ArchivDeutsches Ärzteblatt18/1996Börsebius zur Telekom-Aktie: Geschwätzige Schweiger

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zur Telekom-Aktie: Geschwätzige Schweiger

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Daß jemand blühenden Unsinn verzapft, erleben Sie und ich vermutlich oft genug. Daß jemand in der Öffentlichkeit einen bunten Informationsluftballon gewaltigen Ausmaßes aufbläst wie derzeit die Deutsche Telekom, ist allerdings schon ein starkes Stück.
Mal abgesehen davon, daß für mein Gefühl die Werbespots zur Einführung der im Herbst vorgesehenen Emission ein Zwischending zwischen Musical ("Wer wär’ nicht gerne Aktionär") und Marktschreierei sind, ist in Wahrheit von konkreten Inhalten weit und breit nichts zu sehen.
So tappe ich völlig im dunkeln, was die Erfolgsaussichten der Telekom-Emission anlangt. Eine ähnliche Ratlosigkeit höre ich ebenso bei einigen Analysten-Kollegen heraus, denen die derzeitige Marketinglawine gleichfalls ein Dorn im Auge ist. In der Tat habe ich auf die vielen Anfragen der vergangenen Tage nur den Rat geben können, erst einmal abzuwarten, wann endlich "Butter an die Fische" kommt, will heißen, die Telekom mit einem vernünftigen Zahlenwerk (Eröffnungsbilanz, Ertragsperspektiven) ihre Börsenemission vorstellt.
Im Grundsatz gibt es heute schon zwei konträre Auffassungen. Die eine ist die optimistische, die Emission auf jeden Fall zu zeichnen, weil es sich die Deutsche Telekom AG und die begleitenden Emissionshäuser gar nicht leisten können, einen derartigen Mammut-Börsengang in den Sand zu setzen und den Kapitalmarkt auf Dauer zu vergrätzen. Auf jeden Fall zeichnen und satte Gewinne einstreichen, locken die Vertreter dieser Meinung.
Die Vorsichtigen raten dagegen eher zur Vorsicht. Wer sich in der Vergangenheit eine solche Pannenstatistik geleistet habe, gebe keinerlei Gewähr, daß in der Zukunft die Fettnäpfe nicht ausgespart würden. Und außerdem sei die Telekom dem Wettbewerb hilflos ausgeliefert und würde von den Mitbewerbern kräftig zerzaust werden. Was allemal auf den Ertrag drücke, und daher könne keineswegs zur Zeichnung von Telekom-Aktien geraten werden.
Wichtig für eine treffsichere Beurteilung der Emission wären ordentliche Zahlen. Mit dieser Ansicht stehe ich in gutem Einklang mit dem Vorsitzenden der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Der DSWGeschäftsführer Ulrich Hocker hält die bislang von der Telekom vorgelegten Unterlagen als Entscheidungshilfe für irrelevant und wundert sich sehr darüber, daß die Telekom einem lange geäußerten Gesprächswunsch der renommierten Anlegerschutzvereinigung bislang nicht nachgekommen ist.
Darüber bin ich übrigens auch verblüfft, zumal andere Börsenaspiranten das Gespräch mit der DSW suchten, um eben genau das Informationsbedürfnis potentieller Aktionäre zu stillen. Mit dieser Nummer droht der Telekom ein Patzer größeren Ausmaßes. Börsebius
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