ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2013Gutachterverfahren: Psychohygiene für Psychotherapeutinnen
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Ich bin eine 46-jährige Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie für Erwachsene, viele Schwer- und Schwersttraumatisierte) mit finnischen Wurzeln. Es gibt in Finnland im Bereich der Psychotherapie auch vieles zu verbessern. Aber die Form der Antragsbewilligungen, die begründet wird mit Qualitätssicherung – so etwas gibt es dort nicht. Je älter ich werde, desto häufiger frage ich mich, wieso ich das so lange habe „mit mir machen lassen“.

Schon zu Beginn meiner „Kassentätigkeit“ (1999) empfand ich die kurzen Abschnitte als Schikane – vor allem bei schwer gestörten Menschen. Mit Qualitätssicherung hat das gängige Prozedere wohl noch nie wirklich etwas zu tun gehabt. Die Qualität lässt sich eher durch Super- und Intervision positiv beeinflussen. Jede Kollegin und jeder Kollege wird sich und der jeweiligen Patientin die Frage stellen, was der Auftrag und was die Zielsetzung ist. Außerdem wissen wir aus vielen Studien mit unterschiedlichen Hypothesen, dass das, was in den Therapien letztendlich wirkt, die therapeutische Beziehung ist und nicht die Techniken.

Viel wird heutzutage über Psychohygiene und über Achtsamkeit gesprochen; noch mehr über Selbstfürsorge von Therapeutinnen, die Überbelastung und Ausbrennen im Beruf verhindern soll. Das sind wichtige Themen, die wichtige Prozesse in Gang setzen. Die größte Belastung ist allerdings für mich das Absagen am Telefon („Nein, ich habe keinen freien Therapieplatz.“). Direkt danach folgen die Berichte.

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Die Veränderung der Therapiegestaltung von der Sitzungsanzahl inklusive des Wegfallens der Berichte hat die Qualität meiner Arbeit bisher nur verbessert. Das Strukturieren des Gesamtprozesses, das immer mal wieder Innehalten und mit der Patientin überlegen, was sie erreicht hat und wohin die nächsten Schritte gehen sollen, sind dabei selbstverständlich. Weggefallen ist der Druck. Und das ist gut so. Auf meine Arbeitszufriedenheit hat das einen sehr guten Einfluss. Es macht Spaß, sich auf die wirkliche Arbeit konzentrieren zu können. Zu guter Letzt bin ich als wissenschaftlich interessierte Kollegin sehr gespannt, wie sich die neue Vorgehensweise der Krankenkassen auf die Therapielängen auswirkt.

Pia Voss-Höge, 73630 Remshalden

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