ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2013Ausländische Ärzte: Einheitlicher Sprachtest geplant

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Ausländische Ärzte: Einheitlicher Sprachtest geplant

Dtsch Arztebl 2013; 110(27-28): A-1347 / B-1183 / C-1167

Hibbeler, Birgit

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Gute Sprachkenntnisse sind für den Umgang mit Patienten und Kollegen unerlässlich. Foto: dpa
Gute Sprachkenntnisse sind für den Umgang mit Patienten und Kollegen unerlässlich. Foto: dpa

Wie können die Deutschkenntnisse ausländischer Ärztinnen und Ärzte überprüft werden? Dazu soll es bundesweit einheitliche Kriterien geben – allerdings erst in einem Jahr.

Ein Blick in die Statistik der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) zeigt: Die Zahl ausländischer Ärztinnen und Ärzte in Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Etwa 16 000 Mediziner aus dem Ausland waren 2002 in der Bundesrepublik gemeldet, 2012 waren es schon mehr als 32 000 (siehe Kasten). Aktuell sind es vor allem Osteuropäer und Griechen, die die Lücken schließen.

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Denn Deutschland kann derzeit seine medizinische Versorgung aus eigener Kraft nicht gewährleisten. Dabei gibt es zwar regionale Unterschiede, die Zuwanderung ist jedoch ein bundesweites Phänomen – mit Folgen: Es häufen sich Meldungen über Kommunikationsschwierigkeiten. Künftig soll es deshalb einheitliche Kriterien für die Überprüfung von Sprachkenntnissen bei Ärzten und anderen verkammerten Heilberufen geben. Das hat die Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz der Länder (GMK) Ende Juni in Potsdam beschlossen.

„Die ausländischen Mediziner sind willkommen, wenn ihre fachliche Qualifikation der deutschen entspricht. Aber sie müssen auch die deutsche Sprache beherrschen“, sagte Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der BÄK. Die sprachliche Kompetenz sei sowohl für die Behandlung der Patienten als auch für das Gespräch mit den Kollegen entscheidend.

Dass eine bundeseinheitliche Regelung notwendig ist, gilt als unstrittig. Doch der Zeitplan, den sich die Länderminister gegeben haben, ist nicht gerade ambitioniert. Die Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden soll Eckpunkte erarbeiten, die aber erst auf der GMK im Juni 2014 beraten werden.

Bis dahin wird alles weiterlaufen wie bisher – mit den bekannten Problemen. Gerade in ländlichen Regionen mit einem hohen Anteil ausländischer Ärzte in den Krankenhäusern, gibt es Schwierigkeiten. Dort kann der Betrieb zum Teil nur aufrechterhalten werden, weil ärztliche Kollegen und Pflegekräfte Aufgaben wie Patientengespräche oder Telefonate übernehmen – und mitunter darauf achten, dass die Kommunikationsprobleme nicht zu medizinischen Fehlern führen.

Um die Approbation zu erhalten, müssen bereits heute die „erforderlichen Kenntnisse der deutschen Sprache“ vorhanden sein. So steht es in der Bundesärzteordnung. Wie diese nachzuweisen sind, ist allerdings nicht geregelt. Die Anerkennung ist Sache der zuständigen Behörden. Das sind zum Beispiel die Bezirksregierungen oder die Landesämter für Gesundheit. Verlangt wird in der Regel das Niveau B2 des europäischen Referenzrahmens. Auf diesem Level soll eine selbstständige Sprachverwendung und ein Gespräch mit Muttersprachlern ohne größere Anstrengung möglich sein. Die Behörden entscheiden, ob sie sich nur ein Zertifikat vorlegen lassen oder zu einem Test einladen.

Die BÄK ist der Meinung, dass nicht nur allgemeine Sprachkenntnisse, sondern auch Kenntnisse der Fachsprache geprüft werden müssen. „Die Ärztekammern sind bereit, diese Fachsprachprüfungen durchzuführen“, sagte Montgomery. Etwa in Rheinland-Pfalz führt die Lan­des­ärz­te­kam­mer die Sprachtests für ausländische Ärzte durch und in deren Auftrag die Bezirksärztekammer Rheinhessen. Die Prüfung besteht aus einem simulierten Arzt-Patienten-Gespräch und dem Verfassen eines Arztbriefes.

Die BÄK hatte bereits im Vorfeld eine Stellungnahme zum Thema vorgelegt. Vorgaben für die Sprachtests sollten danach in eine Rechtsverordnung des Bundes zu Berufserlaubnissen in den Heilberufen aufgenommen werden. Nach Angaben des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums ist dies jedoch nicht möglich, da die Prüfungen Ländersache sind. Die GMK will in ihren Eckpunkten nun aber die BÄK-Vorschläge berücksichtigen.

Dr. med. Birgit Hibbeler

@Alle GMK-Beschlüsse:
www.aerzteblatt.de/131347

Mehr Zuwanderung

32 548 ausländische Ärztinnen und Ärzte waren 2012 in Deutschland gemeldet – 4 193 mehr als 2011 (plus 14,8 Prozent). Die meisten ausländischen Ärzte, die im vergangenen Jahr eingewandert sind, stammen aus Rumänien, Griechenland, Ungarn, Bulgarien und Syrien.

Zugleich sind 2012 aus Deutschland 2 241 Ärzte abgewandert, wobei der Anteil der deutschen Ärzte bei 67 Prozent lag. Derzeit gibt es circa 349 000 berufstätige Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.

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Avatar #100830
wope
am Montag, 22. Juli 2013, 11:55

Ausländische Ärzte: Einheitlicher Sprachtest geplant

Die Probleme sind evident. Einerseits brauchen wir zunehmend Kollegen aus dem Ausland, andererseits sind die Kriterien, die an das Sprachvermögen der ausländischen Ärzte angelegt werden, nicht eindeutig und nicht einheitlich. Ich unterrichte auf Honorarbasis Ärzte aus dem Ausland bei der Paderborner Sprachwerkstatt, die spezielle Kurse in „Medizinischem Deutsch“ anbietet. Diese Kurse werden gut angenommen, in aller Regel trägt der jeweilige Arbeitgeber die Kosten. Auf Grund dieses Unterrichtes und aus meiner langjährigen Erfahrung als Chefarzt einer Medizinischen Klinik glaube ich sicher beurteilen zu können, dass das allgemeine Sprachniveau B2 für eine patientenorientierte ärztliche Tätigkeit nicht ausreichend und eine spezielle weitere Schulung für spezifisch ärztliche Tätigkeiten (z.B. Anamnese, Erklärung der Befunde, Arztbriefe, Dokumentation usw.) sehr hilfreich bzw. notwendig ist.
Zudem sollte aus meiner Sicht nicht nur der Test des Sprachvermögens der ausländischen Kollegen vereinheitlicht werden. Auch sollten beim Prüfungsinhalt – in Analogie zum medizinischen Staatsexamen - primär die Schwerpunkte auf häufig vorkommende medizinische Probleme gelegt werden und nur ausnahmsweise sehr spezielle Kenntnisse (z.B. tropische Infektionen, Unterschiede der Stammzellgewinnung o.ä.) abgefragt werden.

Prof. Dr. Wolfgang Petermann
Schillerstr. 12
33104 Paderborn

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