ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 6/1998Digitale Fotografie: Eine Alternative zum Kleinbildfilm

Supplement: Praxis Computer

Digitale Fotografie: Eine Alternative zum Kleinbildfilm

Dtsch Arztebl 1998; 95(45): [36]

Seidel, Marc

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LNSLNS Der Fotomarkt ist in Bewegung. Nach jahrelanger Stagnation der Umsätze geht es wieder bergauf. Der Renner: Kameras für die "digitale Fotografie". Waren vor einigen Jahren nur wenige Modelle mit einer geringen Auflösung zu sehr hohen Preisen erhältlich, ist das Angebot heute nahezu unüberschaubar. Die einfachsten Apparate sind bereits ab 350 DM zu haben. Doch auch Kameras für rund 2 000 DM reichen in puncto Qualität der Fotos nicht an den Kleinbildfilm heran.


Fotos aufnehmen, sofort am Bildschirm ansehen, nachbearbeiten und ausdrucken, das sind die wesentlichen Vorteile der digitalen Fotografie. Der Weg zum Fotolabor entfällt, es bedarf keines Films mehr. Aufnahmen, die nicht gefallen, werden direkt gelöscht und wiederholt. Wer diese Vorzüge voll auskosten möchte, investiert ein Vielfaches gegenüber einer normalen Spiegelreflexkamera und gibt sich mit deutlich weniger Qualität als beim Kleinbildfilm zufrieden - zumindest heute.
Pixelkrieg Der wesentliche Unterschied von Digitalkameras zu Fotoapparaten mit "herkömmlichen" Film liegt in der Aufzeichnung der Bilder. Statt des lichtempfindlichen Materials wird ein Mikrochip (ähnlich wie bei Videokameras) eingesetzt. Dieser wandelt das einfallende Licht Punkt für Punkt in elektrische Impulse um. Dabei wird das Bild in unzählige Bildpunkte aufgeteilt. Jedem Punkt wird ein digitaler Wert für Helligkeit und Farbe zugeordnet. Die Bilddaten werden dann in der Kamera gespeichert. Dies geschieht auf einem fest integrierten Speicherchip, auf Speicherkarten oder (selten) auch auf Diskette. Die Motivsuche erfolgt entweder über einen herkömmlichen Sucher oder über ein LCD-Farbdisplay, das auch die direkte Kontrolle des Fotos ermöglicht. Gefällt der letzte Schnappschuß nicht, kann er sofort wieder gelöscht werden. Die Bildqualität hängt entscheidend von der Auflösung des lichtempfindlichen Chips ab (CCD oder vereinzelt bereits CMOS genannt). Je mehr Bildpunkte (Pixel) er hat, desto schärfer ist das Bild. Kameras mit einer Auflösung von 320 x 240 (76 800 Pixel) reichen gerade einmal aus, um Objekte grob zu skizzieren oder die Bilder ins Internet einzustellen. Für Fotoprints sind sie unbrauchbar. Wer Bilder später ausdrucken will, sollte sich nicht mit weniger als einer Million Pixel zufriedengeben. Zum Vergleich: Die Auflösung eines Farbfilmnegativs oder eines Dias entspricht mindestens 30 Millionen Bildpunkten. Digitalkameras mit mehr als einer Million Pixel liegen zur Zeit im Preisbereich von 1 000 bis 2 000 DM. In den nächsten Monaten dürfte die Auflösung der Kameras in dieser Preisstufe auf über zwei Millionen Punkte steigen. Speicherprobleme
Je höher die Auflösung des digitalen Bildes, desto mehr Daten fallen an, die gespeichert werden müssen. Die Hersteller benutzen deshalb verschiedene Rechenoperationen, mit denen sie die Daten komprimieren und reduzieren. Unterm Strich bleibt dennoch eine nicht geringe Menge an Bits und Bytes, die es zu speichern gilt. Einfachere Kameras mit XGA-Auflösung (1024 x 768) bieten bei zwei MByte RAM gerade einmal Platz für zehn Bilder in maximaler Qualität. Mit Steckkarten kann zwar bei vielen Modellen die Kapazität vergrößert werden, diese haben aber ihren Preis. Noch Zukunftsmusik ist die von IBM neu entwickelte Mini-Festplatte. Dieser Massenspeicher mit einer Kapazität von über 300 Mbyte und geringeren Maßen als die einer Streicholzschachtel dürfte erst in ein paar Jahren zum Einsatz kommen. Anschluß gesucht
Viele Modelle können per Kabel mit einem Fernseher verbunden werden. So lassen sich Partybilder sofort begutachten. Zum Überspielen der Bilder auf einen Computer bedienen sich die Hersteller verschiedener Verfahren. Am gebräuchlichsten ist der Anschluß der Kamera oder des Speichermediums an die serielle Schnittstelle des Rechners (COM 1 oder 2). Dieser erlaubt aber nur eine Datenübertragung von maximal 115 000 Bit pro Sekunde. Die Übertragung von 30 Bildern mit XGA-Auflösung benötigt auf diesem Weg rund 15 Minuten. Kameras neuester Generation verfügen teilweise bereits über einen USB-Anschluß (Universal Seriel Bus, bei Pentium-II Rechnern mittlerweile Standard), der einen deutlich schnelleren Datentransfer ermöglicht. Gleiches gilt für den Anschluß per SCSI oder mit separater Interfacekarte. Für letztere ist allerdings ein freier Steckplatz notwendig. Power
Die eingebauten LCD-Bildschirme ermöglichen eine gute Kontrolle des Fotoobjektes. Sie haben aber auch einen Nachteil: Als wahre "Stromfresser" lassen sie bei einigen Modellen bereits nach wenigen Fotos der Batterie den Saft ausgehen. Der Anwender ist gut beraten, wenn er sein Technikwunderwerk mit Akkus betreibt. Dies ist aber nicht bei allen Geräten möglich, denn die wieder aufladbaren Batterien geben nur eine Spannung von 1,2 Volt gegenüber 1,5 Volt bei Alkali-Zellen ab. Dadurch versagen einige Geräte ihren Dienst. Vorteilhaft sind bereits ab Werk mitgelieferte Akkupacks. Ein Netzgerät gehört ebenfalls nicht bei allen Vertretern zum Standardlieferumfang. Bearbeitung am Computer
Große Unterschiede gibt es bei den Kameras nicht nur im Bereich Auflösung, Speicher oder Anschluß, sondern auch bei der beigelegten Bearbeitungssoftware. Wer nicht bereits eine professionelle Bildbearbeitungssoftware installiert hat, wird gerade als Neueinsteiger in die digitale Bilderwelt ein mitgeliefertes Programmpaket zu schätzen wissen. Einige Hersteller begnügen sich hier mit einer Software zur Bilderüberspielung. Wer alle Register der Bildmanipulation nutzen will, kommt um die Anschaffung zusätzlicher Programme nicht herum (siehe Seite 39 f.). Professionelle Software kann hier schnell aber die Preisgrenze von 1 000 DM überschreiten.
Druck gemacht
Ist ein Bild auf dem Bildschirm auch noch so schön anzusehen - früher oder später soll es zu Papier gebracht werden. Ausgabegeräte - Farbdrucker (Tintenstrahl) - sind mittlerweile ab 350 DM erhältlich. Deren Ausdrucke hinterlassen bereits einen guten Eindruck, auf teurem Spezialpapier. Das treibt die Kosten für ein Bild im Postkartenformat schnell auf ein bis zwei DM hoch. Trotz großen technischen Fortschritts: An die Qualität eines herkömmlichen Farbabzugs, der weitaus günstiger erhältlich ist, kommt ein Tintenstrahldruck nicht heran.
Der Markt
Gut sechs Milliarden DM setzte der deutsche Fotomarkt im vergangenem Jahr um. Davon entfielen 4,72 Milliarden DM auf den Bereich Filme, Entwicklung und Zubehör. Für 1,43 Milliarden DM gingen Kameras, Objektive, Blitzgeräte und Diaprojektoren über die Ladentheke.
Mehr als vier Millionen Kameras wurden verkauft, obwohl die Bundesbürger bereits auf ein beachtliches Arsenal von mehr als 40 Millionen Fotoapparaten zurückgreifen können - die Hälfte davon nicht älter als fünf Jahre. Mit 80 000 Digitalkameras waren diese nur mit zwei Prozent am Stückzahl-Umsatz aller Kameras beteiligt. Aufgrund des höheren Einstandspreises machte dies aber immerhin neun Prozent des Umsatzes aus. Schnell, aber teuer
Digitalfotografie ist schnell. Bilder können innerhalb von Minuten in Dokumente eingearbeitet oder publiziert werden. Das macht sie für aktuelle Berichterstattung, Dokumentationen oder Gestaltung von Internetseiten sehr interessant. Ein Ausdruck ist allerdings teurer und schlechter als ein herkömmlicher Fotoabzug aus dem Labor. Und ein Computer ist neben der Kamera Voraussetzung für einen sinnvollen Einsatz.
Marc Seidel


Tabelle 1: Digitale Kameras bis 1100 DM (Auswahl)
Type Agfa ePhoto 780 Casio QV 780 Panasonic NV- Hewlett-Packard Kodak DC 200 Epson
DCF2 PhotoSmart C20 PhotoPC600
Auflösung 640 x 480 640 x 480 640 x 480 1152 x 872 1152 x 864 1024 x 768
1042 x 768 interpol.
Brennweite (mm) 50 38 54 39 39 36
Wechselspeicher SmartMedia CompactFlash CompactFlash CompactFlash CompactFlash
CompactFlash
Speichergröße 2 MB 2 MB 2 MB 4 MB 4 MB 4 MB
Sucher optisch und LCD- nur LCD-Monitor optisch und LCD- optisch und LCD optisch und LCD- optisch und LCD Monitor Monitor Monitor Monitor Monitor
Stromversorgung vier Mignonzellen vier Mignonzellen, zwei Mignonzellen vier Mignonzellen, vier Mignonzellen, vier Mignonzellen,
(Akkubetrieb mögl.), Netzteil optional (Akkubetrieb Netzteil Netzteil optional Netzteil optional
Netzteil optional möglich), Netzteil
Preis 780 DM 800 DM 800 DM 1000 DM 1000 DM 1100 DM
Software eigene, Kai’s QV-Link PhotoDeluxe eigene, Microsoft Picture easy Kai’s Power
PhotoSoap SE PictureWorks Picture it PhotoSoap


Tabelle 2: Digitale Kameras zwischen 1200 und 1500 DM (Auswahl)
Type Fujifilm MX-500 Konica Q-M100 Toshiba PDR-M1 Nikon Coolpix 600 Olympus C-840 L Philips ESP80
Auflösung 1280 x 1024 1152 x 872 1280 x 1024 1024 x 768 1280 x 960 1280 x 960
Brennweite (mm) 35 39 bis 78 35 36 36 35 bis 105
Wechselspeicher SmartMedia CompactFlash SmartMedia CompactFlash SmartMedia
SmartMedia
Speichergröße 2 MB 4 MB 4 MB 8 MB 4 MB 4 MB
Sucher optisch und LCD- optisch und LCD- optisch und LCD- optisch und LCD optisch und LCD- nur LCD-Monitor
Monitor Monitor Monitor Monitor Monitor
Stromversorgung vier Mignonzellen, vier Mignonzellen, vier Mignonzellen, zwei Mignonakkus, vier Mignonzellen vier Mignonakkus,
Netzteil optional Akkubetrieb Netzteil optional Netzteil (Akkubetrieb mögl.), Ladegerät, Netzteil möglich Netzteil optional optional
Preis 1200 DM 1200 DM 1200 DM 1300 DM 1400 DM 1500 DM
Software PhotoDeluxe PhotoDeluxe Image Expert PhotoDeluxe Camedia Photo- Photo Studio Lite
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