ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2013Therapie der Osteoporose: Synergistische Wirkung bei Zweifachkombination

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Therapie der Osteoporose: Synergistische Wirkung bei Zweifachkombination

Dtsch Arztebl 2013; 110(26): A-1319 / B-1155 / C-1142

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Medikamente zur Therapie der Osteoporose haben im Wesentlichen zwei Wirkprinzipien: Sie hemmen die Osteoklastenaktivität (antikatabole Effekte), oder sie regen die Aktivität der Osteoblasten an (osteoanabole Effekte). Studien, in denen beide Prinzipien miteinander kombiniert geprüft wurden, haben bislang keine klinisch relevanten Vorteile für die Patienten ergeben. Den aktuell publizierten Ergebnissen der randomisierten kontrollierten DATA-Studie zufolge könnte die Kombination des osteoanabolen Parathormonfragments Teriparatid mit dem antikatabol wirkenden Denusomab (Antikörper gegen den RANKLiganden) doch von Nutzen für Osteoporosepatientinnen sein.

Eingeschlossen in die Studie wurden 100 postmenopausale Frauen mit Osteoporose und einem hohen Frakturrisiko. Die Probandinnen (durchschnittliches Alter in drei Prüfgruppen zwischen 65,5 und 66,3 Jahren) erhielten nach Randomisierung entweder subkutan Teriparatid (20 µg am Tag), 60 mg Denusomab subkutan alle sechs Wochen oder die Kombination beider Medikationen. Laborparameter und Knochendichte wurden zu Studienbeginn, nach drei, sechs und zwölf Monaten untersucht.

92 Patientinnen schlossen die Behandlung und alle Untersuchungen ab. Ein Vorher-Nachher-Vergleich der Knochendichte der Lendenwirbelsäule ergab eine Erhöhung um 9,1 % im Kombinationsarm, um 6,2 % im Teriparatid-Arm und um 5,5 % unter Denusomab. Auch die Dichte der Oberschenkelhals- und Hüftknochen hatte sich unter der Kombination stärker erhöht als bei den jeweiligen Monosubstanzen. Die Unterschiede der Monotherapien zur Kombinationsbehandlung waren bei allen Parametern jeweils statistisch hochsignifikant.

Durchschnittliche Veränderung der Dichte des Hüftknochens unter Monotherapien mit Denusomab oder Teriparatid und unter der Kombination beider Medikamente
Durchschnittliche Veränderung der Dichte des Hüftknochens unter Monotherapien mit Denusomab oder Teriparatid und unter der Kombination beider Medikamente
Grafik
Durchschnittliche Veränderung der Dichte des Hüftknochens unter Monotherapien mit Denusomab oder Teriparatid und unter der Kombination beider Medikamente

Fazit: Die Kombination Teriparatid plus Denusomab verbessert die Knochendichte bei Frauen mit Osteoporose deutlich mehr als jede der Substanzen allein.

„Bislang waren Kombinationstherapien aus antiresorptiven Bisphosphonaten und dem osteoanabolen Parathormon bei der Behandlung der Osteoporose eher enttäuschend“, kommentiert Prof. Dr. med. Lorenz C. Hofbauer, Leiter des Bereichs Endokrinologie, Diabetes und Knochenerkrankungen, Technische Universität Dresden. Die DATA-Studie, bei der Teriparatid und der RANKL-Antikörper Denosumab eingesetzt wurden, zeige nun sehr überzeugend, dass die Knochendichte der Wirbelsäule und der Hüfte synergistisch stiegen. „Das ist vor allem bemerkenswert, weil diese Kombination offenbar den trabekulären Knochen, vor allem an den Wirbelkörpern, und den kortikalen Knochen, vor allem an der Hüfte, gleichermaßen positiv beeinflusst. Diese aufwendigere Therapie könnte bei Patientinnen mit sehr hohem Frakturrisiko für Wirbelkörper- und Hüftfrakturen angewandt werden.“ Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Tsai JN, Uihlein AV, Lee H, et al.: Teriparatide and denusomab, alone or combined, in women with postmenopausal osteoporosis: the DATA study randomized trial. Lancet 2013; http://dx.doi.org/ 10.1016/S0140-6736(13)60856-9 MEDLINE

Durchschnittliche Veränderung der Dichte des Hüftknochens unter Monotherapien mit Denusomab oder Teriparatid und unter der Kombination beider Medikamente
Durchschnittliche Veränderung der Dichte des Hüftknochens unter Monotherapien mit Denusomab oder Teriparatid und unter der Kombination beider Medikamente
Grafik
Durchschnittliche Veränderung der Dichte des Hüftknochens unter Monotherapien mit Denusomab oder Teriparatid und unter der Kombination beider Medikamente

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema