ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2013Typ-1-Diabetes kündigt sich vorzeitig durch Antikörper an

AKTUELL: Akut

Typ-1-Diabetes kündigt sich vorzeitig durch Antikörper an

Dtsch Arztebl 2013; 110(27-28): A-1346 / B-1182 / C-1166

EB

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In welchem Alter bei einem Kind ein Diabetes mellitus Typ 1 ausbricht, lässt sich jetzt erstmals genau abschätzen, wie Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums München berichten: An Typ-1-Diabetes erkranken junge Menschen innerhalb von maximal 20 Jahren nach dem ersten Auftreten multipler Antikörper im Blut
– je nach individuellen Eigenschaften früher oder später. „Unsere Erkenntnisse erlauben es, die Diagnose Diabetes Typ 1 zu stellen, noch bevor die Krankheit sich klinisch zeigt“, sagt Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler aus dem Vorstand der Deutschen Diabetes-Gesellschaft und Direktorin des Instituts für Diabetesforschung des Helmholtz-Zentrums München. Die frühe Erkennung biete auch Chancen für verbesserte und vorbeugende Therapien.

Die Autoimmunerkrankung zerstört die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse. Indikatoren für diesen Angriff sind Autoantikörper, die den Ausbruch des Typ-1-Diabetes viele Jahre vorher ankündigen. „Einige Kinder haben bereits im Alter von drei Jahren verschiedene Autoantikörper im Blut“, erklärt Ziegler, die in den Studien „BABYDIAB“ und „BABYDIET“ von Geburt an Kinder von Diabetikern untersucht, die ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben. Ihre jüngste Auswertung ist jetzt im Journal of the American Medical Association“ (JAMA im Druck) erschienen. Dafür haben Ziegler und ihre Koautoren ihre Arbeiten mit zwei ähnlichen Studien aus Finnland und den USA kombiniert und so Daten von insgesamt 13 777 Kindern über einen Zeitraum von 20 Jahren verglichen.

Mehr als 1 000 Kinder entwickelten Antikörper. Bei 585 ließen sich mehr als ein Typ von Antikörpern nachweisen. Von diesen Kindern erkrankten 70 Prozent in den folgenden zehn Jahren an Typ-1-Diabetes. „Nach 15 Jahren waren es bereits 85 Prozent, zum Ende der Beobachtungszeit nahezu 100 Prozent“, berichtet Ziegler. Kinder ohne Antikörper erkranken fast nie – das Zehnjahresrisiko betrug bei ihnen 0,4 Prozent.

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Die Diagnose eines Prädiabetes könnte neue Ansatzpunkte für eine Therapie ergeben. Da sich der feindliche Angriff des Immunsystems über Jahre hinzieht, „könnte eine Chance bestehen, Teile der körpereigenen Insulinproduktion in dieser Zeit zu erhalten und die überschießende Immunreaktion zu kontrollieren“, ergänzt Koautor Prof. Dr. med. Ezio Bonifacio vom Forschungszentrum für Regenerative Therapien an der Technischen Universität Dresden. Behandlungen mit antigenbasierter Immuntherapie werden derzeit bei Kindern und jungen Erwachsenen mit Antikörpern erprobt. EB

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