ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2013Gesundheitssystem: Vorbild Frankreich
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Prof. Montgomery äußert zur Bürgerversicherung eine private Meinung, hinter der sicher nicht alle deutschen Ärzte stehen. Ganz besonders nicht die, die in einem Gesundheitssystem mit Bürgerversicherung gearbeitet haben, wie in Frankreich. Meiner persönlichen Erfahrung nach werden dort Patienten wesentlich mehr nach dem Gesichtspunkt optimaler medizinischer Betreuung behandelt, viel seltener als bei uns werden wirtschaftliche Aspekte thematisiert.

Der Grund ist ganz einfach: Obwohl der durchaus nicht sozialistisch geprägte französische Staat auch eine Finanzkrise durchmacht, ist mehr Geld im Gesundheitssystem als bei uns. Das ist auch logisch, weil dort eben nicht die am besten Verdienenden aus der Solidarität ausscheren dürfen und dem Gesundheitssystem so die besten Zahler verloren gehen.

Anzeige

Es ist geradezu widersinnig, dass Prof. Montgomery in der Bürgerversicherung einen Weg in die Zweiklassenmedizin sieht – die haben wir heute . . .

Auch die Argumentation mit der Förderung von Innovationen durch die PKV ist dürftig. In Frankreich konnte ich innovative Verfahren ohne Probleme bei allen Patienten einsetzen, während hier bei GKV-Patienten immer die Kostenfrage wie ein Damoklesschwert über unserem ärztlichen Denken schwebt.

Ein weiterer Grund für die weniger angespannte Situation im französischen Gesundheitswesen ist, dass anders als im teilprivatisierten deutschen System keine Gewinne generiert werden müssen für Dividenden und horrende Vorstandsgehälter.

Übrigens verdienen auch französische Hausärzte bezogen auf Arbeitsstunden besser als deutsche – ohne Privatpatienten. Die PKV besteht auch aus gewinnorientierten Unternehmen, während die GKV nur das vorhandene Geld verteilt – so kommt mehr bei uns Leistungserbringern an.

Dr. med. Peter Pommer, Chefarzt der Abteilung für Pneumologie, Gesundheitszentrum Oberammergau, 82487 Oberammergau

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema