ArchivDeutsches Ärzteblatt29-30/2013Frage der Woche an . . . Oliver Heitz, Associate Partner der Rochus Mummert Healthcare Consulting GmbH in Hannover

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Oliver Heitz, Associate Partner der Rochus Mummert Healthcare Consulting GmbH in Hannover

Den Klinikchefs fehlt zunehmend Zeit, um sich mit strategischen Fragen zu befassen. Warum ist das ein Problem?

Dtsch Arztebl 2013; 110(29-30): [4]

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Wegen Zeitknappheit der Führungskräfte werden notwendige Entscheidungen zur Zukunftssicherung in vielen Krankenhäusern überhastet getroffen oder vertagt. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Klinikmanagement“, für die das Personalberatungsunternehmen Rochus Mummert 100 Geschäftsführer, Verwaltungsleiter und Direktoren deutscher Krankenhäuser befragt hat.

Den Klinikchefs fehlt zunehmend Zeit, um sich mit strategischen Fragen zu befassen. Warum ist das ein Problem?

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Heitz: Klinikchefs sind mit zu vielen operativen Aufgaben belastet. Freiräume für langfristige Planungen bleiben kaum. Dieses Missverhältnis hat sich seit 2011 verschärft, wie die Studie „Klinikmanagement – Fokus Personal“ von Rochus Mummert zeigt. Das wünschenswerte Verhältnis von annähernd 50 zu 50 zwischen strategischen und operativen Tätigkeiten ist für die meisten Klinikchefs völlig außer Reichweite. In den Häusern öffentlicher Träger ist die Lage besonders prekär: Den kaufmännisch Verantwortlichen dort bleibt nicht einmal ein Viertel ihrer Zeit, um vorausschauend für ihre Einrichtung zu planen.

Als Gründe, warum sie sich in ihrer Arbeit behindert fühlen, nennen die Klinikchefs vor allem Zeit- und Budgetmangel sowie fehlendes Personal. Auch Einschränkungen durch IT und Technik sowie Fallpauschalen in der Leistungserbringung werden häufig bemängelt. Fast die Hälfte der Topmanager ist zudem der Ansicht, dass fehlende Kompetenzen in der nachgeordneten Managementebene dafür sorgen, dass sie selbst im operativen Geschäft immer wieder einspringen müssen. Dies ist aber nur die eine Hälfte der Wahrheit. Denn auch die Manager einzelner Abteilungen sind in ihrer täglichen Arbeit strukturell oft so eingeschränkt, dass sie ihre wichtigsten Aufgaben kaum bewältigen können.

Es ist aber schlicht nicht akzeptabel, dass Führungskräfte in Krankenhäusern generell zu wenig Zeit haben, ihrer Rolle gerecht zu werden. Der Konkurrenzdruck nimmt zu. Deshalb braucht jede Klinik ein klares Profil und eine Strategie, wie sie sich positionieren will. Eine entsprechende Vision und Ideen diese zu verwirklichen, entwickelt kein Klinikchef zwischen Tür und Angel.

Eine langfristige Planung ist besonders für den Personalbereich entscheidend, den Klinikchefs als wichtigsten Faktor für den Erfolg eines Krankenhauses sehen. Sie müssen einerseits Fachärzte finden, die dem Profil des Hauses entsprechen, andererseits Führungskräfte, die einzelne Geschäftsbereiche selbstständig leiten und die Klinikchefs entlasten. Häuser, die das nicht angehen, haben keine Zukunft.

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