ÄRZTESTELLEN

Die Arzt-Patient-Beziehung: Sieben Tipps, wie Sie die Kommunikation mit den Patienten verbessern

Dtsch Arztebl 2013; 110(29-30): [2]

Kutscher, Patric P.

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Zuhören, Fragen stellen, selbst wenig(er) reden – das Gespräch mit dem Patienten darf kein Monolog des Arztes sein.

Durch die Brille des Patienten: Vor schwierigen Gesprächen sollte der Arzt kurz innehalten und sich vergegenwärtigen, was das Gesagte für den Patienten bedeutet. Foto: picture alliance
Durch die Brille des Patienten: Vor schwierigen Gesprächen sollte der Arzt kurz innehalten und sich vergegenwärtigen, was das Gesagte für den Patienten bedeutet. Foto: picture alliance

Das Gespräch mit den Patienten gehört zu den Kernaufgaben des Arztes. Richtige Kommunikation ist erlernbar und der Schlüssel, um Vertrauen aufzubauen.

Tipp 1:

Nehmen Sie das Anliegen des Patienten ernst

Diese selbstverständliche Forderung wird zuweilen im hektisch-stressigen Klinik- und Praxisalltag vergessen. Die Ärztin, der Arzt muss sich darüber im Klaren sein, von welch existenzieller Bedeutung das Gespräch mit dem Arzt für den Patienten ist. Entscheidend ist die Perspektive des Patienten.

Darum muss er das Gespräch auf Augenhöhe führen, gut zuhören, Fragen stellen und sich in die Welt des Patienten versetzen.

Tipp 2:

Bauen Sie Ihre kommunikative Kompetenz aus

Natürlich steht an oberster Stelle die medizinische Kompetenz. Aber ohne Kommunikation ist alles nichts. Denn nur das patientenorientierte Gespräch ermöglicht den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses. Darum sollte der Arzt nach jedem Gespräch prüfen: „Wer hat mehr geredet – der Patient oder ich? Wie kann ich meinen Redeanteil reduzieren und den des Patienten vergrößern? Habe ich genügend Fragen gestellt? Was habe ich über den und von dem Patienten erfahren?“

Der Arzt muss nachvollziehbar erklären können und den Patienten zu Nachfragen animieren. Nur so lassen sich Missverständnisse ausräumen oder von vornherein verhindern.

Tipp 3:

Sorgen Sie für Verständlichkeit

Im Eifer des Gefechts vergisst der Arzt in vielen Situationen, dass er mit einem medizinischen Laien spricht. Das ist menschlich, allzu menschlich und daher entschuldbar, sollte jedoch so selten wie möglich passieren. Der Arzt muss sich verständlich ausdrücken und zum Beispiel Fachvokabular vermeiden.

Weil dies nicht immer gelingt, nutzt er am besten die Technik des Nachfragens: Er stellt die dezidierte Frage, ob der Patient alles verstanden hat oder lässt diesen sogar die ärztliche Diagnose oder Therapieempfehlung in eigenen Worten wiederholen. So kann er testen, ob „alles“ richtig angekommen ist. Je diffiziler die Gesprächsinhalte, desto wichtiger ist diese Wiederholung der Arztaussagen durch den Patienten.

Tipp 4:

Erwerben Sie Fragekompetenz

Es hilft, sich über die Bandbreite der Fragearten zu informieren und deren Einsatz im Patientengespräch zu trainieren. Es geht nicht allein darum, immer wieder die Frage zu stellen, ob der Patient alles verstanden habe. Nein: Der Arzt nutzt etwa die Entscheidungs- und Ergänzungsfrage oder auch die Alternativfrage, um konkreter und präziser werden zu können.

Tipp 5:

Kommunizieren Sie respektvoll und geduldig

Ärzte haben viel zu tun. Und darum ist es oft schwierig, sich auf den Gesprächspartner geduldig einzulassen, wenn man gedanklich vielleicht schon beim nächsten Patienten ist. Die Kunst besteht darin, sich trotzdem zu fokussieren und auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.

Es hilft, sich die Einzigartigkeit und Individualität des einzelnen Patienten zu vergegenwärtigen und den Energieakku immer wieder aufzuladen. Gute Kommunikation hat viel mit gutem Zeitmanagement zu tun. Wer weiß, dass er Zeit hat, sich auf den Patienten einzulassen, kommuniziert besser und intensiver. Der Patient spürt und merkt, dass der Arzt Zeit für ihn hat. Allein dies führt zu einer spürbaren Verbesserung der Kommunikation zwischen Arzt und Patient.

Tipp 6:

Beteiligen Sie den Patienten an der Entscheidung

Es ist immer von Vorteil für den Heilungsprozess, wenn der Patient eine Therapie motiviert unterstützt und mit Engagement beginnt. Darum darf der Arzt nicht den Eindruck erwecken, er wolle dem Gegenüber eine Entscheidung überstülpen. Natürlich ist der Arzt der Experte, aber er sollte den Patienten möglichst einbeziehen. Der große Vorteil: Wer nachfragt, ob der Patient mit etwas einverstanden ist, bekommt zuweilen weitere Verständnisfragen zu hören – und erhält Anhaltspunkte, um letzte Unklarheiten zu beseitigen.

Tipp 7:

Die Wahrnehmungsbrille des Patienten aufsetzen

Eine konkrete Technik zur Verbesserung der Gesprächsführung besteht darin, insbesondere vor schwierigen Gesprächen von hundert auf null zurückzuzählen, sich so auf das Gespräch zu fokussieren und dann die Brille des Patienten aufzusetzen: „Worum genau geht es jetzt, wie stellt sich der Sachverhalt aus der Sicht des Patienten dar, was heißt das für mich, den Arzt?“

Und dann kann das Gespräch auf Augenhöhe vielleicht gelingen.

Patric P. Kutscher

MasterClass Education, Zellertal

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