ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2013Börsebius: Dickes Fell und taube Ohren

GELDANLAGE

Börsebius: Dickes Fell und taube Ohren

Dtsch Arztebl 2013; 110(26): A-1333 / B-1169 / C-1153

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So schnell greift Verwirrung um sich. Als der Deutsche Aktienindex, DAX, vor nur wenigen Wochen sein letztes Allzeithoch erklomm, jubelten nicht wenige und prophezeiten dem Kursbarometer weitere Avancen. Doch nachdem die amerikanische Notenbank Federal Reserve – wenn auch nur vorsichtig – ein allmähliches Ende der üppigen Geldversorgung ankündigte, brachen die Notierungen auf breiter Front ein, und heute sind die Auguren mit weiteren Negativprognosen schnell wieder bei der Hand. Das Statement von gestern versinkt schamvoll.

Aber auch an anderer Stelle greift die Hektik wild um sich. Als die jüngste Jahrhundertflut über Deutschland hereinbrach, fielen prompt die Kurse der Versicherungsaktien Allianz und Münchener Rück drastisch. Wen interessiert dabei schon, dass dies vermutlich prima Einstiegskurse waren. Welche thematische Sau dann in ein paar Monaten durchs Dorf gejagt wird und wer dann wieder der Weisheit letzte oder vorletzte Schlüsse von sich gibt, darf gespannt erwartet werden.

Kurzum: Wer ein Depot mit guten deutschen Blue Chips besitzt, sollte sich bloß nicht ins Bockshorn jagen lassen. Langfristiges Denken ist schließlich Trumpf. Dem soliden Investor sollten daher genau die von Kurzatmigkeit und Hektik geprägten Verhaltensweisen ein Graus sein. Diese werden auch oft genug von Anlageberatern geschürt, denen die schnelle Provision lange vor dem Wohl des Kunden kommt. Panik beim Kunden zu erzeugen, bringt dem Banker eine üppige Geldschöpfungschance.

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Oft genug wird mir berichtet, dass Banker ihre Klientel gerade dann anrufen, wenn es an den Weltbörsen aus irgendwelchen Gründen wackelt. Gerade jetzt, sagen sie, sei es dringend geboten, sich aus diesem oder jenem Wert zu verabschieden und dafür die Titel X, Y, Z zu erwerben; siehe oben die Ratschläge die Flutfolgen betreffend. Folgen Sie solch schlecht meinenden Vorschlägen bloß nicht.

Wer eine erfolgreiche Depotpolitik anstrebt, muss sich jedenfalls an den für die Finanzmärkte positiven langfristigen Trends (die durchaus noch intakt sind) orientieren und darf sich nicht auf tagesaktuelle Einflüsterungsversuche einlassen. Ein dickes Fell und taube Ohren sind daher noch lange nicht die schlechtesten Börsentugenden. Im Gegenteil.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 6. Juli 2013 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

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