ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2013Gesundheitswesen: Einsparungen durch Investitionen in die Psychotherapie

Referiert

Gesundheitswesen: Einsparungen durch Investitionen in die Psychotherapie

PP 12, Ausgabe Juni 2013, Seite 278

EB

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Psychische Erkrankungen verursachen enorme Kosten für das Gesundheitswesen. Eine Studie des Instituts für Psychologie der Technischen Universität (TU) Braunschweig zeigt, das pro investierten Euro für die Psychotherapie zwischen zwei und fünf Euro eingespart werden könnten.

In der Studie werden die Kosten einer zusätzlichen Mehrbehandlung von Angsterkrankungen und affektiven Störungen dem prognostizierten finanziellen Nutzen gegenübergestellt. Inwieweit sich die zusätzliche Behandlung für das gesamte Gesundheitswesen finanziell lohnt, hänge davon ab, wie viele Menschen sich überhaupt psychotherapeutisch behandeln lassen und eine Therapie erfolgreich abschließen würden. Die Wissenschaftler gingen bei ihrer Prognose davon aus, dass sich 33 beziehungsweise 50 Prozent aller Patienten mit Angststörungen oder affektiven Störungen behandeln ließen. Außerdem legten sie der Rechnung eine voraussichtliche Heilungsrate von 78 Prozent bei Angststörungen und von 59 Prozent bei affektiven Störungen zugrunde. Wenn sich ein Drittel der Betroffenen behandeln ließe, könnten jedes Jahr 3,1 Millionen der Patienten gesund werden. Bei einer Behandlungswilligkeit von 50 Prozent wären es sogar 4,8 Millionen Menschen pro Jahr.

„Nimmt man eine durchschnittliche Behandlungsdauer von 25 Sitzungen an, dann könnten – je nach Behandlungsquote – innerhalb eines Jahres zwischen ein und zwei Milliarden Euro durch die Behandlung affektiver Störungen und sogar rund acht bis zwölf Milliarden Euro bei Angststörungen eingespart werden“, erklärt Dr. Christoph Kröger von der TU Braunschweig. Denn je mehr Patienten erfolgreich behandelt würden, desto weniger Krankengeld müsse ausgezahlt werden und desto weniger Ausfälle durch Arbeitsunfähigkeit entständen. Gleichzeitig werde stationären Aufenthalten vorgebeugt, und weniger Menschen gingen in Frührente.

Anzeige

Bei den Schätzungen konnte nicht berücksichtigt werden, dass die verschiedenen Ausprägungen der Störungen und zusätzlich auftretende Krankheiten unterschiedliche Kosten verursachen. Außerdem bezögen sich die Ergebnisse nur auf Angst- und affektive Störungen und seien nicht auf andere psychische Störungen übertragbar. „Dennoch kann diese Kosten-Nutzen-Analyse einen Beitrag in der Debatte um die Bedarfsplanung und Versorgung von Menschen mit psychischen Störungen leisten. Mit einer unkomplizierten und zeitnahen Bewilligung von Kurzzeittherapien ließen sich die Arbeitsfähigkeit und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern“, sagt Kröger. eb

Wunsch E-M, Kliem S, Grocholewski A, Kröger C: Wie teuer wird es wirklich? Kosten-Nutzen-Analyse für Psychotherapie bei Angst- und affektiven Störungen in Deutschland. Psychologische Rundschau 2013; Göttingen: Hogrefe-Verlag, 64(2): 75–93; DOI: 10.1026/0033-3042/a000154
Dr. Christoph Kröger, Technische Universität Braunschweig, Institut für Psychologie/Psychotherapieambulanz, Humboldtstraße 33, 38106 Braunschweig, c.kroeger@tu-braunschweig.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema