ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2013Ethikberatung: Beraten, nicht entscheiden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Wir haben diesen Artikel mit seiner apodiktischen Überschrift mit Verwunderung gelesen, impliziert er doch, dass mit der Einführung von klinischen Ethikkomitees die moralischen Vorstellungen der handelnden Akteure innerhalb eines Behandlungsprozesses an die klinischen Ethikkomitees (KEK) abgegeben würden. Die Wirksamkeit von KEK wird aufgrund von geringen Fallzahlen infrage gestellt. Weiterhin wird die Kompetenz der ethischen Fallberater als nicht angemessen dargestellt . . .

Aus den Ausführungen geht nicht hervor, was die Autoren unter ethischer (Kern-)Kompetenz eigentlich verstehen. Eine „geordnete Repatriierung ethischer und kommunikativer Kernkompetenzen in den Alltag der klinischen Medizin“ jedenfalls, wie von ihnen gefordert, kann nur als „back to the roots“ – ethische Kompetenz entspricht chefärztlicher Autorität – verstanden werden. Dies kann nicht Ziel einer patientenorientierten Gesundheitsversorgung sein.

Anzeige

Die Wirksamkeit von KEK auf die Anzahl durchgeführter ethischer Fallbesprechungen zu reduzieren, halten wir für bedenklich. Die Mitglieder von klinischen Ethikkomitees sollen vielmehr als Multiplikatoren verstanden werden. Die Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen innerhalb des Ethikkomitees sensibilisiert die Einzelnen für ethische Themen, wodurch sie den ethischen Blickwinkel in ihren Arbeitsbereich tragen.

Das Konsilmodell zur Ethikberatung – wie im Artikel propagiert – wird von Dörries u. a. eher kritisch betrachtet, da die Grenzen der eigenen Profession nie ganz überwunden werden können (Dörries u. a. 2008). Gerade der Blick aus einer anderen Profession heraus kann dazu beitragen, eine alternative Handlungsoption zu finden. Maio empfiehlt die Interdisziplinarität der Ethikkomitees und spricht sich auch für die Beteiligung von Bürgern mit gesundem Menschenverstand in einem KEK aus (Heinemann/Maio 2010, S. 83).

Vehement widersprechen wir der Aussage, dass klinische Ethikberatung den Anspruch erhebe, „ . . . gar entscheidend tätig“ zu werden. Sie hat ausschließlich beratenden Charakter . . .

Im Blick auf die Kompetenz würden wir aus eigener Perspektive heraus behaupten, dass eine zertifizierte ethikberaterische Ausbildung – zum Beispiel in Hannover am ZfG – hervorragend für den praktischen Einsatz qualifiziert.

Klinische Ethik kann aus unserer Sicht nur im Zusammenhang des „Gesamtsystems Klinik“ gesehen werden. Ausschließlich quantitative Evaluationsverfahren werden der Komplexität des Themas genauso wenig gerecht wie die ideologische Überhöhung ethischer Kernkompetenzen der „Vertreter der Heilberufe“.

Literatur bei den Verfassern

PD Dr. med. Matthias Henschen, 1. Vorsitzender,
Bernd Bierer, 2. Vorsitzender,
Gitta Baumgärtner, Geschäftsführerin,
Klinisches Ethikkomitee (KEK) am Schwarzwald-Baar-Klinikum Villingen-Schwenningen,
78050 Villingen-Schwenningen

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige