ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2013Ausländische Ärzte: Ein Betroffener
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Regelmäßig lese und höre ich in den Medien . . . über ausländische Ärzte in deutschen Kliniken. Ich bin einer der Betroffenen und arbeite in diesem Land die letzten 14 Jahre für Menschen, die meine Leistung gerne in Anspruch genommen haben. Bis jetzt bin ich zufrieden mit meiner Leistung und zufrieden mit den meisten Menschen, die ich versorgt habe. Damit möchte ich ihnen sagen, dass ich kein Meister der deutschen Literatur bin. In der Medizin geht es in erster Linie um die Versorgung Kranker.

Fakt ist, dass deutsche Kliniken ohne ausländische Ärzte nicht mehr lebensfähig wären. Wer ist bereit, 24 Stunden einen verantwortungsvollen Dienst zu tun, am Wochenende und Feiertag zu arbeiten, Überstunden eingeschlossen, während die anderen ihr Wochenende genießen?! Die andauernden Diskussionen über Sprachkenntnisse in dieser Form demoralisieren alle hier tätigen Ärzte (Zitat Herr Henke: „Ein Arzt aus einem Drittland muss mehr können, als in der Nachtschicht Pizza bestellen“), die täglich große Verantwortung tragen. Sind sich Herr Montgomery und andere zur Diskussion Beitragenden bewusst, was solche Sätze auslösen? Teilweise ist es unsere eigene Schuld, da viele auf der Suche nach Wohlstand Diskriminierungen auf sich nehmen (wie viel ist ein Mercedes oder BMW wert im Vergleich zur seelischen Zufriedenheit?).

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Als ich vor 20 Jahren während meines Studiums in Italien in einer Klinik war (ich bin nicht Italiener), half ich einem deutschen Unfallopfer im Krankenhaus „St. Giacomo“ in Rom, mit meiner damals Handvoll deutschen Wörtern, seine Beschwerden und die Therapie mitzuteilen. Er war mir damals unheimlich dankbar, und ich war froh darüber, ihm helfen zu können.

Vielleicht sollte das System überdacht werden, medizinische Versorgung ist wichtiger als ausschweifende Dokumentationen.

Wie viel Sprache benötigt es zur Versorgung leidender Menschen? Beherrschen „Ärzte ohne Grenzen“ die Muttersprache ihrer Einsatzgebiete? . . .

Dr. John Kuruvilla, 79639 Grenzach-Wyhlen

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Lilie58
am Sonntag, 7. Juli 2013, 14:32

@ Ein Betroffener - Ausländische Ärzte

Ich schreibe als langjährige Patientin: Ich erwarte schon, dass jemand ,der sich länger im Lande aufhält und in doch verantwortungsvoller Stellung tätig ist, dass er/sie die Sprache des Gastlandes in gutem Maße beherrscht; ich erwarte nicht, dass sie Schillers GLOCKE auswenig können. Sprache hat mit Mentalität zu tun, sie ist unbedingt notwendig, gerade in der Medizin, denn das Körperliche und das Seelische sind verbunden, oder ist der Patient nur eine Nummer, ein Stück Fleisch, das sie täglich durchziehen, ein Nichts?!!! Dann geben Sie sich Mühe, sie erweisen so Respekt dem Patienten gegenüber, dem Gastland, etc. Ich erwarte mehr Demut, die erwarte ich ganz allgemein von Ärzten egal ob Deutscher oder anderer Nationalität, es geht nicht nur um einfache Beinbrüche, die man wahrscheinlich auch ohne die deutsche Sprache zu beherrschen behandeln kann....
Ich denke, es ist klar geworden, was gemeint ist, selbstverständlich geht auch um Fehlermeidung, es ist einfach sehr wichtig,die in diesem Fall deutsche Sprache gut zu beherrschen, auch Sie wollen doch respektiert werden vom Patienten?!

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