ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2013Katathym Imaginative Psychotherapie: Geist- und bilderreicher Einblick

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Katathym Imaginative Psychotherapie: Geist- und bilderreicher Einblick

PP 12, Ausgabe Juli 2013, Seite 329

Behrens, Stefan

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Die Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP) beziehungsweise das katathyme Bildererleben ist eine spannende und bildergewaltige Interventionstechnik innerhalb der analytischen und psychodynamischen Psychotherapien. Auch wenn die ersten grundlegenden Lehrbuchseiten von 1985 vom Begründer Hanscarl Leuner selbst noch nicht antiquarisch sind, so gibt es doch sowohl in der praxisgeleiteten Beschreibung als auch in der theoretischen Begründung seitdem eine stete Fortentwicklung und mehrfache didaktische Ausbesserungen. Besonders hinsichtlich letzterem schreiben sich die Autoren Ulrich Bahrke und Karin Nohr Aktualität und praxisnahes Verständnis mit dem Umgang von Imaginationen im psychotherapeutischen Kontext auf die Fahnen und legen mit „Katathym Imaginative Psychotherapie“ ein weitgehend umfassendes, jedoch klar auf die Praktikabilität ausgelegtes Lehrbuch vor.

Anhand von drei verschiedenen Therapiesettings verdeutlichen sie die Erarbeitung der innerpsychischen Konfliktthemen von der Initialimagination über die Therapieplanung bis hin zum therapeutischen Prozess und dessen Abschluss. Dabei geben eine Kurzzeittherapie, eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und eine analytische Psychotherapie mit jeweils eigenen Beispielpatienten den didaktischen Rahmen vor, in dem sehr anschaulich und exemplarisch die Einbettung, Fokusbildung und schließlich der Veränderungsprozess abgebildet werden.

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Die Autoren vermitteln dabei eine tiefe Einsicht einerseits in die Komplexität der unbewussten Konflikte und Beziehungsschwierigkeiten ihrer Fallbeispiele, aber gleichzeitig auch eine geradezu einfach und simpel wirkende Anleitung zur Imagination, die anfangs etwas zu generalisiert, das heißt unspezifisch wirkt. Doch die Imagination an sich setzt schnell an den Konfliktthemen an, so dass Leuners Bemerkungen (1985), es handle sich bei der Katathym Imaginativen Psychotherapie um ein „sehr intensives und Regression förderndes“ Verfahren, als nicht fernab erscheinen. Hier hätten jedoch, um einem Lehrbuch an sich gerecht zu werden, dem mehr Leser reflektierende und handweisende Bemerkungen zum Hintergrund der Gestaltung der Imagination gutgetan. Dem Anfänger helfen da meist kleine Zusammenfassungen und Darstellungen, die hier leider gänzlich fehlen.

Das soll jedoch nicht bedeuten, dass Anfänger, die die Katathym Imaginative Psychotherapie erst kennenlernen wollen, gänzlich aus dem Kreis derjenigen, die mit diesem Buch angesprochen werden sollen, herausfallen. Vielmehr empfiehlt es sich, das Lehrbuch von hinten, soll heißen mit dem siebten Kapitel zu beginnen. Hier wird letztendlich (beziehungsweise einleitend) der notwendige theoretische Unterbau vermittelt. Langsam aufbauend wird der Leser an die Hand genommen und kann sich nach und nach vertraut machen mit der therapeutischen Haltung, Einleitung als auch Einbettung von Imaginationen, Beendigung einer Therapie mit Imaginationen sowie den Umgang mit Übertragung, Gegenübertragung und Widerspruch in der KIP.

Alles in allem geben die Autoren einen geist- und vor allem bilderreichen Einblick in die psychotherapeutische Arbeit mit Imaginationen, der eine überaus sinnvolle Erweiterung zu den gängigen und bisweilen veralteten Standardwerken in diesem Gebiet ist. Stefan Behrens

Ulrich Bahrke, Karin Nohr: Katathym Imaginative Psychotherapie. Springer, Berlin 2013, 226 Seiten, gebunden, 39,95 Euro

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