ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2013Hämotherapie: Blutspendeverbot für Homosexuelle auf dem Prüfstand

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Hämotherapie: Blutspendeverbot für Homosexuelle auf dem Prüfstand

Dtsch Arztebl 2013; 110(26): A-1292 / B-1132 / C-1120

Hibbeler, Birgit

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Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) will sich dafür einsetzen, dass das Blutspendeverbot für homosexuelle Männer gelockert wird. Künftig sollen nach Ansicht der BÄK Menschen mit riskantem Sexualverhalten nicht mehr dauerhaft von der Blutspende ausgeschlossen werden. Stattdessen soll es ein befristetes Verbot geben. Die Spende wäre dann wieder erlaubt, wenn die Betroffenen eine bestimmte Zeit keinen riskanten Sex hatten. „Eine entsprechende Änderung der Hämotherapie-Richtlinien der Bundes­ärzte­kammer ist jedoch derzeit aufgrund der europäischen Rechtslage nicht möglich“, sagte BÄK-Sprecher Samir Rabbata. Die BÄK wolle deshalb auf eine Änderung des EU-rechtlichen Rahmens hinwirken und stehe derzeit dazu im Gespräch mit dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium.

Blutprodukte müssen sicher sein. Das generelle Spendeverbot für homosexuelle Männer ist aber seit langem umstritten. Foto: dpa
Blutprodukte müssen sicher sein. Das generelle Spendeverbot für homosexuelle Männer ist aber seit langem umstritten. Foto: dpa

Das Blutspendeverbot für „Männer, die Sex mit Männern haben“ ist in den Hämotherapie-Richtlinien verankert. Es handelt sich um eine Vorsichtsmaßnahme zum Schutz der Empfänger von Blutprodukten. Unstrittig ist, dass risikobehaftetes Sexualverhalten von Blutspendern, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung Auswirkungen auf die Virussicherheit der Blutprodukte haben kann.

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Der jetzige BÄK-Vorschlag geht auf die Empfehlung einer Arbeitsgruppe aus Vertretern des Ständigen Arbeitskreises „Richtlinien Hämotherapie“ nach §§ 12 a und 18 Transfusionsgesetz (TFG) des Wissenschaftlichen Beirats der BÄK und des „Arbeitskreises Blut“ nach § 24 TFG zurück. BH

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am Freitag, 2. August 2013, 09:19

Katholische Ärzte: Widerspruch zur BÄK-Meldung, das Blutspendeverbot für homosexuelle Männer zu lockern

Hier: Widerspruch zur BKÄ-Meldung, das Blutspendeverbot für homosexuelle
Männer zu lockern

Sehr geehrte Damen und Herren von der Redaktion,

hiermit überreichen wir Ihnen folgenden Leserbrief:


In Ihrer Meldung, die Bundesärztekammer wolle sich für eine Lockerung des Blutspendeverbots für homosexuelle Männer einsetzen, fehlt eine stichhaltige Begründung.
Obwohl zugegeben wird, daß „risikobehaftetes Sexualverhalten … Auswirkungen auf die Virussicherheit der Blutprodukte haben kann‘, werden lediglich ‚Empfehlungen‘ der Arbeitskreise ‚Richtlinien Hämotherapie‘ und ‚Blut‘ genannt.

Ist das medizinische Wissenschaft und Qualitätssicherung, sich blind auf die bloße Zusicherung von Homosexuellen zu verlassen zu sollen, sie hätten ‚eine bestimmte Zeit keinen riskanten Sex‘ gehabt?

Wer konkret spricht hier ‚Empfehlungen‘ aus und übt hier Druck auf ärztliche Gremien, Arbeitskreise, die Gesundheitspolitik und die Ärzteschaft selber aus? Werden so evidente Risiken und Gefahren ausgeblendet? Können Ärzte und Patienten dann noch Vertrauen in eine solche, ‚moderne‘ Transfusionsmedizin haben? Als christliche Ärztevereinigung warnen wir vor tendenziösen und unverantwortlichen Weichenstellungen.

Gez. Dr.(I) Gero Winkelmann
Bund Katholischer Ärzte und BKÄ-Arbeitskreis Homosexualität
82008Unterhaching b. München
www.bkae.org

In einem Rundbrief des BKÄ an Institutionen und Mitglieder des BKÄ-Arbeitskreises Homosexualität vom 1.8.2013 heißt es:

2. Wir sehen keine Diskriminierung von Homosexuellen, wenn aus Vorsichtsgründen auf eine Blutspende verzichtet wird.

(Vielmehr sehen wir die immer wieder von gewissen Kräften behaupteten 'Diskriminierungen' - auf die sich kürzlich sogar der Heilige Vater berief - als ein Mittel der Einschüchterung von Gesellschaft und Fachleuten, um homosexuelles Verhalten zu tolerieren.)

3. Wir bitten alle Blutspendedienste, Institute und Gremien, weiterhin aufmerksam zu sein und mit Achtsamkeit und Wissenschaftlichkeit auf Sicherheit zu setzen, insbesondere was die 'diagnostische Lücke' in den Tagen nach der Blutspende und beschwichtigende Behauptungen bezüglich des eigenen, lange zurückliegenden risikoreichen Sexualverhaltens angeht.


4. Bitte glauben Sie nicht prinzipiell irgendwelchen verharmlosenden Beteuerungen oder bauen Ihr Sicherheitskonzept gar auf solche auf.
Denken Sie als medizinisch, politisch und gesellschaftlich Verantwortliche bitte auch an den Einfluß von 'Interessengruppen' und an 'Vernebelungstaktik'.
5. Die medizinische Wissenschaft möge bitte wachsam sein und sich weder durch den Zeitgeist noch durch einseitige politische Bestrebungen irritieren, unter Druck setzen oder gar lähmen lassen.
6. Der BKÄ sieht keine Entwarnung für die infektionsreiche Situation.
Praktizierte, aktive Homosexualität ist immer risikoreich und sollte nicht durch noch mehr Laborüberwachung von 'in gutem Glauben angenommene Blutspenden' abgesichert werden müssen.

7. Handeln Sie bitte so, daß wir behandelnden Ärzte und unsere Patienten, die Blutprodukte benötigen, volles VERTRAUEN haben können.
gez. Dr.(I) Gero Winkelmann, BKÄ



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