ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2013Smartphone: Ionisierende Strahlung messen

TECHNIK

Smartphone: Ionisierende Strahlung messen

Dtsch Arztebl 2013; 110(29-30): A-1443 / B-1269 / C-1252

EB

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Radiologen der Medizinischen Hochschule Hannover haben untersucht, ob sich Smartphones zur Abschätzung ionisierender Strahlung eignen. Für die Anwendung wird der CMOS-Chip der Handykameras genutzt, der elektromagnetische Wellen misst. Da ionisierende Strahlen eine Variante dieser Wellen sind, lassen sich die Kamerachips der Handys mittels Software so ansteuern, dass sie ionisierende Strahlen registrieren und auch messen können.

Bildschirm des Smartphones während der Messung
Bildschirm des Smartphones während der Messung

Was die Radiologen vor allem interessierte, war die Frage, ob sich Smartphones in der Radiologie als Personendosimeter einsetzen lassen. Solche Messgeräte tragen Radiologen und radiologisch-technische Assistenten während der Arbeitszeit am Kittel, um sicherzustellen, dass niemand durch schädliche Mengen an ionisierender Strahlung gefährdet wird. Im Rahmen der Studie wurde diese Situation mit einer menschlichen Puppe simuliert, einem Alderson-Rando-Phantom. Dieses ist so nachgebildet, dass es die ionisierenden Strahlen in ähnlichem Umfang schwächt und streut wie ein menschlicher Körper.

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Mittels C-Bogen wurde ein Phantom mit Röntgenstrahlung durchleuchtet (roter Pfeil). Die dabei entstehende Streustrahlung (gelbe Pfeile) ließ sich mit einer geeichten Messkammer beziehungsweise dem Smartphone nachweisen. Foto: Medizinische Hochschule Hannover
Mittels C-Bogen wurde ein Phantom mit Röntgenstrahlung durchleuchtet (roter Pfeil). Die dabei entstehende Streustrahlung (gelbe Pfeile) ließ sich mit einer geeichten Messkammer beziehungsweise dem Smartphone nachweisen. Foto: Medizinische Hochschule Hannover

Für den Versuch wurden ein Android-Smartphone mit einer am Helmholtz-Zentrum in München bereits unter Laborbedingungen getesteten App sowie ein iPad mit einer kommerziellen App genutzt. Als Goldstandard dienten ein geeichtes Dosimeter mit Ionisationskammer und ein elektronisches Personendosimeter. Dem Test zufolge ist es prinzipiell möglich, mittels eines Smartphones ionisierende Strahlung zu messen. Die kalibrierbare App aus München schnitt dabei besser ab.

Für eine amtliche Personendosimetrie sind die Geräte jedoch derzeit nicht geeignet. Der Grund sind nicht die Apps, sondern die baulichen Besonderheiten der mobilen Geräte: Der Kamerasensor ist streng in eine Richtung ausgerichtet und liefert nur dann brauchbare Daten, wenn er exakt auf die Strahlenquellen zielt. Wird das Gerät um 45 Grad gekippt, ändern sich die Messwerte teilweise erheblich. Die Messungen sind somit extrem richtungsabhängig, was eine zuverlässige Dosimetrie unter Alltagsbedingungen verhindert. EB

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