ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2013Börsebius: Gold im Crash

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Börsebius: Gold im Crash

Dtsch Arztebl 2013; 110(27-28): A-1389 / B-1217 / C-1201

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Zahlen haben zuweilen etwas Mystisches. In beide Richtungen, versteht sich. Das gilt derzeit vordringlich für den Goldpreis. Die Notierung für das gelbe Edelmetall zog im Sog der Finanzmarktkrise, sowohl in Euro als auch in US-Dollar gerechnet, in vierstellige Sphären vor. Das hat sich auf den Euro bezogen allerdings schon mal erledigt.

Ende Juni stand die Notierung für eine Feinunze nur noch bei etwa 950 Euro und dokumentiert somit einen drastischen Niedergang des hochgelobten Goldpreises. Anleger, die seit dem Frühjahr 2011 aus Angst vor den Folgen der Eurokrise und dem möglichen weiteren Versagen der Politiker ihre Barschaft gegen Güldenes tauschten, sitzen heute auf Verlusten, alleine seit April dieses Jahres belaufen sich die Abschläge auf rund 23 Prozent. Sollte es dabei bleiben, erleben wir den größten Quartalsverlust des Goldpreises seit dem Zusammenbruch des Weltwährungssystems Bretton Woods in den 70er Jahren.

Börsebius-Leser hatten dabei aber immerhin noch die Chance, dem Desaster zu entgehen. In meiner Kolumne „Gar nicht mehr so gülden“ (DÄ, Heft 17 vom 26. April 2013) schrieb ich, dass der Goldpreis „noch ziemlich Luft nach unten“ habe, vor allem weil die Eurokrise, „allen Rückschlägen zum Trotz, mittlerweile als beherrschbar angesehen wird“.

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Es sieht in der Tat so aus, als dass die großen Adressen der Weltfinanzszene die Finanzmarktkrise grundsätzlich abgehakt haben. Vor allem die Ankündigung des Chefs der amerikanischen Notenbank, die üppige Liquiditätsversorgung einzudämmen, hat dem Goldpreis einen empfindlichen Dämpfer beigebracht. Daneben sehen die Märkte auch keine großartigen Inflationsängste, dies vor allem wegen der derzeit eher flauen Konjunkturaussichten. Dieser für den Goldpreis negative Cocktail wird noch verschärft durch die Tatsache, dass sich Gold eben nicht verzinst. Und wenn dann noch die Renditen wieder steigen, kommt es eben zu solch crashartigen Abwärtsbewegungen beim Edelmetall.

Die 1-Million-Dollar-Frage lautet: War’s das, oder geht der Crash weiter? Mir scheint, dass sich hier noch zwei gegenläufige Tendenzen streiten. Es ist ziemlich klar, dass die US-Notenbank die Politik des leichten Geldes drosseln wird, ihr Chef formulierte dies ziemlich klar. Danach fällt Gold weiter. Auf der anderen Seite ist Europa längst noch nicht so weit, auf eine üppige Liquiditätsversorgung verzichten zu können. Was für die USA richtig ist („die Aufgabe einer Zentralbank ist es, die Bowle vom Tisch zu nehmen, wenn die Party gerade richtig in Gang kommt“), gilt für Europa vielleicht erst in ein oder zwei Jahren, zu gefährdet sind noch einige EU-Mitgliedsländer. Das könnte wiederum dem Goldpreis helfen. Aber auch nur temporär. Alles in allem ist die Panik am Goldmarkt also durchaus berechtigt. Bis auf weiteres.

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