ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 6/1998Medizinisches Intranet Mittelfranken e. V.: Praxisbezogener „Workflow“

Supplement: Praxis Computer

Medizinisches Intranet Mittelfranken e. V.: Praxisbezogener „Workflow“

Dtsch Arztebl 1998; 95(45): [44]

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Der Verein "Medizinisches Intranet Mittelfranken", eine private Initiative engagierter Ärzte, baut ein eigenes medizinisches Kommunikations- und Informationsnetz für den Großraum Mittelfranken auf. Der im März 1998 gegründete Verein ist aus einem 1997 in Nürnberg gestarteten Praxisnetz einiger niedergelassener Haus- und Fachärzte hervorgegangen. Ziel des Vereins mit Sitz in Nürnberg ist es, eine medizinische Kommunikationsplattform auf Basis eines Computernetzwerkes aufzubauen und zu unterhalten, das - so die Vereinssatzung - "eine schnelle, direkte, überschaubare und sichere Kommunikation und Information online und offline zwischen und unter Ärzten, Patienten und medizinischen Dienstleistern ermöglicht". Der Verein hat zur Zeit 158 Mitglieder, darunter 140 Ärzte und 18 Krankenhäuser. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt für Ärzte 180 DM, bei Kliniken pro Bett 4 DM.
Das medizinische Intranet, ein Netzwerk auf Basis von Internet-Technologien, ist in drei Ebenen mit unterschiedlichen Sicherheitsstufen unterteilt:
m Ebene 1, die öffentlich zugängliche "Informationsebene", ist über das Internet unter www.frankenmed.de erreichbar. Dort haben Fachkreise, aber auch interessierte Laien die Möglichkeit, sich über das Leistungsspektrum von Krankenhäusern, Arztpraxen und anderen medizinischen Dienstleistungseinrichtungen zu informieren, Gesundheitsthemen zu recherchieren, an Diskussionsforen teilzunehmen und Literaturrecherchen durchzuführen. Aktuelle dpa-Nachrichten zum Thema Gesundheit werden über Satellit übertragen. Darüber hinaus ist im "Lernkraftwerk" eine breite Palette von Patientenschulungs- und Informationsfilmen abrufbar. Vereinsmitglieder können über spezielle Masken ihre Homepages ohne großen Aufwand selbst verändern und aktualisieren. Zudem gibt es die Möglichkeit, zwei- bis fünfminütige Videoclips zu hinterlegen. Schließlich finden sich hier auch Informationen über die Stuktur des gesamten Netzwerkes.
m Ebene 2, "Kommunikation", ist von der ersten Ebene vollständig getrennt, das heißt, sie ist von dieser nicht erreichbar, sondern nur für registrierte Mitglieder zugänglich. Diese Ebene ist vorgesehen für telemedizinische Anwendungen wie die Übertragung breitbandiger Röntgenaufnahmen, Ultraschallbilder oder für Telekonferenzen und Fernbefundungen. Daneben gibt es auf dieser Ebene auch Unterstützung beim "Disease Management": Neben Hinweisen auf Kompetenzzentren soll anhand von spezifischen Programmen zu Diagnostik und Therapie für bestimmte Krankheitsbilder (anonymisiert, das heißt ohne Bezug zu den Patientenstammdaten) computergestütztes Qualitätsmanagement ermöglicht werden. Für einige chronische Krankheiten wie Diabetes (DiabCare), Migräne oder Bluthochdruck kann dabei bereits heute auf zum Teil europäische Kommunikationsstandards zurückgegriffen werden. Dienstleistungen - zum Beispiel die Abwicklung der Abrechnung - sollen auf dieser Ebene ebenso stattfinden wie E-Mail, die Übermittlung von Arztbriefen u. a.
m Ebene 3 ist für das "Patientendaten-Management" reserviert. Hier kann der autorisierte Arzt mit Zustimmung des Patienten künftig die digitale Patientenakte ablegen und bei Bedarf mit Zustimmung des Patienten wieder abrufen. Dabei werden die Patientenstammdaten zentral - zunächst (in Abstimmung mit dem Datenschutz) auf einem von der Fraunhofer-Gesellschaft betriebenen Server - abgelegt. Eine angehängte Adresse verweist darüber hinaus auf die dezentral hinterlegten Arztbriefe und Befunde des Patienten. Die Daten - Arztbriefe, Befunde, medizinische Bilder - werden verschlüsselt übermittelt. Für die Datenspeicherung und den -zugriff sind jeweils zwei Schlüssel bzw. digitale Signaturen zugleich erforderlich: Neben dem Schlüssel des Arztes oder der autorisierten Institution (zum Beispiel abgelegt auf der Health Professional Card) ist auch der Schlüssel des Patienten, etwa auf einer multimedialen Patienten-Chipkarte, erforderlich. Eine entsprechende Lösung wird im Rahmen eines bundesweit ausgeschriebenen Regionalwettbewerbes vorangetrieben, in welchem eine multimediale Chipkarte für verschiedene sicherheitsrelevante Bereiche entwickelt werden soll. Eines der auf einer solchen Karte enthaltenen Felder kann für medizinische Zwecke genutzt werden. Das für die Ausgabe der Schlüssel zuständige Trustcenter - voraussichtlich die Lan­des­ärz­te­kam­mer - wird Anfang bis Mitte 1999 mit der Arbeit beginnen. In Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Gesellschaft, der Universität Erlangen/Nürnberg, der Medizinischen Netzwerke GmbH und der IHK Nürnberg wird derzeit als erstes konkretes Projekt auf dieser Ebene das "Virtuelle Tumorzentrum" für Mittelfranken aufgebaut - zunächst für die Diagnosen Brust- und Dickdarmkrebs. Die notwendigen Kommunikationsinhalte und Minimalstandards werden von einem Expertenteam erarbeitet, das sich aus niedergelassenen Ärzten, Klinikärzten und Mitgliedern der Universitätskliniken Erlangen/Nürnberg und dem Tumorzentrum Regensburg zusammensetzt. Innerhalb dieses komplexen Aufgabenfeldes geht es nicht nur darum, die verschiedenen heterogenen Schnittstellen der Klinik- und Praxisverwaltungssysteme zu überwinden, sondern vor allem auch um die Definition der transportierten medizinischen Inhalte. Verband der medizinischen Intranets Deutschlands
Durch eine enge Kooperation mit weiteren Vereinen und Praxisnetzen hat sich in der Zwischenzeit ein Verband der medizinischen Intranets Deutschlands konstituiert, um mit regional gewichteten Gesundheitsplattformen eine funktionale und kostengünstige einheitliche Kommunikationsstruktur bundesweit voranzutreiben. Konkrete Beispiele sind bislang Berlinmed, Schwabenmed, Westfalenmed und Thüringenmed. Durch diese gemeinsamen Aktivitäten lassen sich teure Insellösungen vermeiden. Das Ziel einer funktionalen Kommunikationsstruktur kann wesentlich schneller erreicht werden.
Heike E. Krüger-Brand


Informationen: Dr. med. Volker Weidinger, Albrecht-Dürer-Platz 9, 90403 Nürnberg, Tel 01 71/4 58 64 43, Fax 0 91 31/ 20 12 42, E-Mail Info@Deutschlandmed.de


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