ArchivDeutsches Ärzteblatt19/1996Krankenhaus: An die Schreibtische gezwungen
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LNSLNS Die Verfasser beschreiben in beachtenswerter Zurückhaltung diesen bundesweit installierten überbürokratischen Unsinn der Fallpauschalen und Sonderentgelte. Zur Umsetzung dieses Systems werden die Krankenhausärzte vom Krankenhausbett an die Schreibtische gezwungen. Krankenhausärzte und Patientenverwaltungen reiben sich gegeneinander auf. In der Herzchirurgie sind zudem heftige Dissonanzen zwischen Herzkliniken und peripheren Krankenhäusern wegen der Fallpauschalenaufteilung gar nicht zu vermeiden.
Wie konnte es überhaupt zu diesem Umschwung des Finanzierungssystems kommen?
1. "Schlaue" Ökonomie-Wissenschaftler, um Beratungs- und Forschungsaufträge buhlend, haben der Politik beigebracht, daß das Finanzierungssystem nach tagesgleichen Pflegesätzen und festen Krankenhausbudgets absolut wirtschaftlichkeitsfeindlich sei.
2. Die Politik, die oft genug durch Koalitionsrücksichtnahmen einen klaren Kurs gar nicht mehr zu bestimmen vermag, fällt auf die plakativen Empfehlungen der "Wissenschaftler" herein. Die Politik erkennt nicht das Segensreiche am "alten System", das lediglich einer effizienzsteigernden Korrektur bedarf.
3. Die Feinheiten des neuen Finanzierungssystems formuliert nicht mehr der "Volksvertreter", sondern der Ministerialbeamte aus. Denn nur er übersieht noch das ganze Chaos und sichert sich dadurch – und über seine Gesetzes-Kommentare und Seminare – seine Unentbehrlichkeit.
4. Niedergelassene Vertragsärzte hätten sich das alles nicht bieten lassen, wenn man deren Erfolge des Protestes gegen die ICD-10 sieht. Die Krankenhäuser nehmen das Chaos geduldig hin, weil wegen der hohen Arbeitsteilung innerhalb des Krankenhauses und wegen der hohen Mitwirkungsteilung auf der Verbandsebene keiner mehr unsinnige gesetzliche Regelungen so hautnah wahrnehmen kann, wie der Vertragsarzt es umfassend empfindet.
Peter Tischmann, Verwaltungsdirektor, St. Josef Hospital Sterkrade, 46145 Oberhausen-Sterkrade
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