ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2013Traumafolgestörungen: Qualifizierte Traumatherapeuten fehlen

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Traumafolgestörungen: Qualifizierte Traumatherapeuten fehlen

PP 12, Ausgabe Juli 2013, Seite 294

Bühring, Petra

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Traumafokussierte Verfahren haben sich in der Therapie als sehr wirksam gezeigt. Foto: iStockphoto
Traumafokussierte Verfahren haben sich in der Therapie als sehr wirksam gezeigt. Foto: iStockphoto

Viel Forschungsbedarf gibt es hinsichtlich der Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS). Außerdem fehlt es an qualifizierten ambulant tätigen Psychotherapeuten für Betroffene. Das ist das Fazit des Symposiums „Gute Praxis psychotherapeutische Versorgung“, das die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) Anfang Juni veranstaltete.

„Ein ausreichendes psychotherapeutisches Behandlungsangebot muss sichergestellt werden, zum Beispiel nach sexuellem Missbrauch“, forderte Dr. Dietrich Munz, Dipl.-Psych., Vizepräsident der BPtK. Neben dem Mangel an Therapieplätzen generell hätten viele niedergelassene Kollegen jedoch Berührungsängste und brauchten mehr Fortbildung. „Wir müssen auch die Ausbildung dahingehend kritisch überprüfen“, sagte Munz.

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„Die behandelnden Therapeuten sollten über eine traumatherapeutische Qualifikation verfügen“, sagte Prof. Dr. Christine Knaevelsrud, Dipl.-Psych., Freie Universität Berlin. Aufgrund der erhöhten Aufmerksamkeit für Traumafolgestörungen würden immer mehr Behandlungsansätze entwickelt, so die an der S3-Leitlinie zu PTBS beteiligte Psychotherapeutin. Sie wies darauf hin, dass es sehr wenige hochwertige Studien zu dem „relativ neuen Störungsbild“ gebe. Man wisse auch wenig über die Wirkmechanismen der PTBS, deren Ein-Jahres-Prävalenz bei etwa 2,3 Prozent in Deutschland liege, mit einer signifikant höheren Rate bei über 60-Jährigen und bei Flüchtlingen.

Die S3-Leitlinie (www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/051-010.html) habe eine hohe Wirksamkeit von traumafokussierten Verfahren herausgefunden, betonte Knaevelsrud. Eine starke Evidenzbasierung sei hingegen für die psychodynamischen Verfahren wie auch für Stabilisierungskonzepte erforderlich. Außerdem müsste die Leitlinie stärker in die Versorgungspraxis integriert werden. pb

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