ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2013Prostatakarzinom: BRCA-Mutationen mit ungünstiger Prognose assoziiert

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Prostatakarzinom: BRCA-Mutationen mit ungünstiger Prognose assoziiert

Dtsch Arztebl 2013; 110(27-28): A-1374 / B-1203 / C-1187

Siegmund-Schultze, Nicola

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Mutationen in den BRCA-Genen sind die wichtigsten genetischen Risikofaktoren für Mamma- und Ovarialkarzinome. Die Frage, wie BRCA-Mutationen die Prognose von Patienten mit histologisch gesichertem Prostatakarzinom beeinflussen, ist in einer Studie mit 2 019 Teilnehmern untersucht worden. 79 Patienten waren Mutationsträger (BRCA1-Mutationen n = 18; BRAC2-Mutationen n = 61).

In der Histologie der Biopsate korrelierten die BRCA-Mutationen doppelt so häufig mit einem hohen Entdifferenzierungsgrad (Gleason-Score ≥ 8 bei 35 % der Mutationsträger vs. 15 % der Nichtträger; p = 0,00003), mit fortgeschrittenem Stadium (T3/4: 37 % bei Carriern, 28 % bei Nicht-Carriern; p = 0,003), Lymphknotenbefall (N1: 15 % Carrier vs. 5 % Non-Carrier) und Fernmetastasierung (M1: 18 % Carrier vs. 9 % Nicht-Carrier; p = 0,005). Das mediane krebsspezifische Überleben lag bei 15,7 Jahren für Nichtträger und bei 8,6 Jahren für BRCA-Mutationsträger, mit einem Trend zur besseren Prognose bei BRCA1-Trägern (median 10,5 vs. 8,6 Jahre; p = 0,37).

Auch unter den Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom gab es eine Assoziation zwischen BRCA-Mutationen und aggressiverem Verlauf im Vergleich mit Nichtträgern: Das fünfjahreskrankheitsspezifische Überleben betrug 96 bei Non-Carriern versus 82 % bei Carriern, ohne Metastasen waren zu diesem Zeitpunkt nur noch 77 % der BRCA1/2-Träger gegenüber 93 % der Nichtträger.

Krankheitsspezifisches Überleben (Kaplan-Meier-Kurven) von Prostatakarzinompatienten mit und ohne BRCA-Mutationen
Grafik
Krankheitsspezifisches Überleben (Kaplan-Meier-Kurven) von Prostatakarzinompatienten mit und ohne BRCA-Mutationen

Fazit: Mutationen in den BRCA1- und -2-Genen sind beim Prostatakarzinom mit aggressiverem Tumorwachstum und einer höheren Rate an Lymphknotenbefall und Fernmetastasierung des Tumors assoziiert. Eine klinische Konsequenz könnte sein, Mutationsträger auch im frühen Stadium der Erkrankung zu behandeln: normalerweise chirurgisch und mit Nachbestrahlung.

Eine Assoziation mit dem Risiko für Prostatakarzinom, aggressiveren Tumoren und schlechterem Überleben sei bereits früher berichtet worden, erläutert Prof. Dr. med. Herbert Rübben, Universitätsklinik Essen (2, 3). „In der aktuellen Studie mit mehr als 2 000 Patienten aus zwei prospektiven Beobachtungsstudien – allerdings hatten nur 18 Männer eine BRCA1-Mutation und 61 Männer eine BRCA2-Mutation – wurden retrospektiv Assoziationen zu den Polymorphismen beobachtet“, kommentiert Rübben. Mutationen in diesen Genen seien beim Prostatakrebs selten (1,2 % beim BRCA1-Gen, 0,44 % beim BRCA2-Gen). Es sei daher fraglich, ob die Daten klinisch relevant seien.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Castro E, Goh C, Olmos D, et al.: Germline BRCA mutations are associated with higher risk of nodal involvement, distant metastasis, and poor survival outcomes in prostate cancer. JCO 2013; e-pub before print: doi: 10.1200/JCO.2012.43.1882 MEDLINE
  2. Kote-Jarai Z, Leongamornlert D, Saunders E, et al.: BRCA2 is a moderate penetrance gene contributing to young-onset prostate cancer: implications for genetic testing in prostate cancer patients. British Journal of Cancer 2011; 105: 1230–4. MEDLINE
  3. Cancer Risks in BRCA1 Mutation Carriers. J Natl Cancer Inst 1999: 6.
Krankheitsspezifisches Überleben (Kaplan-Meier-Kurven) von Prostatakarzinompatienten mit und ohne BRCA-Mutationen
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Krankheitsspezifisches Überleben (Kaplan-Meier-Kurven) von Prostatakarzinompatienten mit und ohne BRCA-Mutationen

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