ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2013Diabetisches Makulaödem: Die Anti-VEGF-Therapie ist auch langfristig effektiv

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetisches Makulaödem: Die Anti-VEGF-Therapie ist auch langfristig effektiv

Gerste, Ronald D.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Mehr als etwa ein Vierteljahrhundert ist die Laserbehandlung der Makula die Standardtherapie des diabetischen Makulaödems (DME) gewesen. Das DME kann sowohl bei Patienten mit proliferativer als auch mit nichtproliferativer diabetischer Retinopathie zu einem drastischen und häufig irreversiblen Visusabfall führen. Seit einiger Zeit wird die pharmakologische Inhibition des vascular endothelial growth factor (VEGF) mit der Lasertherapie in Studien verglichen.

Der Anti-VEGF-Antikörper Ranibizumab ist seit 2011 für die Indikation DME in der Europäischen Union zugelassenen. Jetzt hat eine internationale Arbeitsgruppe die Dreijahresergebnisse zweier Phase- III-Studien zur Anti-VEGF-Therapie vorgelegt. Die zunächst insgesamt 759 Patienten mit DME hatten über 2 Jahre monatlich entweder 0,3 mg Ranibizumab (Lucentis®), 0,5 mg Ranibizumab oder Placebo erhalten; unter bestimmten klinischen Bedingungen konnte eine zusätzliche Laserbehandlung erfolgen. 190 der ursprünglich mit Placebo behandelten Patienten wechselten ab Beginn des dritten Jahres zu einer monatlichen Ranibizumab-Therapie.

Drei Jahre nach Beginn der Ranibizumab-Behandlung gab es bei 36,8 % der mit 0,3 mg und 40,2 % der mit 0,5 mg des Wirkstoffs intravitreal therapierten Diabetiker einen deutlichen Visusgewinn, definiert als Zunahme um 15 oder mehr richtig erkannte Zeichen auf den ETDRS-Sehtesttafeln. Von den zunächst mit Placebo und erst im dritten Jahr mit dem VEGF-Hemmer behandelten Diabetikern verzeichneten nur 19,2 % einen solchen Funktionsgewinn. Diese Patienten gewannen im Durchschnitt nur 2,8 Zeichen, während direkt mit Ranibizumab behandelte Patienten nach ihrem ersten Therapiejahr 10,6 bzw. 11,3 zusätzliche Zeichen – je nach Dosierung der Substanz – erkannten. Der Anteil der Patienten mit einem Sehvermögen von 0,5 und besser nach drei Jahren betrug unter 0,5 mg Ranibizumab 59 % in beiden Studien, unter 0,3 % des monatlich in den Glaskörper injizierten Medikaments 55 % bzw. 63 % und für die zwei Jahre mit Schein- und erst im dritten Jahr mit realen Injektionen Behandelten 42 %.

Die Häufigkeit der Endophthalmitis, der gefürchtetsten okulären Komplikation nach intravitrealen Injektionen, lag bei 0,06 % pro Injektion, die Rate der traumatischen, durch eine Nadelverletzung verursachten Katarakte bei 0,03 % pro Injektion. Die Häufigkeit arterieller thromboembolischer Ereignisse wurde mit 7,2 % (pro 0,5 mg Placebo), 10,8 % (pro 0,3 mg Verum) und 10,4 % (pro 0,5 mg Verum) ermittelt. Schlaganfälle erlitten im Verlauf der drei Studienjahre 2,4 % (Sham/0,5 mg), 2,0 % (0,3 mg) und 4,8 % (0,5 mg) der Patienten.

Fazit: Die Chancen auf eine Restitution der visuellen Funktion von Patienten mit DME sinken mit Zeitdauer seit Diagnosestellung – diese lag bei den von Scheininjektionen auf Ranibizumab-Therapie umsteigenden Diabetikern im Schnitt 4,5 Jahre zurück. Nach so langer Zeit scheint eine Netzhautatrophie aufgrund des chronischen Makulaödems vorzuliegen. Die kontinuierliche Therapie aber geht mit konsolidierten Visussteigerungen einher. Ein Unterschied zur Ranibizumab-Gabe bei altersabhängiger Makuladegeneration: Während bei jener die 0,5-mg-Dosierung effektiver ist, waren bei DME intravitreale Injektionen von 0,3 mg und von 0,5 mg des VEGF-Inhibitors von der Wirksamkeit her äquivalent.

Dr. med. Ronald D. Gerste

Brown DM, Nguyen QD, Marcus DM, et al.: Long-term Outcomes of Ranibizumab Therapy for Diabetic Macular Edema: The 36-Month Results from Two Phase III Trials: RISE and RIDE. Ophthalmology 2013, online May 22. doi: pii: S0161-6420(13)00212-1.10.1016/ j.ophtha.2013.02.034 MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote