SCHLUSSPUNKT

Schach: Herzangelegenheiten

Dtsch Arztebl 2013; 110(26): [60]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Die Rolltreppe an der Münchener U-Bahn-Station „Harras“ ist kein so anheimelnder Ort, dass man sich dort über Gebühr aufhalten möchte. Aber just da sah ich vor einigen Monaten einen etwa 70-jährigen Mann (gerade fallen mir gewisse Ähnlichkeiten mit mir selbst auf), der unverdrossen, mit einem Rucksack auf dem Rücken, die Rolltreppe ein ums andere Mal hinunterfuhr, um dann wieder die Treppen hinaufzusteigen. Hatte er gar Wackersteine in seinen Rucksack geladen, um den Trainingseffekt zu steigern? Eine ganze Zeit lang schaute ich ihm fasziniert zu und fragte mich, ob er vielleicht ähnlich wie ich Patient beim Kardiologen Dr. Struppler am Harras sei, der ihm dringend zur körperlichen Ertüchtigung geraten habe.

Wer wegen des eigenen Vorhofflimmerns (bekanntermaßen nichts Angenehmes) entsprechende Fortbildungsseminare besucht, kann über sachliche Informationen hinaus indes auch manch Vergnügliches erfahren, beispielsweise bei Prof. Dr. B. Lüderitz, wenn dieser als Liebhaber der alten Sprachen von den nüchternen Fakten der Athena- und Euridisstudie schon einmal abschweift und – offensichtlich alles andere als ungern – Ausflüge in die griechische Mythologie zu der in voller Rüstung dem Haupte Zeus’ Entstiegenen sowie zu Orpheus und Eurydike unternimmt.

Oder von Frau Prof. Dr. E. Hoffmann hört, dass Frauen vor allem wegen ihrer geringeren Vorhofgröße seltener Vorhofflimmern als Männer haben. Grundsätzlich gebe es diese Rhythmusstörung auch bei Tieren, beim Kaninchen allerdings nicht, sehr wohl hingegen beim Pferd, und noch häufiger beim Elefant und Wal. Je größer, desto gefährdeter?! Ich dachte mir insgeheim, was die (medizinische) Wissenschaft doch alles weiß – vermutlich in einer Mischung aus Sinnvollem und Nutzlosem.

Nun jedoch zum letzten Ärzteschachturnier, wo der Kardiologe Dr. Peter Kleine-Katthöfer mir nicht nur wieder gute Ratschläge gab, sondern auch das Buch „Herzangelegenheiten“ von Prof. Dr. Thomas Meinertz schenkte. Darin schildert dieser Kardiologe besondere Fälle seines beruflichen Lebens und nicht zuletzt auch seine eigene, durchaus ermutigende Geschichte mit dem Vorhofflimmern. Man spürt, wie sehr ihm sein Beruf auch Herzensangelegenheit war.

Aber nun endlich Schach.

In diesem ungewöhnlichen Endspiel hatte Dr. Kleine-Katthöfer als Weißer drei gefährliche Freibauern, sein Gegner Dr. Helmut Müller hingegen einen starken Turm. Beiderseits Zeitnot. Nach 1. f7+ Kf8 verlor Weiß sogar, wie hätte er jedoch gewinnen können?

Lösung:

Nach 1. Ke7! droht immer 2. f7+ nebst 3. f8D, so dass der schwarze Turm auf der f-Linie bleiben muss. Also zum Beispiel 1. . . . Tf5 2. e6 Tf1 3. f7+ Kg7 4. Ke8 nebst 5. e7 und
6. f8D, bei 4. . . . Kxg6 indes gewinnt einfach 5. f8D Txf8+ 6. Kxf8 Kf6 7. e7.

Übrigens birgt die Diagrammstellung einen interessanten Dreiklang: 1. f7 verliert, 1. g7 remisiert und 1. Ke7 gewinnt. Nicht glauben, nachprüfen!

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