ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2013KBV-Versichertenbefragung: Das Vertrauen ist hoch

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KBV-Versichertenbefragung: Das Vertrauen ist hoch

Dtsch Arztebl 2013; 110(29-30): A-1405 / B-1233 / C-1217

Osterloh, Falk

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Eine Umfrage der KBV zeigt: Die Patienten sind mit ihren Ärzten sehr zufrieden. Die Themen Wartezeit und IGeL empfinden sie zudem als unkritisch. Problemfelder sind der Fachärztemangel und die 116 117.

Nicht selten haben Krankenkassenfunktionäre in der Vergangenheit die Fehlbarkeit von Ärzten öffentlichkeitswirksam dramatisiert. Und nicht selten sind Medienvertreter darauf eingestiegen. Umfragen unter Patienten rücken solche schiefen Bilder regelmäßig wieder gerade – so in diesem Sommer die Versichertenbefragung 2013 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), deren Ergebnisse am 9. Juli in Berlin vorgestellt wurden.

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6 093 Versicherte im Alter von 18 bis 79 Jahren hat die Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der KBV befragt. 51 Prozent haben das Vertrauensverhältnis zu dem zuletzt von ihnen besuchten Arzt als „sehr gut“ bezeichnet, weitere 40 Prozent als „gut“. Die Fachkompetenz dieses Arztes bewerteten jeweils 46 Prozent mit „sehr gut“ und „gut“. Diese Werte sind seit Jahren konstant.

„Wir sehen: Auch wenn Ärzte in der öffentlichen Diskussion immer wieder unter den Generalverdacht unlauteren Handelns gestellt werden, so sind die persönlichen Erfahrungen der Versicherten in der Regel positiv und werden auch entsprechend gewürdigt“, kommentierte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. med. Andreas Köhler.

Konstant sind auch die Angaben zum Thema Wartezeit. Seit 2008 gab die Hälfte der Befragten an, auf einen Arzttermin nicht gewartet zu haben beziehungsweise eine Praxis aufgesucht zu haben, die keine Termine vergibt. Etwa jeder Fünfte wartete bis zu drei Tagen auf einen Termin und jeder Dritte mehr als drei Tage. Elf Prozent der gesetzlich Versicherten warteten länger als drei Wochen auf einen Termin sowie vier Prozent der privat Versicherten. „Bei der Wartezeit gibt es durchaus Unterschiede zwischen der gesetzlichen und der privaten Kran­ken­ver­siche­rung“, erklärte Köhler. Es sei jedoch absurd zu glauben, diese Unterschiede gebe es auch in Bezug auf die medizinische Behandlungsqualität.

Zu wenig Hausärzte am Wohnort?
Zu wenig Hausärzte am Wohnort?
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Zu wenig Hausärzte am Wohnort?

Länger als drei Wochen müssen Patienten vor allem auf einen Facharzttermin warten: 21 Prozent der Versicherten machten diese Angabe. Bei einem Hausarzttermin waren es nur drei Prozent. „Das Thema Wartezeit bei Fachärzten müssen wir dringend angehen“, sagte Köhler. Die überwiegende Mehrheit der Befragten fand die Wartezeit auf einen Arzttermin im Übrigen nicht zu lang: Diese Angabe machten lediglich neun Prozent.

Ebenfalls im fachärztlichen Bereich spüren die Versicherten einen Ärztemangel am deutlichsten. Während 19 Prozent der Befragten angaben, es gebe nicht genügend Hausärzte in ihrer Wohnortnähe, waren es bei den Fachärzten bereits 38 Prozent. Zu wenige Ärzte sehen die Befragten vor allem in den ostdeutschen Bundesländern.

„Diese Ergebnisse bestätigen den Trend, wonach immer mehr Fachärzte für die wohnortnahe Grundversorgung fehlen“, sagte KBV-Vorstand Dipl.-Med. Regina Feldmann. Wenn der Ärztemangel durch den Hinweis auf insgesamt steigende Arztzahlen negiert werde, so werde damit das eigentliche Problem verkannt. Denn es komme nicht nur darauf an, dass Ärzte ausgebildet würden und sich niederließen, sondern auch welche. „Die immer stärkere Spezialisierung in der Medizin trägt nicht dazu bei, die Grundversorgung in einer ganz normalen Kleinstadt zu sichern“, so Feldmann. „Im Gegenteil.“

Bei den individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) gaben neun von zehn Befragten an, ausreichend Bedenkzeit nach einem Angebot erhalten zu haben. Jeder fünfte Patient hatte bei seinem letzten Arztbesuch eine IGeL-Leistung von seinem Arzt angeboten bekommen, zwei von drei haben sie angenommen. „Hier zeigt sich, dass dieses Thema von den Versicherten überhaupt nicht als problematisch angesehen wird“, so Feldmann.

Die neue Nummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst ist hingegen den wenigsten Versicherten bekannt. Nur vier Prozent kannten die Nummer 116 117. Zwei von drei Befragten hatten angegeben, die Nummer gar nicht zu kennen. Etwa jeder Dritte nannte zudem eine falsche Nummer, zum Beispiel die 112.

Falk Osterloh

Zu wenig Hausärzte am Wohnort?
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Zu wenig Hausärzte am Wohnort?

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Avatar #539999
klausenwächter
am Freitag, 26. Juli 2013, 21:36

Hohe Zufriedenheit - Hohe Ausgaben

Hoch waren aber auch die Ausgaben für die Image-Kampagne der KBV. 15 Millionen Euro wurden ausgegeben um mit Straßenplakaten auf die Arbeitsmotivation von Ärtzten aufmerksam zu machen: "Ich helfe für Ihr Leben gern!" Flankiert von dieser Kampagne spielt die KBV nun hohe Zufriedenheitsquoten ein. Ja weiß denn niemand, wie die Zusammenarbeit von Werbeagenturen und Meinungsforschern funktioniert?
Abschließend erhält der Sponsor das Signal: "Würde er weiter investieren, wäre auch eine breitere Bekannheit seiner Service-Nummer 116 117 zu erreichen."
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