ArchivDeutsches Ärzteblatt19/1996Sterbebegleitung: Präzisere Begriffe
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LNSLNS Herr Kollege Wedler fordert mit Recht im belasteten Feld der Sterbebegleitung und Sterbehilfe ein klares Verständnis der diskutierten Inhalte und eine eindeutige Kenntnis und wohl auch Verwendung von Grundbegriffen. Im Sinne dieser Notwendigkeit ist sehr klar darauf hinzuweisen, daß der Streit um passive und aktive Euthanasie keineswegs von Angehörigen der Exit-Organisationen wie etwa Exit in der Schweiz oder der Deutschen Gesellschaft für humanes Sterben (DGHS) in Deutschland zu verschleiern versucht wird: Die besagte Diskussion ist international zunehmend davon beherrscht, die mißverständlichen Begriffe aktiver und passiver Sterbehilfe durch präzisere wie Behandlungsabbruch oder Behandlungsverzicht oder Tötung auf Verlangen zu ersetzen und damit auch die ethische Bewertung der verschiedenen Strategien zu erleichtern. Ein sehr differenziertes Beispiel für diese Bemühungen sind Pläne zur Neuformulierung der Richtlinien zur Sterbehilfe durch die deutsche Bundes­ärzte­kammer oder die Diskussion auf dem Chirurgenkongreß am Wochenende nach Ostern in Berlin zum besonderen Thema Therapiebegrenzung, Therapieverzicht und Sterbehilfe. Auch muß Wedler sein mit Anschütz zusammen herausgegebenes Buch im Ullstein/Mosby Verlag, Wiesbaden, "Suizidprävention und Sterbehilfe" nicht verstecken, in dem sehr differenziert über die verschiedenen Strategien gehandelt wird. Wenn also schon Kenntnis der Grundbegriffe und klares Verständnis der zu diskutierenden Inhalte gefordert werden, dann aber auf dem Kenntnisstand der aktuellsten Diskussion, in der das naive Verständnis der Medizin von Unbedenklichkeit passiver Sterbehilfe sehr problematisiert wird und in der die Exit-Organisationen eine durchaus untergeordnete Rolle spielen. Die Einstellung künstlicher Ernährung, die der Ausgangspunkt für den Beitrag des Vizepräsidenten der Bundes­ärzte­kammer und dann für den Beitrag Wedler war, ist viel problematischer, als beide Beiträge es suggerieren.
Prof. Dr. med. H. Pohlmeier, Präsident der DGHS, Humboldtallee 38, 37073 Göttingen
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