ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2013Ausländische Ärzte: Sprachprüfungen vereinheitlichen

POLITIK: Kommentar

Ausländische Ärzte: Sprachprüfungen vereinheitlichen

Dtsch Arztebl 2013; 110(29-30): A-1416 / B-1241 / C-1228

Henke, Rudolf

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Rudolf Henke, Erster Vorsitzender des Marburger Bundes
Rudolf Henke, Erster Vor­sitzender des Marburger Bundes

Ein Blick in die Ärztestatistik der Bundes­ärzte­kammer offenbart, wie stark wir inzwischen auf zugewanderte Ärztinnen und Ärzte angewiesen sind: 28 310 ausländische Ärztinnen und Ärzte waren Ende 2012 in Deutschland in der medizinischen Versorgung tätig – so viele wie noch nie zuvor. Besonders groß ist der Anteil der ausländischen Kollegen in den Krankenhäusern, die gegenüber 2011 einen Zuwachs von 15,1 Prozent verzeichneten. Die meisten ausländischen Ärzte kommen aus Osteuropa zu uns. Die wirtschaftliche Lage, die Arbeitsbedingungen und die Einkommensmöglichkeiten sind dort oft schlechter. Auch der gute Ruf unserer ärztlichen Versorgung und Weiterbildung ist ein Grund für die meist jungen Kollegen, in Deutschland beruflich Fuß zu fassen.

In vielen Fällen haben aber auch kommerzielle Agenturen ihre Hände im Spiel. Sie vermitteln den ausländischen Ärzten ein falsches Bild von der Krankenhausrealität, die sie hier erwartet. Grundlegende Bedingungen für eine ärztliche Tätigkeit in Deutschland, vor allem adäquate Deutschkenntnisse, werden verschwiegen. Manche Ärzte zahlen mehrere Tausend Euro Vermittlungsgebühren und erleben danach ein Desaster, weil sie sprachlich und fachlich nicht zurechtkommen. Auch deshalb hat der Marburger Bund (MB) eine Diskussion über die Notwendigkeit einheitlicher Standards in der Beurteilung von Deutschkenntnissen ausländischer Ärzte angestoßen. Wie wir aus Rückmeldungen unserer Mitglieder wissen, sind die Sprachkenntnisse ausländischer Ärzte leider in vielen Fällen nicht ausreichend, so dass es zu Verständigungsschwierigkeiten kommt. Ein Problem dabei ist vor allem die mangelnde Kenntnis gängiger deutscher Begriffe aus dem Krankenhausalltag.

Anzeige

Dies belegen ebenfalls die Erfahrungen in Rheinland-Pfalz mit den bundesweit einzigen Sprachprüfungen einer Lan­des­ärz­te­kam­mer. Die bisherigen Prüfungen ausländischer Ärzte zeigten, dass auch Inhaber eines allgemeinsprachlichen Zertifikats der Stufe B2 oder C1 des Europäischen Referenzrahmens für Sprachen oft nicht in der Lage sind, ausreichend mit einem Patienten zu kommunizieren, so die Bilanz der Kammer nach neun Monaten fachbezogener Sprachprüfungen.

Wie wir aus eigenen Recherchen wissen, akzeptieren viele Bundesländer allgemeinsprachliche Nachweise der Niveaustufe B2 auch dann, wenn es sich um weithin unbekannte Anbieter handelt. Zuweilen genügt auch eine mündliche Vorsprache bei der Approbationsbehörde. Nur zwei Bundesländer führen zusätzlich noch eine mündliche Fachsprachenprüfung in ärztlicher Kommunikation durch. Ein Bundesland verlangt ausschließlich eine mündliche Fachsprachenprüfung. Diese unterschiedlichen Verfahrensweisen in den Ländern führen dazu, dass uneinheitliche und vielerorts mangelhafte Sprachkenntnisse ausländischer Ärzte Zweifel an der Patientensicherheit hervorrufen. Für ausländische Ärzte ist diese Praxis zudem sehr verwirrend. Ärzte, die guten Willens sind und an vielen Stellen dringend für die Versorgung gebraucht werden, werden so abgeschreckt.

Deshalb hat der MB die Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Länder vor ihrer jüngsten Tagung aufgefordert, sich auf einheitliche Regelungen für die Überprüfung der Sprachkenntnisse ausländischer Ärzte zu einigen. Zur Erteilung einer Berufserlaubnis oder einer Approbation muss eine anerkannte allgemeinsprachliche Prüfung vorliegen, die nicht länger als drei Jahre zurückliegt und mindestens die Niveaustufe B2 abbildet. Notwendig ist daher die Erstellung einer Liste mit anerkannten allgemeinsprachlichen Prüfungen. Für den Klinikalltag ist aber auch eine fachsprachliche Kompetenz erforderlich. Die Antragsteller sollten zusätzlich das Bestehen einer anerkannten Fachsprachenprüfung Medizin nachweisen müssen, die nicht länger als drei Jahre zurückliegt. Auch hier sollte eine Liste mit anerkannten Fachsprachenprüfungen und Vorbereitungskursen vorliegen, die in jeder Approbationsbehörde eingesehen werden kann.

Solche Prüfungen sind keine Schikane, sondern praktizierter Patienten- und Kollegenschutz. Wir müssen darauf achten, dass Verständigungsprobleme nicht zu Fehlern führen. Die Patienten haben ein Recht darauf, ihren Arzt zu verstehen. Und auch die Kollegen sind darauf angewiesen, dass die Kommunikation funktioniert und jeder Arzt im Krankenhaus nach entsprechender Einarbeitung in der Lage ist, einen Arztbrief zu schreiben oder wichtige Dokumentationspflichten zu erledigen.

Es dürfen keine Kommunikationshürden entstehen – weder im therapeutischen Bündnis mit den Patienten noch im fachlichen Kontakt mit den Kollegen. Wir wissen, dass die Ärzte, die erfolgreich hier arbeiten wollen, uns für diese Unterstützung dankbar sind – keiner wird glücklich, wenn die Sprachqualifikation nicht den Erwartungen entspricht, die hier mit der Arbeit verknüpft sind. Die Kollegen aus dem Ausland können sich auf den MB als ihren Partner im Arztberuf verlassen. Vor allem bei verwaltungsrechtlichen Fragen sind die zuwandernden Ärzte auf Unterstützung angewiesen. Wir geben diese Hilfe gerne, weil wir die ausländischen Kollegen in den Kliniken und Praxen brauchen, weil sie uns willkommen sind. Wir sollten sie mit offenen Armen, aber auch mit klaren Erwartungen empfangen.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema