ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2013Ophthalmologische Spätkomplikationen bei Frühgeborenen: Deutlich erhöhtes Amotiorisiko für frühgeborene Kinder

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Ophthalmologische Spätkomplikationen bei Frühgeborenen: Deutlich erhöhtes Amotiorisiko für frühgeborene Kinder

Dtsch Arztebl 2013; 110(29-30): A-1435 / B-1259 / C-1242

Gerste, Ronald D.

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Frühgeborene weisen besonders häufig pathologische Augenbefunde und Refraktionsfehler auf, keineswegs nur als Folge einer Frühgeborenen-Retinopathie (ROP, ret- inopathy of prematurity). Eine schwedische Kohortenstudie hat die Daten von mehr als 3 Millionen Kindern erfasst. Bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 17 Jahren erlitten 1 749 Personen eine Netzhautablösung, ein potenziell zur Erblindung führendes Ereignis, das einer operativen Therapie – in der Regel Vitrektomie oder Cerclage – bedarf. Sehr früh geborene Kinder (28. bis 31. Gestationswoche) hatten gegenüber termingerecht Geborenen einen statistisch adjustierten Risikofaktor für eine Amotio von 4,32 (im Kollektiv der Jahrgänge 1973–1986) bzw. von 2,80 (Jahrgänge 1987–2008). Extrem Frühgeborene (vor der 28. Gestationswoche) waren noch stärker gefährdet: In den Geburtsjahrgängen 1973–1986 hatten sie ein um den Faktor 19,2 und in den Jahrgängen 1987–2008 ein um den Faktor 8,95 erhöhtes Amotiorisiko. Die Netzhautablösung wurde im durchschnittlichen Alter von 21 Jahren im älteren Kollektiv und 9 Jahren in der jüngeren Population diagnostiziert. Die Diagnose einer ROP war bei 36 % der Betroffenen der älteren Population und bei 57 % der Amotiopatienten im jüngeren Kollektiv in den ersten Lebensmonaten gestellt worden.

Fazit: Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko für eine Netzhautablösung im späteren Leben. In Schweden konnte das Risiko gesenkt werden, vermutlich mit Einführung eines Screening-Programms auf ROP, wie es auch in Deutschland existiert. Die Zeit der Einführung in der zweiten Hälfte der 80er Jahre in Schweden markiert die Trennung zwischen beiden Kollektiven. Eine Restunsicherheit zur Inzidenz besteht vor allem in der jüngeren Population: Da das Amotiorisiko mit dem Alter steigt, sei möglicherweise „nur die Spitze des Eisbergs“ der Spätkomplikationen feststellbar.

Dr. med. Ronald D. Gerste

Bonamy AK, Holmström G, et al.: Preterm birth and later retinal detachment: a population-based cohort study of more than 3 million children and young adults. Ophthalmology 2013, e-pub before print; doi: S0161–6420(13)
00320–5. 10.1016/j.ophtha.2013.03.035 MEDLINE

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