ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2013Dilatative Kardiomyopathie: Myokardfibrose relevant für Risikoabschätzung

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Dilatative Kardiomyopathie: Myokardfibrose relevant für Risikoabschätzung

Dtsch Arztebl 2013; 110(26): A-1320 / B-1156 / C-1143

Vetter, Christine

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Die linksventrikuläre Auswurffraktion (LVEF) ist ein wichtiger prognostischer Parameter bei nicht-ischämischen dilatativen Kardiomyopathien (DCM). Ob darüber hinaus die Myokardfibrose, dokumentiert mittels Gadolinium-verstärkter kardialer MRT, prognostische Bedeutung über die LVEF zukommt, wurde in einer prospektiven Studie bei 472 Patienten untersucht. Dabei war ein wichtiger Aspekt die Frage, ob sich die Befunde zur Feststellung der Indikation für die Implantation eines Defibrillators eignen.

Das Ergebnis: Bei 142 Patienten wurde eine Myokardfibrose nachgewiesen. In diesem Kollektiv kam es während des 5,3-jährigen Follow-ups zu 38 Todesfällen (26,8 %) gegenüber 35 Todesfällen (10,6 %) bei 330 Patienten ohne Myokardfibrose (Hazard Ratio [HR] 2,96; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 1,87 bis 4,69). Die absolute Risikodifferenz betrug damit 16,2 % (95-%-KI 8,2 % bis 24,2 %; p < 0,001).

Wurden die Daten um Unterschiede in der LVEF bereinigt, ergab sich ebenfalls eine eindeutige und damit unabhängige Assoziation zwischen der Myokardfibrose und der Gesamtmortalität (HR 2,43; 95-%-KI 1,50 bis 3,92; p < 0,001), auch für deren Ausprägung (HR 1,11; 95-%-KI 1,06 bis 1,16; p < 0,001.

Die Fibrose war außerdem unabhängig assoziiert mit einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität sowie Herztransplantationen (HR 3,22; 95-%-KI 1,95 bis 5,31; p < 0,001) ebenfalls mit direktem Zusammenhang zum Fibroseausmaß (HR 1,15; 95-%-KI 1,10 bis 1,20; p < 0,001). Die Hinzunahme des Nachweises einer Myokardfibrose zur LVEF verbesserte damit signifikant die Risikostratifizierung hinsichtlich der Gesamtmortalität wie auch eines plötzlichen Herztods (HR 0,26; 95-%-KI 0,11 bis 0,41; p = 0,001 und 0,29 95-%-KI 0,11 bis 0,48; p = 0,002).

Kaplan-Meier-Kurven für die Mortalität jeglicher Ursache in Abhängigkeit vom Myokardfibrose-Status
Kaplan-Meier-Kurven für die Mortalität jeglicher Ursache in Abhängigkeit vom Myokardfibrose-Status
Grafik
Kaplan-Meier-Kurven für die Mortalität jeglicher Ursache in Abhängigkeit vom Myokardfibrose-Status

Fazit: „Das Studienergebnis bestätigt die Bedeutung der MRT in der kardiologischen Diagnostik der dilatativen Kardiomyopathie“, lautet das Fazit von Prof. Dr. med. Christian Hamm, Direktor der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Gießen. „Das Ergebnis bekräftigt ferner, dass die Dokumentation einer Myokardfibrose ein bedeutsamer Risikofaktor ist, der bei der Therapieplanung bei Patienten mit nichtischämischer DCM zu berücksichtigen ist.“ Christine Vetter

Gulati A, et al.: Association of Fibrosis With Mortality and Sudden Cardiac Death in Patients With Nonischemic Dilated Cardiomyopathie. JAMA 2013; 309: 896–908. MEDLINE

Kaplan-Meier-Kurven für die Mortalität jeglicher Ursache in Abhängigkeit vom Myokardfibrose-Status
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