz“ oder „Kreuzfahrt im Mittelmeer“ eingeordnet werden?! Leider schüttet Herr Remschmidt das Kind mit dem Bade aus und entwertet seinerseits die früher sogenannten nicht-ärztlichen Psychotherapeuten. Meine Erfahrung ist: Wir sind zum Glück schon viel weiter in der kollegialen und wertschätzenden Zusammenarbeit auf Augenhöhe, auch und gerade bei Menschen mit sogenannten schweren Störungen. Erprobte Therapiemaßnahmen lediglich in einer ärztlichen Ausbildung zu verorten, macht alte Gräben wieder auf. Eine – inhaltliche – Auseinandersetzung zum Beispiel mit der These, dass allgemeine Lebensprobleme zu Krankheiten gemacht werden, ist allerdings lohnenswert.

Friederike Wetzorke, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, 38102 Braunschweig

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