ArchivDeutsches Ärzteblatt3/1996Medizinstudium: Entbürokratisierung

POLITIK: Aktuell

Medizinstudium: Entbürokratisierung

Clade, Harald

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LNSLNS Eine Befreiung der medizinischen Ausbildung und Lehre von bürokratischen Kontrollen hat die Kommission Hochschulreform der Medizinischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg gefordert. Mit den vorhandenen Kapazitäten müßten ärztlich und wissenschaftlich qualifizierte Ärzte ausgebildet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse die Zahl der Medizinstudenten an die für die Ausbildung zur Verfügung stehenden Hochschulbetten gekoppelt werden (vorgeschlagen wird eine Neuaufnahme von einem Studenten je Jahr und acht Betten). Alle Medizinischen Hochschulen müßten personell und materiell mit einer vergleichbaren Grundausstattung für die Lehre versorgt werden. Den Hochschulen müsse bei der Auswahl der Studenten entscheidende Mitsprache eingeräumt werden. Die Lehrleistungen müßten laufend objektiv überprüft werden. Differenzierte materielle und ideelle Anreize für den Lehrkörper und die in Forschung und Lehre eingesetzten Lehrpersonen seien notwendig, um die Basis für eine erfolgreiche Lehre zu schaffen. Weiter wird vorgeschlagen: Um Fairneß und Vergleichbarkeit zu garantieren, sollte grundsätzlich jede Fakultät etwa die gleiche Anzahl von Medizinstudenten aufnehmen (etwa 200 je Jahr) und in den vorgeschriebenen Fächern mit Hilfe vergleichbarer Ressourcen ausbilden. Chancengleichheit und Erfolgskontrollen müsse der Gesetzgeber organisieren und garantieren. Zwischen Zulassung und Staatsexamen sollten die Fakultäten und ihre Selbstverwaltungsorgane au-tonom entscheiden, ihre personellen und materiellen Ressourcen einzusetzen. Die Studentenzahl der Medizinischen Hochschulen an das Unterrichtsdeputat der akademischen Mitarbeiter zu binden wird als "sinnwidrig" bezeichnet.
Im Jahr vor dem Praktischen Jahr sollte etwa die Hälfte der Ausbildungszeit am Krankenbett erfolgen, das heißt, im fünften Jahr müßten vier und im dritten Studienjahr etwa zwei Betten zur Verfügung stehen. Für die Studienjahre zwei bis fünf sollten im Durchschnitt mindestens zwei Betten je Student zur Verfügung gestellt werden. Bei einer fünfjährigen Studiendauer ließe sich die Zahl der je Jahr ausbildbaren Medizinstudenten auf der Basis der Bettenzahl der Universitätskliniken und der Richtzahl (zwei Betten je Student) berechnen: zum Beispiel 1600 Betten durch 4 (Anzahl der Betten erfordernde Studienjahre) durch 2 (Anzahl der im Mittel notwendigen Betten), ergibt 200. Im Erlanger Memorandum wird festgestellt: Die Zulassung von höchstens 200 Studenten je Jahr im Fach Humanmedizin an den 37 Medizinischen Hochschulen würde zu einer sinnvollen Zahl von Studienanfängern führen (knapp 8000). Dies entspräche einer Relation von 100 je eine Million Einwohner in Deutschland. HC
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