ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2013Masernausbrüche: Die Impfquoten sind zu niedrig

AKTUELL: Akut

Masernausbrüche: Die Impfquoten sind zu niedrig

Dtsch Arztebl 2013; 110(29-30): A-1404 / B-1232 / C-1216

Siegmund-Schultze, Nicola

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Im ersten Halbjahr dieses Jahres sind in Deutschland fast neunmal so viele Masernfälle gemeldet geworden wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum: 1 043 Infektionen verzeichnete das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin in der ersten bis 25. Kalenderwoche 2013, im Jahr zuvor waren es in dieser Zeitspanne 117 Fälle gewesen und 166 Erkrankungen im gesamten letzten Jahr. Vereinzelt wurden schwere, in der Vergangenheit auch tödliche Verläufe beobachtet. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Daniel Bahr (FDP) erwägt deshalb eine Impfpflicht für Kinder.

Verantwortlich für den dramatischen Anstieg der Masern-Fallzahlen seien vor allem die zu niedrigen Impfquoten bei der zweiten Masern-Mumps-Röteln (MMR)-Kombinations-Impfung, erklärt Prof. Dr. med. Thomas Mertens vom Universitätsklinikum Ulm, Präsident der Gesellschaft für Virologie (GfV). Den Jahrgängen ab 1970 sei dringend zu raten, sich bei unklarem Impfstatus oder nur einer MMR-Impfung entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission immunisieren zu lassen.

Die meisten Fälle wurden aus Bayern und Berlin gemeldet, aber auch in Erftstadt bei Köln, in Essen und in Offenburg gab es Ausbrüche. „Aktuell besorgen uns Ausbrüche bei Erwachsenen“, sagt Mertens. Denn fast die Hälfte der gemeldeten Infektionen betrafen Erwachsene ab 20 Jahren. Diese Altersverschiebung sei vor allem auf die geringe Beteiligung an der zweiten MMR-Impfung in den meisten Bundesländern zurückzuführen.

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Dass das Ziel der Welt­gesund­heits­organi­sation, die Masern auszurotten, realistisch ist, belegen unter anderem Länder wie die USA: Seit 2002 gelten sie als masernfrei. Das Virus breitet sich ausschließlich unter Menschen aus, und die empfohlenen Impfungen im zweiten Lebensjahr, vorzugsweise mit dem MMR-Impfstoff, erzeugen guten Schutz, so dass sich bei hoher Durchimpfungsrate eine Herdenimmunität erzielen lässt.

Besorgniserregend sei ebenfalls die aktuelle Zunahme der Mumpserkrankungen, so die GfV. Meist sei der Verlauf gutartig, es könne aber auch zu ein- oder beidseitiger bleibender Taubheit kommen. Wie bei Masern sind ebenso bei Mumps einmal geimpfte Erwachsene erkrankt. „Da der Impfschutz gegen Mumps schneller abnimmt als der vor Masern, ist die zweite Auffrischungsimpfung besonders wichtig“, betont Mertens. Ziel sei eine hohe Impfbeteiligung bei Kindern von mehr als 95 Prozent, auch bei der zweiten MMR-Impfung. nsi

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