ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2013Öko­nomi­sierung: Eine Medizin, die Patienten meidet
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Der Beitrag des Medizinethikers Giovanni Maio hat mir aus der Seele gesprochen: Eine Medizin, die Patienten meidet, kann sich aber nicht mehr Medizin nennen – und – Befriedigung durch ärztliche Arbeit ist nur dann möglich, wenn die Ärzte nicht das Gefühl haben, dass sie eingesetzt werden, um Gewinne zu erzielen.

Als unser damaliger Ärztlicher Direktor Mitte der 90er Jahre erklärte, wir sind die Leistungserbringer, und der Patient ist der Kunde, dachte ich an eine Kfz-Werkstatt. Mit der Praxisgebühr auch für Notfälle kam es noch schlimmer, und so fiel mir nach 39 Jahren Chirurgie/Unfallchirurgie der Abschied von der Klinik nicht schwer.

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Die Frage von Maio – ab wann bestimmt die Ökonomie ärztliches Handeln – beantwortete der Medizinische Vorstand der Uniklinik Dresden, Prof. M. Albrecht, öffentlich in der „Sächsischen Zeitung“ vom 16. Mai 2013 auf Seite 15. Die Frage: „Wo aber wird gespart, um rentabel zu arbeiten?“ Die Antwort war: „Wir sind weiter bemüht, die Zahl der ambulanten Fälle zu reduzieren, die wir nicht vergütet bekommen.“ Da werden also Patienten abgewimmelt, weil es sich nicht lohnt. Das hat mit Ethik nichts mehr zu tun, und genauso ungeheuerlich ist, dass kein öffentlicher Widerspruch kommt, auch nicht von der Ärztekammer.

Dr. med. Berthold Eckhardt, 01277 Dresden

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