ArchivDeutsches Ärzteblatt19/1996Onkologie: Kein Paradigmawechsel notwendig
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LNSLNSLNSLNS Der Leitartikel fordert die Diskussion:
l Die Suche nach dem Rezidiv einer Tumorerkrankung mit dem Ziel einer günstigen Beeinflussung des Tumorrezidivs und die "Vermittlung von Geborgenheit" sind für einen verantwortlich tätigen Arzt keine Gegensätze – sie sind vielmehr beide von jeher elementare und unverzichtbare sowie sich vielfach gegenseitig bedingende Grundpfeiler der Nachsorge zum Nutzen von Krebskranken. Die Mehrzahl der Ärzte braucht daher nicht den Ruf nach Paradigmawechsel.
l Die frühzeitige Diagnose eines Tumorrezidivs mit der frühzeitigen Möglichkeit für einen Patienten, den ihm verbleibenden mehr oder weniger langen Lebensweg verantwortungsvoll sich selbst, seiner Familie und auch der Gesellschaft gegenüber planen oder sich selbst noch den einen oder anderen, bis dahin vielleicht zurückgestellten Wunsch erfüllen zu können, mit alleiniger Verlängerung des "seelischen Leidenswegs" gleichzusetzen und abzutun, tut den Bemühungen des Großteils praktizierender Ärzte, den von ihnen betreuten Patienten das Gefühl der Geborgenheit in dem individuell gegebenen oder möglichen Rahmen zu vermitteln, sicher unrecht. Warum sollen Patienten künftig durch Vermeidung möglicher Diagnostik daran gehindert werden, möglichst früh für sich die noch verbleibende Zeit zu planen und zu nutzen? Wer kennt nicht selbst Menschen, die durch eigenmächtige Hinzuziehung des Rates eines zweiten oder dritten Arztes sich selbst nicht nur im Hinblick auf "Geborgenheit", sondern auch im Hinblick auf Überlebenszeit etc. einen Dienst erwiesen haben? (Vergleiche fünf Seiten weiter, im gleichen Heft, Zitat von Herrn Prof. Herfarth: . . . "als größter Risikofaktor (für das kolorektale Karzinom) stelle sich das Können des Chirurgen dar." Auch unter onkologisch tätigen Ärzten gibt es gelegentlich unterschiedliche Ansichten über Behandlungsstrategien und/ oder eventuell auch mal ein unterschiedliches "Können" der Ärzte.
l Stimuliert durch die Fortschritte zum Beispiel auf dem Gebiet der Hodentumoren, kolorektalen Tumoren oder Melanome (letztere werden gegen Ende dieses Leitartikels in anderem Zusammenhang zitiert), müßte die Forderung verantwortlicher Ärzte doch eigentlich in das Gegenteil zielen: in einen Aufruf zur verstärkten Zusammenarbeit, um alle Patienten, soweit irgend möglich, zu motivieren, sich im Rahmen sinnvoller diagnostisch/therapeutischer Studien betreuen zu lassen, von Studien, die nach aktuellen ärztlichwissenschaftlichen und ethisch abgewogenen Gesichtspunkten konzipiert sind – oder zumindest in dem Aufruf, Tumorpatienten auch außerhalb von Studien in einer studienähnlichen Weise zu betreuen, um zumindest verwertbare retrospektive Analysen zu ermöglichen.
Optimierung der psychosozialen Nachsorge und der Versuch, bisherige Therapiemöglichkeiten eines Tumorleidens selbst durch kontrollierte Studien zu verbessern, sollten beide – nach wie vor – unverzichtbare Voraussetzungen bleiben, um dem Anspruch der Patienten auf Geborgenheit nachzukommen.
Übrigens, inwieweit könnte auch einer Tumor-Vorsorge unter dem Aspekt der "Geborgenheit" Nachdruck verliehen werden? Gibt es hier Überlegungen und Forderungen der verantwortlichen Ärzte und Institutionen?
Prof. Dr. R. Klapdor, Rothenbaumchaussee 5, 20148 Hamburg
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