ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2013Kolorektalkarzinom mit Lebermetastasen: Anti-EGFR-Antikörper verlängert die Überlebenszeit

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kolorektalkarzinom mit Lebermetastasen: Anti-EGFR-Antikörper verlängert die Überlebenszeit

Dtsch Arztebl 2013; 110(29-30): A-1435 / B-1259 / C-1242

Gulden, Josef

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Etwa jeder zweite Patient mit kolorektalem Karzinom (mCRC) entwickelt Lebermetastasen, die für zwei Drittel aller Todesfälle bei dem Tumor verantwortlich sind. Die einzige Heilungschance ist die kurative Resektion der Metastasen. Da der Anti-EGFR-Antikörper Cetuximab in Kombination mit Chemotherapie beim mCRC hochwirksam ist, erprobten chinesische Chirurgen und Onkologen in einer randomisierten Phase-III-Studie den Nutzen bei Patienten mit mCRC vom KRAS-Wildtyp und mit anfangs nicht resezierbaren Leberfiliae.

Nach Operation des Primärtumors erhielten 138 solcher Patienten eine Chemotherapie (FOLFIRI oder FOLFOX6) entweder allein oder zusätzlich mit Cetuximab. Der Anteil der Patienten, deren Lebermetastasen reseziert werden konnten, war primärer, das Gesamtüberleben ein sekundärer Endpunkt. Eine R0-Resektion der Lebermetastasen war bei 18 von 70 Patienten in der Cetuximab- (25,7 %), aber nur bei fünf von 68 (7,5 %) in der Kontrollgruppe möglich (p < 0,01). Das wirkte sich auf das Überleben aus: Nach 3 Jahren lebten noch 41 % der Patienten im Cetuximabarm, aber nur 18 % in der Kontrollgruppe (Hazard Ratio 0,54; p = 0,013), die mediane Überlebensdauer war um fast 10 Monate verlängert (30,9 vs. 21,0 Monate; p = 0,013). Im Cetuximab-Arm lebten die Patienten, deren Metastasen reseziert werden konnten, deutlich länger als jene, bei denen das nicht möglich war (46,4 vs. 25,7 Monate; p < 0,01).

Fazit: Initial inoperable Lebermetastasen eines Kolorektalkarzinoms mit KRAS-Wildtyp sprechen auf die Zugabe von Cetuximab zur Chemotherapie deutlich besser an als auf die Chemotherapie allein. Entscheidend sei, dass es sich in der Studie um eine Gruppe selektierter Patienten mit synchroner und isolierter Lebermetastasierung handelte, kommentiert Prof. Dr. med. Volker Heinemann vom Comprehensive Cancer Center der TU München.

Die R0-Resektionsrate sei vergleichbar mit der in der deutschen CELIM-Studie: Dort betrug sie 34 %. Auch die Patientenpopulation und die Therapieplanung und -durchführung mit Einbindung der Leberchirurgen seien ähnlich gewesen zur chinesischen Untersuchung. In beiden Studien wurden im Cetuximab-Arm Überlebenszeiten von mehr als 30 Monaten erzielt. „Das bedeutet, dass gerade Patienten mit isolierten und potenziell resektablen Lebermetastasen in hohem Maße von einer möglichst effektiven Therapie profitieren“, meint Heinemann. Josef Gulden

Ye LC, et al.: Randomized controlled trial of cetuximab plus chemotherapy for patients with KRAS wild-type unresectable colorectal liver-limited metastases. J Clin Oncol 2013; 31:1931–8. MEDLINE

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