ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2013Frage der Woche an . . . Dr. Peter Windeck, Geschäftsführer der Rochus Mummert Healthcare Consulting GmbH in Hannover

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Dr. Peter Windeck, Geschäftsführer der Rochus Mummert Healthcare Consulting GmbH in Hannover

Zielvereinbarungen mit Leitenden Ärzten in den Krankenhäusern stehen in der Kritik. Zu Recht?

Dtsch Arztebl 2013; 110(25): [4]

Flintrop, Jens

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

2002 empfahl die Deutsche Krankenhausgesellschaft den Krankenhausleitungen mit der Neufassung ihres Chefarzt-Mustervertrages erstmals, mit Ärzten erfolgsabhängige Boni zu vereinbaren. Diese sollten unter anderem ausgezahlt werden, wenn deren Abteilungen definierte Mengenziele erreichten. Doch seit den Transplantationsskandalen ist das Instrument in Verruf geraten.

Zielvereinbarungen mit Leitenden Ärzten in den Krankenhäusern stehen in der Kritik. Zu Recht?

Anzeige

Windeck: Mehr als die Hälfte der Klinikchefs und zahlreiche Chef- und Oberärzte haben Zielvereinbarungen in ihren Arbeitsverträgen. Die pauschale Kritik an diesem Instrument, die mit den Organskandalen in Göttingen, Regensburg und München aufgekommen ist, ist völlig falsch.

Es ist vernünftig, Kliniken über Zielvereinbarungen zu steuern. Richtig an der Kritik ist aber, dass diese nicht nur ökonomisch definiert sein dürfen. Diese falsche Form der Zielvereinbarung leitet sich nicht aus der Unternehmensstrategie ab und führt zu Fehlanreizen.

Genauso fatal wäre es meiner Ansicht nach aber, die wichtige Gruppe der Leitenden Ärzte vollständig aus der wirtschaftlichen Verantwortung zu entlassen. In dieser Hinsicht weisen die Anfang Mai publizierten gemeinsamen Empfehlungen von Deutscher Krankenhausgesellschaft und Bundes­ärzte­kammer in die richtige Richtung. Sie erlauben finanzielle Anreize, schließen sie aber für einzelne Leistungen aus.

Zielvereinbarungen sind insgesamt nur dann wirklich sinnvoll, wenn sie finanzielle, inhaltliche und andere Ziele intelligent kombinieren. Zu diesen Faktoren zählt auch die Qualität der Versorgung, die manchmal eine viel zu geringe Rolle in den Vereinbarungen spielt. Dabei sind es gerade die Folgen einer mangelhaften Behandlung, die längere Liegezeiten der Patienten verursachen und damit nicht nur diesen schaden, sondern auch die Krankenhäuser teuer zu stehen kommen. Hier sollte der Gesundheitssektor von der Industrie lernen. Ihr Beispiel zeigt, dass Ziele zur Produkt- und Dienstleistungsqualität perspektivisch mindestens genauso wichtig sind wie finanzielle Aspekte. JF

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.