ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2013„Lebenslang“: Einzigartige Dokumentation der Katastrophe

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„Lebenslang“: Einzigartige Dokumentation der Katastrophe

Dtsch Arztebl 2013; 110(27-28): A-1385 / B-1215 / C-1197

Klinkhammer, Gisela

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Der Fotograf Rüdiger Lubricht begleitete in 17 Reisen die Stiftung „Kinder von Tschernobyl“.

Rüdiger Lubricht dokumentiert die Schicksale junger Menschen (hier Andrej), die an den Folgen der Katastrophe von Tschernobyl leiden. Fotos: Stiftung „Kinder von Tschernobyl“
Rüdiger Lubricht dokumentiert die Schicksale junger Menschen (hier Andrej), die an den Folgen der Katastrophe von Tschernobyl leiden. Fotos: Stiftung „Kinder von Tschernobyl“

Andrej wurde am 3. Juli 1986 in Minsk geboren, kurz nach dem Super-GAU von Tschernobyl, der sich am 26. April 1986 ereignete. Andrejs Mutter war während ihrer Schwangerschaft viel im Freien. Oft fuhr sie, später auch mit ihrem Sohn, in das Dorf Naliboko im nahegelegenen Naturschutzgebiet. Mit sechs Monaten erkrankte Andrej schwer. Es wurde festgestellt, dass er weder sprechen noch hören konnte. Außerdem litt er an Epilepsie. Er ist einer von Hunderttausenden Menschen, die bis heute an den Folgen der Katastrophe leiden. Sie haben lebenslang mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

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„lebenslang“ heißt auch eine Ausstellung des Fotografen Rüdiger Lubricht, die zuletzt auf dem 116. Deutschen Ärztetag in Hannover zu sehen war. Lubricht beschäftigt sich seit dem Jahr 2003 mit dem Thema Tschernobyl. Er begleitete in 17 Reisen die Delegationen der Stiftung „Kinder von Tschernobyl“ in die belasteten Zonen und Sperrgebiete der Ukraine und Weißrusslands. Auf diesen Reisen sind einzigartige Dokumentationen der Katastrophe aus verschiedenen Blickwinkeln entstanden. „Die Augen der Kinder in den Krankenhäusern lassen den Betrachter genauso wenig los wie die versteinerten Blicke ihrer Eltern. Rüdiger Lubricht proträtiert Liquidatorinnen und Liquidatoren, die ihr Leben riskierten, um eine größere Katastrophe von Europa abzuwenden. Er zeigt die evakuierten und verlassenen Orte in den nach wie vor verstrahlten Sperrgebieten, die sich die Natur zurückerobert und überwuchert hat“, heißt es im Katalog.

Die Stiftung „Kinder von Tschernobyl“ des Landes Niedersachsen wurde im Herbst 1992 auf Initiative von Abgeordneten des niedersächsischen Landtags gegründet. Seit 20 Jahren bereist der stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende, Prof. Dr. med. Heyo Eckel, regelmäßig die von der Reaktorkatastrophe besonders betroffenen Gebiete der Ukraine, der Republik Belarus (Weißrussland) und die anliegenden Gebiete Russlands. Bis heute verfolgt die Stiftung nach eigenen Angaben „unverändert das Prinzip der persönlichen Besuche“. Deshalb besuche Eckel zweimal im Jahr Krankenhäuser vor Ort, um den Bedarf an Ultraschallgeräten zur Krebsfrühdiagnostik zu ermitteln und den sachgerechten Einsatz bereits überlassener medizinischer Geräte zu überprüfen. „Bei unseren Reisen in die verstrahlten Regionen stellen wir immer wieder fest, wie sehr unsere Hilfe dort auch heute noch benötigt wird“, betont Eckel.

Gisela Klinkhammer

Informationen

Die Fotoausstellung „lebenslang – Fotografien von Rüdiger Lubricht“ steht auf Anfragen zu Verfügung und kann ausgeliehen werden. Informationen: Kinder von Tschernobyl – Stiftung des Landes Niedersachsen, Telefon: 0511 120-4016, www.tschernobyl.niedersachsen.de. Spendenkonto: Nord/LB Hannover, Konto 101 473 999, BLZ 250 500 00.

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