ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2013Ethikberatung: Polemischer Verriss
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Zu dem oben genannten Artikel, der in meinen Augen ein polemischer Verriss der Arbeit aller klinischen Ethikkomitees ist, möchte ich verschiedene Punkte anmerken:

1. Es war niemals die Intention von Ethikberatung, die „Bewältigung aller nur denkbaren Probleme und Konfliktsituationen“ noch ein „Wunder- oder Allheilmittel“ zu sein.

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2. Dass eine Ethikberatung hilfreich sein kann, ist sehr wohl wissenschaftlich belegt (Schneidermann), dass sie nicht akzeptabel sein soll, erschließt sich mir nicht (Für wen nicht akzeptabel? Warum nicht akzeptabel?), und dass sie in der Praxis nicht umsetzbar sein soll, wird durch die praktische Arbeit der medizinethischen Berater(inn)en tagtäglich widerlegt. Auch wenn es sich „bestenfalls (um) eine Handvoll Fälle pro Jahr“ handelt, sind die Beratungen für alle Beteiligten so lehrreich, dass sich häufig in einem ähnlich gelagerten Fall die Einberufung einer Beratung erübrigt.

3. Das Problem, dass ein ethischer Konsiliardienst und ein KEK miteinander um die Beratungsfälle „konkurrieren“, ist mir bisher weder in der eigenen Tätigkeit noch im Austausch mit vielen anderen Kollegen berichtet worden. In aller Regel sind die Kliniken froh, wenn sich überhaupt eine Art einer medizinethischen Beratung etabliert hat.

4. Ob die Standards, die die Akademie für Ethik in der Medizin aufgestellt hat, „bescheiden“ sind, sei dahingestellt. Unbestritten ist, dass gerade in dem sensiblen Bereich der Ethikberatung sehr viel soziale Kompetenz, moderierende Fähigkeiten, aber auch Fachwissen von den Beratern gefordert sind.

5. Dass Ethikberatung der christlichen Kirchen per se konservativ sein soll, kann so pauschal nicht gesagt werden. Ich selbst bin konfessionslos, habe aber mehrere ausgezeichnete Fortbildungen der Malteser besucht, die sich in dieser Richtung völlig wertneutral verhielten . . .

6. Mit Herrn Strätling stimme ich völlig darin überein, dass wir die Ethik eben nicht an „fachfremde Disziplinen“ delegieren sollen. Der „ernsten Fehlentwicklung“, die Herr Strätling durch eine Auslagerung der Ethik in der Medizin sieht, wird ja gerade durch die Aktivitäten von KEK, Ethikstammtischen oder ähnlichen Strukturen in der Klinik vorgebeugt.

7. Der Aussage, dass „eine geordnete Repatriierung ethischer und kommunikativer Kernkompetenzen in den Alltag der klinischen Medizin erreicht werden“ muss, ist voll und ganz zuzustimmen . . . Hierzu müssen schon im Studium die entsprechenden Grundlagen geschaffen werden, die dann später in der Klinik durch ganz selbstverständliche medizinethische Beratungsstrukturen von am Krankenbett Tätigen weiter ergänzt werden.

Literatur bei der Verfasserin

Dr. Maria Lang, 64625 Bensheim

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