ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2013Von schräg unten: Honorar

SCHLUSSPUNKT

Von schräg unten: Honorar

Dtsch Arztebl 2013; 110(27-28): [73]

Böhmeke, Thomas

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Das Streiten unserer Standesvertreter um mehr Honorar findet nicht selten publizistischen Niederschlag in den Medien. Noch mehr Kohle?! So finden die meisten unsere Forderungen zum Regurgitieren; können die denn den Hals nicht voll genug kriegen?! Dabei liefern die doch grottenschlechte Arbeit ab, dass ein jeder Patient gar nicht anders kann, als sich zu beschweren! Ist es nicht so, dass diese Halbgötter in Weiß eigentlich froh sein müssten, sich einer solch verantwortungsvollen Berufung hingeben zu dürfen? Dass sie in der beneidenswerten Situation sind, anderen Menschen das Leben retten und sich zeitlebens am grenzenlosen Dank ebendieser laben zu dürfen? Ist es nicht eine Beleidigung für den Patienten, dass für eine lebensrettende Behandlung 20, gar 30 Euro Honorar gefordert werden?! So ungefähr lautet die gängige Meinung. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist das wirklich so? Ist der Dank unserer Schutzbefohlenen Treibstoff für unser Tun, Anabolikum für die Arbeit, Megawatt für die Maloche?

Ich gehe in die Praxis und versorge, wie alle von Ihnen, mit Hingabe meine Schutzbefohlenen. Heute kommt ein Patient, bei dem ich vor einem halben Jahr im Ultraschall ein Hypernephrom gesehen habe. Den Verdacht auf ein Malignom zu stellen, ist immer ein heikler Moment; ich hatte ihm damals gesagt, dass es sich auch um eine eingeblutete Zyste handeln könnte, aber eine radiologische Schnittbilddiagnostik unerlässlich sei. Diese ließ er durchführen, und kurzfristig erfolgte die Nephrektomie, die meinen bösen Verdacht bestätigte, aber metastasiert hatte der Tumor nicht. Heute besucht er mich wieder und kommt, nachdem wir seine aktuelle Problematik verhandelt haben, auf das Vergangene zu sprechen. „Das muss ich Ihnen sagen! Da hatten Sie ganz schön danebengelegen, das war keine Zyste, das war Krebs!“ Ja, das stimmt, das hatte ich damals gesagt, aber ich wollte nur, dass er durch die Verdachtsdiagnose nicht zu sehr schockiert ist. „Zyste!“ Es ist auch für die Angehörigen schlimm, wenn eine solche Diagnose im Raum steht, und ich wollte vermeiden, dass die Nerven seiner Liebsten zu sehr frittiert werden. „Zyste!“ Ob er sich vielleicht schon gefragt hat, aufgrund welchen Befundes er die weitere Behandlung durchlaufen hat? „Zyste!“ Jetzt ist es aber gut. Ich hatte damals die korrekte Verdachtsdiagnose gestellt, mit dem Hausarzt zusammen die weitere Diagnostik und Behandlung organisiert und verhindert, dass er frühzeitig elendig an Metastasen eines Nierentumors zugrunde geht! Oder?! „Ich weiß nicht, was Sie wollen, ich habe mich doch nicht beschwert!“

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Tja, liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht nur Ihnen geht es so. Es ist zwar schmerzhaft, aber wir können schon froh sein, wenn trotz hervorragender Arbeit keine Beschwerden aufkommen. Ach, da flattert mir der Honorarbescheid meiner KV auf den Tisch. Mist, wieder 5 000 Euro weniger, obwohl ich viel mehr gearbeitet habe. Das geht ganz und gar nicht. Damit bin ich nicht einverstanden. Ich will mehr Honorar. Mehr schnöden Schotter, mehr Geld. Und zwar Schmerzensgeld!

Dr. med. Thomas Böhmeke
ist niedergelassener Kardiologe in Gladbeck.

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