ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2013Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung: Kurzzeit-Steroidtherapie über fünf Tage reicht aus

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung: Kurzzeit-Steroidtherapie über fünf Tage reicht aus

Dtsch Arztebl 2013; 110(27-28): A-1372 / B-1202 / C-1186

Vetter, Christine

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Ob bei akuter Exazerbation einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) eine fünftägige systemische Steroidtherapie der üblichen 14-tägigen Gabe ebenbürtig ist, war Fragestellung der REDUCE-Studie (Reduction in the Use of Corticosteroids in Exacerbated COPD). Die Studienteilnehmer waren mit akuter Exazerbation in die Notaufnahme gekommen: 311 Patienten in der Intention-to-treat-Gruppe (ITT) und 296 Patienten in der Gruppe, die per Protokoll (PP) behandelt wurden. Sie erhielten 5 oder 14 Tage lang 40 mg Prednisolon. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zur nächsten Exazerbation in den folgenden sechs Monaten.

Die Nichtunterlegenheit der Kurzzeittherapie wurde belegt: In der ITT-Gruppe betrug die Hazard Ratio (HR) für den primären Endpunkt im Vergleich mit der längeren Steroidtherapie 0,95 (90-%-Konfidenzintervall [KI] 0,70–1,29; p = 0,06), in der PP-Gruppe 0,93 (90%-KI 0,68–1,26; p = 0,05). Unter der Kurzzeittherapie erreichten 35,9 % der Patienten den primären Endpunkt gegenüber 36,8 % bei konventioneller Therapie. Die Reexazerbationsrate innerhalb von sechs Monaten lag bei 37,2 % (95-%-KI 29,5–44,9 %) unter der Kurzzeittherapie und bei 38,4 % (95-%-KI 30,6–46,3 %) bei konventioneller Behandlung. Der Unterschied betrug –1,2 % (95-%-KI –12,2 bis 9,8 %). Bei Patienten mit Reexazerbation betrug die mittlere Zeit bis zum Ereignis bei der Kurzzeittherapie 43,5 Tage und in der Vergleichsgruppe 29 Tage. Die mittlere kumulative Steroiddosis war in der konventionell therapierten Gruppe signifikant höher als bei der Kurzzeittherapie (793 vs. 379 mg; p < 0,001), ohne dass jedoch signifikant vermehrt unerwünschte Begleitreaktionen registriert wurden.

Anteil der Patienten (Intention-to-treat-Analyse) ohne Reexazerbation seit Studienbeginn
Anteil der Patienten (Intention-to-treat-Analyse) ohne Reexazerbation seit Studienbeginn
Grafik
Anteil der Patienten (Intention-to-treat-Analyse) ohne Reexazerbation seit Studienbeginn

Fazit: Die Frage, ob eine kürzere Steroidbehandlung als von den Leitlinien empfohlen ausreichend sei, habe hohe Praxisrelevanz, da sich so möglicherweise das Infektionsrisiko unter der Steroidgabe minimieren lasse, erklärt Prof. Dr. med. Claus Vogelmeier, Leiter der Klinik für Innere Medizin, Schwerpunkt Pneumologie der Universitätsklinik Marburg. „Die Studie weist darauf hin, dass offenbar kein entscheidender Unterschied zwischen einer fünftägigen und einer zweiwöchigen Behandlung besteht.“ Der Endpunkt, die Zeit bis zur nächsten Exazerbation, sei allerdings nicht optimal. Aussagekräftiger wären als Endpunkte die Dauer und/oder der Schweregrad der Exazerbation, in Studien allerdings schwierig umzusetzen. Christine Vetter

Leuppi JD, et al.: Short-term vs conventional glucocorticoid therapy in acute exacerbations of chronic obstructive pulmonary disease. JAMA 2013; 309: 2223–31. MEDLINE

Anteil der Patienten (Intention-to-treat-Analyse) ohne Reexazerbation seit Studienbeginn
Anteil der Patienten (Intention-to-treat-Analyse) ohne Reexazerbation seit Studienbeginn
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Anteil der Patienten (Intention-to-treat-Analyse) ohne Reexazerbation seit Studienbeginn

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