ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2013Lebensrückblick: Unmittelbare praktische Therapietechnik

BÜCHER

Lebensrückblick: Unmittelbare praktische Therapietechnik

PP 12, Ausgabe Juni 2013, Seite 283

Heuft, Gereon

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

„Interventionen des Lebensrückblicks“ sind auch unter den Bezeichnungen „Reminiszenz“, „Biografiearbeit“ oder „Erinnerungsarbeit“ bekannt. Über alle diese Ansätze, die auf den Internisten und Gerontologen Robert N. Butler in den 1960er Jahren zurückgehen, geben Prof. Dr. Dr. Andreas Maercker, Psychopathologie und Klinische Intervention an der Universität Zürich, und sein Oberassistent Dr. Simon Forstmeier zusammen mit 16 Autoren aus der Schweiz, Deutschland, den Niederlanden und den USA einen umfassenden Überblick.

Die therapeutische Technik des Lebensrückblicks geht über die Beachtung der Lebensgeschichte in der psychodynamischen Psychotherapie ausdrücklich hinaus und ist nicht nur für Ältere geeignet. Selbst bei Kindern und Jugendlichen oder zum Beispiel bei schweren Erkrankungen im mittleren Lebensalter kann das gemeinsame Besprechen des Lebensrückblicks eine Verbesserung des Wohlbefindens und des eigenen Identitätsmanagements bewirken.

Anzeige

Im ersten Teil des Buches werden die Grundlagen des autobiografischen Gedächtnisses, die verschiedenen Formen des Lebensrückblicks (zum Beispiel Oral-History-Interviews) sowie Metaanalysen aus der Wirksamkeitsforschung vorgestellt: Erreichbar ist bei geringen bis mäßigen Effekten eine moderate Verbesserung der Ich-Integrität und der Akzeptanz des bisher gelebten Lebens, wobei die Studienlage insgesamt noch dünn ist.

In einem zweiten Teil des Buches werden fünf Einsatzbereiche für den Lebensrückblick vorgestellt: zur Wohlbefindenssteigerung, bei Anpassungsproblemen und Lebenskrisen, bei Depressionen, bei Traumafolgestörungen und bei Menschen mit Demenz. Im abschließenden dritten Teil werden spezifische Techniken des Lebensrückblicks dargestellt: als Modul eines Computerprogramms, als ausgearbeiteter gruppenpsychotherapeutischer Ansatz für ältere Erwachsene sowie als Techniken der Visualisierung und Verbalisierung mit konkreten Instruktionen.

Alle Kapitel schließen mit einem Literaturverzeichnis ab. Außerdem ist ein effektives Stichwortverzeichnis verfügbar. Es gelingt den Autoren, ein anschaulich geschriebenes Buch mit unmittelbarer praktischer Nutzbarkeit vorzulegen. Der Lebensrückblick hat das Potenzial, sich als eine Therapietechnik im Rahmen der psychodynamischen und kognitiv-behavioralen Psychotherapie zu bewähren. Darüber hinaus kann der Lebensrückblick gerade dadurch, dass er nicht den Anspruch erhebt, eine „eigenständige Psychotherapiemethode“ zu sein, zu Recht Verbreitung in Beratungsstellen und Begegnungszentren finden. Da es sich um eine wirksame Intervention handelt, bedarf es sorgfältiger Überlegungen hinsichtlich des Einsatzes, da es auch Nebenwirkungen und Kontraindikationen geben mag.

In jedem Fall ist mit dem Buch ein umfassender Überblick zum aktuellen Kenntnisstand verfügbar, der uneingeschränkt empfohlen werden kann. Gereon Heuft

Andreas Maercker, Simon Forstmeier (Hrsg.): Der Lebensrückblick in Therapie und Beratung. Springer, Berlin 2013, 206 Seiten, kartoniert, 39,95 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema