ArchivDeutsches Ärzteblatt3/1996Umweltthema im Januar: Luftbelastung im Dezember

POLITIK: Aktuell

Umweltthema im Januar: Luftbelastung im Dezember

Eckel, Heyo; Hüttemann, Ulrich; Rink, Claus

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Auffallend war im Monat Dezember die hohe Luftbelastung durch Schwefeldioxid und Schwebstaub. Gleichwohl muß genau zwischen Spitzen- und Dauerbelastungen unterschieden werden, um nicht zu falschen beziehungsweise panikerzeugenden Aussagen zu kommen. Gerade die Witterungssituation durch viele kalte Tage und entsprechend häufige Inversionswetterlagen führt zu einer schlechten Durchmischung der bodennahen Luftschichten und somit zu einem Anstieg der Schadstoffkonzentrationen. Besonders deutlich wird dies bei Städten, die in Mittelgebirgstälern liegen wie beispielsweise Annaberg-Buchholz oder Klingenthal (beide Erzgebirge).
Die höchsten Werte für Schwebstaub wurden in folgenden Städten erreicht (Wert 1: Mittelwert in Mikrogramm/m3, Wert 2: Maximalwert in Mikrogramm/m3): Merseburg (43/ 1 000), Klingenthal (36/951), Weißenfels (37/911), Görlitz (62/878), Bernburg (72/876), Regen (38/800), Borna (71/718), Eisleben (38/584), Wernigerode (39/565), Stendal (52/549), Magdeburg (42/490).
Zur Erinnerung die Richtwerte des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI): Der MIK-Richtwert (1-h-Wert) liegt bei 500 Mikrogramm/m3, der 24-h-Wert bei 250 Mikrogramm/m3 beziehungsweise 150 Mikrogramm/m3 an aufeinanderfolgenden Tagen. Der MIK-Jahreswert beträgt 75 Mikrogramm/m3. In den WHO-Guidelines werden keine fe-sten Richt- oder Grenzwerte mehr angegeben, da die WHO der Meinung ist, eine Schwelle für Morbidität und Mortalität könne bei Schwebstaub nicht festgelegt werden.
Die höchsten Werte für Schwefeldioxid wurden in folgenden Städten gemessen (Wert 1: Mittelwert in Mikrogramm/m3, Wert 2: Maximalwert in Mikrogramm/ m3): Annaberg-Buchholz (115/ 2 939), ChemnitzMitte (113/1 832), Freiberg (49/ 759), Görlitz (104/751), Cottbus (54/694), Merseburg (91/693), Zeitz (74/651), Klingenthal (62/648), Aue (87/611), Borna (98/601), Spremberg (46/571).
Die Richtwerte nach VDI und WHO: Der MIK-Richtwert (1-h-Wert) liegt bei 1 000 Mikrogramm/m3, der 24h-Wert bei 300 Mikrogramm/m3. Ein MIK-Jahreswert existiert nicht (TA-Luft-Wert: 140 Mikrogramm/m3). Nach den WHO-Guidelines (10-min-Wert) beträgt der Richtwert 500 Mikrogramm/m3, der 24-h-Wert 125 Mikrogramm/m3, der Jahreswert 50 Mikrogramm/m3.
Gewisse Unterschiede bestehen bereits zwischen den WHO- und den MIK-Werten bei Schwefeldio-xid. Die wirkungsbezogene Festlegung sowohl von der WHO als auch vom VDI unterscheidet sich andererseits von der Festlegung, die der Gesetzgeber mit der TA Luft getroffen hat: Sie nimmt eine anlagenbezogene Festlegung der Grenzwerte vor. Dabei sind die TA-Luft-Werte grob als Punktbelastungen zu sehen, MIK-Werte als Hintergrundbelastung. Zur Beurteilung der möglichen Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit sind immer die WHO-Werte oder MIK-Werte heranzuziehen. Lediglich die Werte der Schweizer Luftreinhalteverordnung sollten bei der Wirkungsbezogenheit von Luftschadstoffen als fundierte Grenzwerte in Beurteilungen miteinbezogen werden.
Bereits 1989 wurden im Rahmen des Übereinkommens über weiträumige, grenzüberschreitende Luftverunreinigungen der UNO-Wirtschaftskommission für Europa (ECE Luftreinhaltekonvention) die Vertragsparteien verpflichtet, schrittweise die Luftverunreinigungen einzudämmen. Konkrete Maßnahmen in diesem Zusammenhang sind vor allem die Meßprogramme zur integrierten Überwachung der Wirkung von Luftverunreinigungen auf Ökosysteme. Dabei soll durch die Erfassung des "Ist-Zustandes" und dessen Veränderung durch anthropogene Schadstoffe ein Überblick erarbeitet werden, der erstmalig unterschiedliche Umweltmedien miteinbezieht. 23 Staaten in Europa beteiligen sich an diesem Projekt.
In Deutschland liegt nun ein erster Bericht vor. Die Meßstation "Forellenbach" im Nationalpark Bayerischer Wald wurde als Integrated Monitoring Meßstation angelegt und bietet mit den bisherigen Messungen (seit 1990) erste Ergebnisse für ein langfristiges Forschungsprojekt. Unter anderem beobachtete man in diesem Gebiet (69 Hektar) trotz niedriger Schwefeldioxid- (1 bis 2 Mikrogramm/m3 Jahresmittelwert) und Stickstoffdioxidkonzentrationen (5 Mikrogramm/m3 Jahresmittelwert) deutlich erhöhte Säurekonzentration im Boden (erhöhte pH-Werte).
Wegen der von Natur aus nährstoffarmen Böden in diesem Gebiet führen die Depositionen aus der Luft zu einer zusätzlichen Verschärfung der Ernährungssituation der Baumbestände. Infolge der geschützten Lage des Nationalparkes können andere Einwirkungsquellen als die Luft für die beobachteten Schadstoffe ausgeschlossen werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß anscheinend bereits geringe Mengen an Vorläuferschadstoffen in der Luft bei ungünstigen geologischen Situationen starke Auswirkungen auf den Bewuchs haben.

Prof. Dr. med. Heyo Eckel,
Prof. Dr. med. Ulrich Hüttemann,
Dr. rer. nat. Claus Rink,
e-mail: Internet :100526.2361@compuserve.com
e-mail: Compuserve: 100526,2351
e-mail: T-Online: Rink.UDS.enviroreport@t-online.de


Rückfragen: Dr. Claus Rink, c/o Georisk GmbH, Schloß Türnich, 50169 Kerpen, Tel 0 22 37/6 12 22

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote