ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 6/1998Trierer Telemedizin Symposium 1998: Internet-Technologie in der Medizin

Supplement: Praxis Computer

Trierer Telemedizin Symposium 1998: Internet-Technologie in der Medizin

Dtsch Arztebl 1998; 95(45): [4]

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Auf dem vom Institut für Telematik e. V., Trier, veranstalteten Telemedizin Symposium wurden Potentiale der neuen Informations- und Kommunikationstechnik für die medizinische Anwendung diskutiert.
Die systematische Einführung von Informations- und Telekommunikationstechnologien in das deutsche Gesundheitswesen stehe noch aus, insbesondere die Vernetzung bisheriger Insellösungen. So läßt sich nach Dr. Gottfried Dietzel, im Bundesministerium für Gesundheit zuständig für die Telematik-Koordination, der Stand der Gesundheitstelematik beschreiben. Zugleich halten moderne Informations- und Kommunikationstechnologien, dominiert von Internet-/Intranet-basierten Verfahren, verstärkt Einzug in das Gesundheitswesen. Das vom Institut für Telematik, einer gemeinnützigen Forschungs- und Entwicklungseinrichtung unter Verwaltung der Fraunhofer-Management-Gesellschaft, geschaffene Forum soll dazu beitragen, den Erfahrungs- und Wissensaustausch zwischen den verschiedenen Ansätzen und Pilotprojekten und den darin engagierten Vertretern aus Forschung, Industrie und Praxis zu fördern.
Drei Themen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung: "medizinische Wissensbasen", "Intranet im Krankenhaus" und "Sicherheit der Daten und der Datenübertragung". In allen Bereichen wurde deutlich, daß sich neben den erzielten Fortschritten stets eine Fülle neuer offener Fragen stellen. Ein Beispiel hierfür ist die wachsende Bedeutung der Informationsverarbeitung im Krankenhaus. Die Funktionalität der Systeme wächst. Zu beobachten ist ein Übergang von einer administrativen zur integrierten klinikweiten Informationsverarbeitung, in der sich Kommunikation zur Auftrags- und Befundkommunikation erweitert. Von umfassenden Gesamtlösungen kann jedoch noch keine Rede sein. Realität sind vielmehr heterogene, proprietäre Systeme, Medienbrüche, unterschiedliche Benutzeroberflächen und unzureichende Ablaufunterstützung - so Prof. Dr. Klaus Kuhn, Institut für Medizinische Informatik der Universität Marburg. Das komplexe Funktionsspektrum im Krankenhausinformationssystem (KIS) müsse daher mit einer möglichst geringen Anzahl von Subsystemen (wie administrative EDV, Patientendatenverwaltung, Leistungsabrechnung, Radiologie- und Laborsysteme u. a.) und Schnittstellen sowie einer möglichst geringen funktionalen Überlappung realisiert werden. Während die Internet-Technologie im KIS bei der Vermittlung nicht personenbezogener Daten bereits eine wichtige Rolle spielt, ist die patientenbezogene Information noch aus vielerlei Gründen, etwa rechtlicher und sicherheitstechnischer Art, problematisch.
Offene Systeme Vorteil der Internet-Technologie: Mit der Browser-Software und der Programmiersprache Java können Daten und Informationen betriebssystem- und plattformunabhängig verfügbar gemacht werden. Dies wurde am Beispiel eines internetbasierten Arztbriefsystems auf Basis einer Client-Server-Architektur verdeutlicht. Der Arzt diktiert seinen Arztbrief in einen Rechner und legt sein Diktat dort als Audiodatei ab. Die Schreibkraft kann von ihrem Rechner aus auf diese Datei zugreifen und schreibt den Arztbrief in ein Textverarbeitungsprogramm. Anschließend kann der Arzt die Textdatei korrigieren, digital signieren und zum Abruf für weitere Arbeitsvorgänge bereitstellen. Dieser Dokumenten-Workflow läßt sich leicht modifizieren und an andere Arbeitsprozesse anpassen. Entscheidungsmonitoring statt
Diagnoseunterstützung
Im Bereich wissensbasierter Systeme wies Prof. Dr. Joachim W. Dudeck vom Institut für Medizinische Informatik, Universität Gießen, auf einen interessanten Trend hin: Jahrzehntelang stand die Entwicklung von Systemen im Vordergrund, die die ärztliche Diagnostik nachbilden, automatisieren und dadurch sicherer und besser gestalten sollten. Dieser Ansatz spiegelte sich insbesondere in der Entwicklung komplexer Expertensysteme wider. Dennoch konnten sich nur wenige dieser Systeme in der klinischen Routine durchsetzen. Der hohe Aufwand lieferte nur triviale Ergebnisse. Gründe für die fehlende Akzeptanz lagen vor allem in der Komplexität des medizinischen Entscheidungsraumes und in der zeitaufwendigen Dateneingabe. Demgegenüber entscheiden Ärzte häufig sehr schnell anhand weniger Leitbefunde. Durchgesetzt hat sich dagegen der Ansatz des Entscheidungsmonitorings, der zugleich eine praktikable Möglichkeit zur Qualitätssicherung darstellt. Hierbei werden getroffene Entscheidungen aufgrund gespeicherten Wissens kritisch bewertet. Der Arzt wird nur bei einer Verletzung von Wissensregeln - etwa bei der Verschreibung nicht kompatibler Medikamente - auf die Unterstützung durch den Computer hingewiesen und im übrigen nicht weiter durch diesen "belästigt". Diese Systeme stellen das Wissen kontext- bzw. fallbezogen zur Verfügung, das heißt, sie sind sinnvoll in abgrenzbaren Entscheidungsräumen mit überschaubaren Handlungsalternativen. KBr
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