ArchivDeutsches Ärzteblatt46/1998USEDOM: Stille Insel zwischen Haff und Meer

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USEDOM: Stille Insel zwischen Haff und Meer

Dtsch Arztebl 1998; 95(46): [27]

Berg, Detlef

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LNSLNS In Swinemünde, dem seit Kriegsende polnischen Swinoujscie, am südöstlichen Zipfel der Insel, verlebte Theodor Fontane prägende Jahre seiner Kindheit. Am nordwestlichen Ende des Eilands, in Peenemünde, wurden gut hundert Jahre später die berühmt-berüchtigten V1 und V2 von der Heeresversuchsanstalt in den Himmel geschossen. Dazwischen breitet sich mit 440 Quadratkilometern die nach Rügen zweitgrößte Insel Deutschlands aus.
Auf der Landkarte sieht sie wie das Gegenteil einer Insel aus. Stark zerklüftet und mit vielen kleinen Landzungen, an der schmalsten Stelle gerade mal 200 Meter breit. Das zerfranste Eiland bietet alles, was sich Naturfreunde wünschen: 38 Kilometer feinsten Sandstrand, Steilküsten mit Sanddünen, schilfumsäumte Haffseen, gewölbeartige Baumalleen, geduckte Katen und schmucke Backsteinkirchen. Kein Wunder, daß hier die Deutschen, allen voran die Berliner, im 19. Jahrhundert ihre Sehnsucht für den Badeurlaub am Meer entdeckten. Die drei kaiserlichen Seebäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin legen davon noch heute beredt Zeugnis ab.
Die ersten Erholungsuchenden kamen 1813 an diese Küste. Es waren Offiziere, die der preußische Staat auf Genesungsurlaub schickte. 1824 machte der Rittergutbesitzer von Bülow den wagemutigen Anfang und ließ auf eigenem Grund ein Gesellschaftshaus, drei Logierhäuser, ein Warmbadehaus und Badeanstalten errichten. Damit war der Grundstein für Heringsdorf gelegt. Die Chronik weiß zu berichten, daß die Fischerkolonie ihren Namen vom preußischen Kronprinzen, dem späteren Friedrich Wilhelm IV., höchstselbst erhalten hat. Man hatte ihn "alleruntertänigst um Namensgebung" gebeten, und angesichts der vielen Fischernetze fiel ihm spontan Heringsdorf ein. Der Ort wurde bald zum Treffpunkt von Hochadel und -finanz, von Großgrundbesitzern, Industriellen und arrivierten Künstlern. Auf Noblesse wurde streng geachtet. Heringsdorf wurde und blieb bis zum Beginn des 2. Weltkrieges das Modebad der mondänen Welt.
Protzige, verschnörkelte und verspielte Nobelpensionen entstanden mit Wintergärten, Söllern, Veranden, Türmchen, Balkonen und Säulen. Darunter befindet sich übrigens auch jene Villa, die Wilhelm II. an der Strandpromenade für seine Geliebte bauen ließ. Ein besonders typisches Beispiel für diese imposante Bäderarchitektur bildet die liebevoll restaurierte Villa, in der der russische Schriftsteller Maxim Gorki 1922 für mehrere Monate Logis nahm, um ein Lungenleiden zu kurieren und am zweiten Band seiner Autobiographie "Unter fremden Menschen" zu arbeiten.
Seit drei Jahren steht mit 508 Metern Länge in Heringsdorf auch die längste Seebrücke des europäischen Festlandes; nur in Großbritannien reichen die Seebrücken noch weiter ins Meer. Die ehemalige Kaiser-WilhelmBrücke fiel 1958 einer Brandstiftung zum Opfer. Der neue Bau präsentiert sich als moderner Glas-Tempel mit Cafés und Geschäften.
Direkt am Fuß der Seebrücke liegt das gerade eröffnete Maritim Hotel Kaiserhof. Es bietet neben 130 Komfortzimmern, alle mit Blick auf die Ostsee, auch zahlreiche repräsentative Veranstaltungsräume. Im alten Kurhaus, das in das neue Ensemble eingebunden wurde, findet das Spielcasino einen würdigen Rahmen. Heringsdorf ist für Inselerkundungen ein strategisch günstig gewählter Ort. "Über die schönste Promenade der Welt", so der einheimische Stadtführer, gelangt man ins benachbarte Ahlbeck. Besonders schön ist dort die 1899 erbaute Seebrücke, auf der hoch über dem Wasser ein hölzerner Pavillon thront, schneeweiß mit roten und grünen Dächern vor dem Blau der See.
Als letztes der drei berühmten Kaiserbäder wurde 1897 Bansin als planmäßiger Badeort angelegt. Heute sind die drei Orte nicht nur durch den Strand, sondern auch durch eine herrliche kilometerlange Promenade miteinander verbunden. Hier kann man spazierengehen, laufen oder radeln. Detlef Berg


Informationen: Kurverwaltung, Dünenstraße 45, 17419 Ahlbeck, Tel 03 83 78/2 44 14,
Fax 2 44 18. Unterkunft: Maritim Hotel Kaiserhof, 17424 Heringsdorf, Tel 03 83 78/6 50, Fax 6 58 00. Hotel Esplanade, Seestraße 5, 17424 Heringsdorf, Tel 03 83 78/7 00, Fax 7 04 00.
Literatur: Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommern, Merian, Gräfe und Unzer Verlag, 12,80 DM; Ostseeküste: Mecklenburg-Vorpommern, DuMont Reise-Taschenbuch, 19,80 DM.

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