ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2013Osteoporose: Kathepsin-K-Inhibition als neues Therapieprinzip

PHARMA

Osteoporose: Kathepsin-K-Inhibition als neues Therapieprinzip

Dtsch Arztebl 2013; 110(26): A-1331

Blaeser-Kiel, Gabriele

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Zur Behandlung der Osteoporose befindet sich mit Odanacatib derzeit ein neues Wirkprinzip in der klinischen Forschung, das der Physiologie des Knochenstoffwechsels mehr Rechnung trägt als bisherige Therapieoptionen.

Die Osteoporose ist eine Erkrankung, die eine lebenslange medizinische Betreuung verlangt. Dafür benötige man allerdings Medikamente, die sich auch lebenslang einsetzen ließen, erinnerte der niedergelassene Orthopäde Dr. med. Hermann Schwarz aus Freudenstadt. Die Therapie mit den bisher als Goldstandard geltenden Bisphosphonaten sollte jedoch nicht länger als fünf bis maximal zehn Jahre fortgeführt werden (1).

Die Limitationen der Therapiedauer lassen sich möglicherweise mit dem Wirkmechanimus der Bisphosphonate erklären. Diese Substanzen induzieren die Apoptose der knochenabbauenden Osteoklasten und verschieben damit das Gleichgewicht zugunsten der knochenaufbauenden Osteoblasten. Es stelle sich jedoch die Frage, ob damit langfristig zwar mehr Masse, nicht aber mehr Klasse erreicht werde – also dreidimensionale Strukturen, die auch langfristig stabil und anpassungsfähig für neue Herausforderungen seien, sagte Dr. med. Kristian Löbner, Medizinischer Direktor von MSD.

Anzeige

Signalaustausch zwischen Osteoklasten und -blasten

Forschungsaktivitäten der jüngeren Zeit ließen erkennen, dass für die Knochenformation ganz essenziell der zelluläre Signalaustausch zwischen Osteoklasten und Osteoblasten sei. Gute Chancen, diesem Anspruch gerecht zu werden, bestehen mit einer neuen Substanz aus der MSD-Forschung. Odanacatib hemmt selektiv Kathepsin K, eine lysosomale Zysteinprotease, die zuständig ist für die Auflösung der organischen Knochenmatrix in den Osteoklasten. Man konnte nachweisen, dass Odanacatib lediglich die Funktion der Osteoklasten hemmt und den Abbau der Knochenmatrix bremst, Zahl und Morphologie dieser Zellen in den Knochentrabekeln jedoch nicht verändert. Als Folge bleibt die Signaltransduktion zu den Osteoblasten erhalten (2).

Die Ergebnisse der Phase-II-Studien mit Odanacatib sind vielversprechend (3). Derzeit läuft eine Phase-III-Studie mit 16 000 postmenopausalen Osteoporosepatientinnen. Primärer Endpunkt ist die Reduktion des Frakturrisikos. Bereits vor einem Jahr gab es aufgrund robuster Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit eine Empfehlung zum vorzeitigen Abbruch. Um jedoch möglichst viele Daten zum Nutzen-Risiko-Profil von Odanacatib zu sammeln, will MSD wie vorab geplant die Extensionsstudie mit mehr als 8 000 Patientinnen über die vollen vier Jahre fortführen. Der Antrag auf Zulassung von Odanacatib soll nach Angaben von Löbner voraussichtlich 2014 eingereicht werden.

Gabriele Blaeser-Kiel

Quelle: Diskussion „Osteoporose: Dimensionen – Optionen – Perspektiven“, Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, Wiesbaden, Veranstalter: MSD – Merck-Sharp & Dohme GmbH

@Litertaur im Internet: www.aerzteblatt.de/lit2613

Kurz informiert

Wichtige Aspekte der klinischen Anwendung von Revlimid® Vor dem Hintergrund der Zulassungserweiterung von Revlimid (Wirkstoff: Lenalidomid) zur Behandlung von Patienten mit transfusionsabhängiger Anämie infolge myelodysplastischer Syndrome informiert der Hersteller Celgene über Maßnahmen zur Risikominimierung: Angesichts des teratogenen Risikos von Revlimid und seines Sicherheitsprofils (Myelosuppression, thromboembolische Ereignisse, Risiko einer Progression zur akuten myeloischen Leukämie) fordern die Behörden ein Schwanger­schafts­verhütungs­programm sowie die Verbreitung von Informations- und Aufklärungsmaterial an Angehörige der Heilberufe und Patienten.

Chargenrückruf von Numeta G13%E – Baxter Deutschland ruft sein Produkt Numeta G13%E (Emulsion zur Infusion), 300 ml (PZN 9213051), zur parenteralen Ernährung von Frühgeborenen zurück. Betroffen sind die Chargen: 11I27N41, 11L05N42 und 13B11N42.

Kürzlich wurde in einigen Fällen über eine erhöhte Serum-Magnesiumkonzentration bei Frühgeborenen berichtet, die mit Numeta G13%E behandelt wurden. Da es Situationen geben kann, in denen keine Alternative für die Ernährung Frühgeborener zur Verfügung steht, könnte die Anwendung von Numeta G13%E (300 ml) nach Angaben von Baxter in Betracht gezogen werden, sofern eine sorgfältige Überwachung stattfindet. Informationen zur Produktrücksendung gibt der Baxter-Kundenservice unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 7235636. EB

Zur Behandlung der Osteoporose befindet sich mit Odanacatib derzeit ein neues Wirkprinzip in der klinischen Forschung, das der Physiologie des Knochenstoffwechsels mehr Rechnung trägt als bisherige Therapieoptionen.

1.
www.aerzteblatt.de/nachrichten/50141/ Bisphosphonate-Argumente-fuer-eine-
Begrenzung-der-Therapiedauer
2.
Gauthier JI, et al.: The discovery of odanacatib (MK-0822), a selective inhibitor of cathepsin K. Bioorg Med Chem Lett 2008; 18: 923–8.
3.
Langdahl B, et al.: Odanacatib in the treatment of postmenopausal women with low bone mineral density: five years of continued therapy in a phase 2 study. J Bone Miner Res 2012; 27: 2251–8.
1.www.aerzteblatt.de/nachrichten/50141/ Bisphosphonate-Argumente-fuer-eine-
Begrenzung-der-Therapiedauer
2.Gauthier JI, et al.: The discovery of odanacatib (MK-0822), a selective inhibitor of cathepsin K. Bioorg Med Chem Lett 2008; 18: 923–8.
3.Langdahl B, et al.: Odanacatib in the treatment of postmenopausal women with low bone mineral density: five years of continued therapy in a phase 2 study. J Bone Miner Res 2012; 27: 2251–8.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema