ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2013US-Urteil: Keine Patente auf Menschliche DNA

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US-Urteil: Keine Patente auf Menschliche DNA

Dtsch Arztebl 2013; 110(25): A-1232 / B-1076 / C-1068

Richter-Kuhlmann, Eva

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Menschliche DNA ist nicht patentierbar – das entschied jetzt das Oberste Gericht der USA. Die menschliche DNA sei ein „Produkt der Natur“, das auch dann nicht patentierbar sei, wenn es isoliert wurde, begründete der Supreme Court seine Grundsatzentscheidung (www.supremecourt.gov). „Naturgesetze“ und „Naturphänomene“ könnten ebenso wenig Patentschutz erhalten wie „fundamentale Werkzeuge der wissenschaftlichen und technologischen Arbeit“, meinten die neun Richter einstimmig. Künstlich nachgeahmtes Erbgut könne aber patentiert werden, „da es nicht von der Natur hergestellt wird“, ergänzten sie.

Anlass zu dem Urteil des Obersten Gerichts war eine Klage gegen das Pharmaunternehmen Myriad Genetics, das in den 90er Jahren zwei krebsauslösende Gene isoliert und sich 1998 mehrere Patente darauf gesichert hatte. Durch sie konnte die Firma bislang Tests auf die Gene BRCA1 und BRCA2 teuer vermarkten, die mit dem Mamma- und Ovarialkarzinom assoziiert sind.

Dagegen geklagt hatten etwa 150 000 Wissenschaftler, Ärztinnen und Ärzte sowie Patienten und Patientinnen. Sie warfen dem Unternehmen unter anderem vor, dass die mehrere Tausend Dollar teuren Tests für viele Patientinnen unerschwinglich seien und die Patentierung der Gene deren Erforschung durch andere Unternehmen blockiere. Myriads Patente beispielsweise hätten bis 2015 gegolten. Die Kläger hoffen nun, dass aufgrund dieser Entscheidung künftig mehr Patienten Zugang zu Gentests haben werden und auch Wissenschaftler ohne Angst vor einer Klage forschen können.

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Das Urteil dürfte jedoch nicht nur Auswirkungen auf diese Gentests haben, sondern auch auf andere Bereiche. Insgesamt sind fast 20 Prozent der bekannten menschlichen Gene patentiert. Tausende Patente sind infrage gestellt, beispielsweise im Zusammenhang mit der Alzheimer-Demenz. Einige Beobachter werten das Urteil jedoch auch als Kompromiss, da die Patentierung von künstlich nachgeahmter DNA möglich bleibt. Da sich einige von Myriads Patenten auf künstlich nachgeahmte DNA beziehen, können diese wahrscheinlich bestehen bleiben.

In Europa hatte Myriad allerdings seine Monopolstellung auf die BRCA-Tests schon vor einigen Jahren verloren. Das Europäische Patentamt hat die Verwertungsrechte nach Protesten von Ärzten und Wissenschaftlern bereits modifiziert. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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